Die führenden Hersteller von Saugrobotern liefern sich einen erbitterten Technologie-Wettkampf. Innerhalb weniger Tage brachten iRobot, Roborock und Ecovacs ihre neuen KI-Flaggschiffe auf den Markt. Diese Geräte setzen nicht mehr auf reine Saugkraft, sondern auf künstliche Intelligenz für ein autonomes Putzerlebnis.
Die fast zeitgleichen Markteinführungen in dieser Woche markieren einen Wendepunkt. Die Branche verlässt die Ära der einfachen Automatisierung. Stattdessen setzt sie auf künstliche Intelligenz, die Flecken mit UV-Licht erkennt, Hindernisse identifiziert und selbst hohe Türschwellen überwindet. Die globalen Auslieferungen stiegen in den ersten drei Quartalen 2025 um fast 19 Prozent. Der Wettbewerb dreht sich nun um intelligente Nutzererfahrung.
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Kompakt oder hochmobil: Neue Strategien für europäische Haushalte
iRobot startete am 10. März den europaweiten Verkauf des Roomba Mini. Das Gerät ist eine strategische Wende hin zu platzsparender Robotik. Ursprünglich für kleine japanische Wohnungen konzipiert, soll der Mini mit seiner kompakten Bauweise auch europäische Grundrisse erobern. Er nutzt eine LiDAR-Technologie, um enge Ecken zu navigieren. „Er erreicht Stellen, die Standardgeräte nicht sauber bekommen“, so iRobot-Chef Gary Cohen.
Einen Tag zuvor kündigte Roborock die Verfügbarkeit des Premium-Modells Saros 20 ab dem 23. März an. Sein „StarSight Autonomous System 2.0“ erkennt über 200 Objekte. Die größte Neuerung ist das AdaptiLift Chassis 3.0: Ein Radaufhängungssystem, das das Gerät bis zu 8,8 Zentimeter anheben kann, um doppelte Teppichstangen oder Schwellen zu überqueren. Diese Mobilität ist für viele europäische Altbauten mit unebenen Böden entscheidend.
Unsichtbaren Schmutz erkennen und Haustierbesitzer begeistern
Während die Navigation im Fokus steht, nutzen andere Hersteller KI, um unsichtbare Verschmutzungen zu finden. SharkNinja stellte Anfang März den Shark PowerDetect UV Reveal vor. Er kombiniert erstmals UV-Licht-Detektion mit einer RGB-Kamera. Das System soll versteckte Flecken, eingetrocknete Tierunfälle oder Schweiß sichtbar machen. Wird ein Fleck erkannt, startet ein gezieltes Schrubben, das laut Hersteller siebenmal stärker ist als normales Wischen.
Ein ähnliches Zielpublikum adressiert Ecovacs mit dem am 9. März vorgestellten Deebot T90 Pro Omni. Das für Haustierbesitzer beworbene Gerät hat einen 27 Zentimeter langen, selbstreinigenden Wischmopp. Während des Putzvorgangs wäscht sich der Mopp mit integrierten Düsen selbst. Für Tierhaare setzt der Roboter auf eine Saugtechnologie mit bis zu 30.000 Pascal Saugkraft.
Datensicherheit wird zum zentralen Wettbewerbsfaktor
Da Saugroboter mit Kameras ausgestattet durch ganze Wohnungen navigieren, sind Datenschutzbedenken so hoch wie nie. Die Hersteller reagieren und priorisieren sichere Datenverwaltung. iRobot etablierte neue regionale Datenschutzprotokolle. Samsung, das im März sein Bespoke AI Steam-Modell auf den internationalen Markt brachte, setzt auf etabliertes Markenvertrauen. Sein Roboter erkennt mit einem 3D-Sensor Flüssigkeiten und umfährt verschüttetes Wasser aktiv – ein häufiges Problem, das Motoren zerstören kann.
Analysten sehen den Wettbewerb komplett verlagert: Die reine Hardware ist zweitrangig geworden. Entscheidend ist die Fähigkeit der Software, multimodale Sensordaten zu verarbeiten und in Echtzeit Entscheidungen ohne menschliches Zutun zu treffen.
Vollautonomie als ultimatives Ziel
Die schnelle Abfolge der Markteinführungen zeigt einen gereiften Markt. Technologien, die früher gewerblichen Robotern vorbehalten waren, halten nun im Privathaushalt Einzug. Mechanisch konvergiert die Branche auf hybride Designs, die null menschliches Eingreifen erfordern. Roborocks automatisches Mop-Abwerfen für Teppiche oder Ecovacs‘ selbstwaschende Rollen sind Beispiele.
Die Software-Ansätze gehen jedoch unterschiedliche Wege. Während Shark auf UV-Licht setzt, vertrauen Roborock und Samsung auf große Bilderkennungs-Datenbanken. Für Verbraucher in Europa bedeutet der harte Wettbewerb eine enorme Auswahl an spezialisierten Geräten – ob für enge Altbau-Ecken in Berlin oder für das Tierhaar-Management im Vorstadthaus.
Der Blick nach vorne zeigt: Die Grenze zwischen Haushaltsgerät und vielseitigem Roboter verschwimmt. Hersteller arbeiten bereits an nächsten Mobilitätsarchitekturen, wie Roborocks Prototypen mit Rad-Bein-Hybriden, die Treppen meistern sollen. Für die zweite Hälfte des Jahres 2026 werden Features wie UV-Erkennung oder Dampfsterilisation wahrscheinlich zum Standard. Die KI-Saugroboter von morgen werden von reaktiven Putzern zu vorausschauenden Haushaltsmanagern, die den Reinigungsbedarf aus Gewohnheiten und Umgebungsdaten vorhersagen.





