Satellitentelefonie: O2 verbindet normale Handys mit LEO-Netzwerk

O2 Telefónica demonstriert Satellitenfunk für Alltags-Smartphones ohne Hardware-Anpassungen. Die Technik soll ab 2027 in Deutschland getestet werden.

Erstmals können normale Handys ohne Umbau mit Satelliten kommunizieren – O2 Telefónica und der luxemburgische Betreiber OQ Technology haben die Technik live vorgeführt.

Die Demonstration nutzt terrestrische Mobilfunkfrequenzen, um handelsübliche Geräte wie iPhones oder Samsung-Modelle mit Niedrigorbit-Satelliten (LEO) zu verbinden. Spezielle Hardware ist nicht nötig. Der Ansatz unterscheidet sich grundlegend von den Plänen der Konkurrenz: Deutsche Telekom und Vodafone setzen auf MSS-Frequenzen (Mobile Satellite Service), die meist teurere oder angepasste Endgeräte erfordern.

Tests in Mecklenburg-Vorpommern geplant

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O2 nutzt für die aktuellen Versuche sein 2,6-GHz-Spektrum. Im Herbst 2026 sollen umfangreichere Tests folgen. Ab Anfang 2027 ist die Region Waren an der Müritz in Mecklenburg-Vorpommern Schauplatz der Erprobung. Die Versuche sind auf etwa ein Jahr angelegt.

Ziel ist es, grundlegende Dienste wie SMS, Sprachtelefonie und kleine Datenpakete auch in Gebieten ohne Mobilfunkabdeckung zu ermöglichen. Die aktuelle Bandbreite liegt zwischen 1 und 2 Mbit/s – genug für Notrufe und Kurznachrichten, aber nicht für Videostreaming.

Wettlauf um Satelliten-Konnektivität

Während O2 auf eine europäische Lösung setzt, arbeiten die Wettbewerber mit US-Partnern. Die Telekom kooperiert mit Starlink und plant einen Marktstart in Deutschland für Anfang 2028. Vodafone gründete Anfang 2026 ein Joint Venture mit AST SpaceMobile aus den USA – ein konkreter Starttermin für Deutschland steht noch aus.

OQ Technology wurde 2016 gegründet und betreibt derzeit 12 Satelliten. Drei weitere sollen noch in diesem Jahr folgen. Für eine durchgehende Abdeckung sind 48 Satelliten bis Ende 2027 nötig, das langfristige Ziel liegt bei 150 Satelliten bis 2028 oder 2029.

Europäische Unabhängigkeit als strategisches Ziel

Die Entwicklung satellitengestützter Mobilfunkdienste wird zunehmend als Frage der digitalen Souveränität Europas betrachtet. OQ Technology betont, dass sein Betrieb unabhängig von US-Cloud-Regularien bleibt.

Die Finanzierung untermauert diesen Anspruch: Im Februar 2026 sicherte sich das Unternehmen einen Kredit von rund 25 Millionen Euro von der Europäischen Investitionsbank (EIB). Zusätzlich flossen 2,28 Millionen Euro von der luxemburgischen Regierung für das „Sentinel“-Projekt, das den Schutz von 5G-Satelliten-Uplinks zum Ziel hat.

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Geschäftszahlen zeigen ein junges, aber wachsendes Unternehmen: Für das Geschäftsjahr 2024 meldete OQ Technology einen Bruttoumsatz von 1,95 Millionen Euro bei einem Nettogewinn von 400.000 Euro. Die Belegschaft ist zuletzt auf 39 Mitarbeiter angewachsen.

Notfallkommunikation im Fokus

Das primäre Ziel der Satelliten-Integration bleibt die Notfallkommunikation bei Naturkatastrophen, Stromausfällen oder Extremwetterereignissen. Auch die Beseitigung von Funklöchern im ländlichen Raum steht ganz oben auf der Agenda. Die etablierten Netzbetreiber zeigen sich finanziell stabil genug, um solche Zukunftsprojekte zu stemmen: Die Telekom meldete für das erste Quartal 2026 ein organisches Umsatzwachstum von 4,7 Prozent auf 29,9 Milliarden Euro.