Scam-Netzwerke: 49,1 Milliarden Euro Verluste in Europa

Kriminelle Netzwerke erbeuten in Europa 49,1 Milliarden Euro durch Romance- und Krypto-Scams. Polizei erzielt Erfolge bei Prävention.

Kriminelle Netzwerke kombinieren psychologische Manipulation mit komplexen Krypto-Investment-Betrugsmaschen. Die Schäden sind enorm: Laut der Global Anti-Scam Alliance (Gasa) verloren Verbraucher in Europa im vergangenen Jahr rund 49,1 Milliarden Euro durch Scams.

Systematische Ausbeutung: Pig Butchering und Romance Scams

Ein Fall aus den USA zeigt die Dimensionen. Eine 61-jährige Managerin aus Connecticut verlor rund 790.000 Euro durch „Pig Butchering“. Der Täter baute über eine Dating-App Vertrauen auf und überredete das Opfer, Gelder aus der Altersvorsorge und eine Hypothek in angebliche Krypto-Investitionen zu stecken. Die Ermittlungen führten bis nach Singapur und Nigeria.

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Auch in Europa schlagen die Täter zu. Mitte Juni wurde eine 77-jährige Österreicherin Opfer eines Krypto-Betrugs – fünfstelliger Schaden. In Südafrika fahndet die Polizei nach einem Mann, der mehrere Frauen durch Romance-Scams um hohe Beträge betrogen haben soll. Die Täter isolieren ihre Opfer emotional, bevor sie finanzielle Forderungen stellen.

Sextortion: Kurzfristige Erpressung mit intimen Aufnahmen

Neben dem langfristigen Vertrauensaufbau nehmen kurzfristige Erpressungsversuche zu. Ein Fall aus Nordirland zeigt das Muster: Täter verlagern Gespräche von Tinder auf WhatsApp, locken Opfer zu intimen Videoanrufen und zeichnen diese heimlich auf. Dann drohen sie mit der Veröffentlichung.

In Indien führte eine ähnliche Masche zu Festnahmen. In Gujarat lockte eine Gruppe einen Mann über die Dating-App „Polo“ in eine Falle, attackierte und filmte ihn. Die Täter erpressten Bargeld. Experten raten dringend davon ab, zu zahlen – das führt meist zu weiteren Forderungen. Besser: Beweise sichern und Anzeige erstatten.

Die Statistik spricht Bände

Die Gasa-Studie zeigt die Breitenwirkung: Rund 75 Prozent der Befragten wurden bereits mit Scam-Versuchen konfrontiert. In Deutschland verloren 25 Prozent der Betroffenen durchschnittlich 2.600 Euro. Neben Love Scamming zählen Phishing und Fake-Shops zu den häufigsten Delikten.

Juristen sehen zudem tiefgreifende Datenschutzprobleme. Plattformen verarbeiten hochsensible biometrische, emotionale und sexuelle Daten. Die Wirksamkeit der DSGVO wird in diesem Bereich kritisch hinterfragt. Experten fordern verstärkte EU-weite Forensik-Einheiten, eine Lizenzierungspflicht für Plattformen und verbindliche Audit-Standards für KI-Systeme.

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Prävention und Erfolge der Polizei

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt verstärkte Sicherheitsvorkehrungen: Passkeys, Zwei-Faktor-Authentisierung und regelmäßige Software-Updates. Besonders in der Urlaubszeit warnen die Experten vor unsicheren WLAN-Verbindungen und der Preisgabe persönlicher Daten in sozialen Netzwerken.

Trotz der globalen Struktur der Tätergruppen gibt es Erfolge. In einer sechswöchigen Kooperation zwischen der Polizei in Singapur und Chainalysis konnten zwischen Mitte April und Ende Mai 2026 Krypto-Scam-Verluste von 4,2 Millionen US-Dollar verhindert werden. Die Behörden kontaktierten über 145 potenzielle Opfer und stoppten Überweisungen im Zusammenhang mit Investment- und Love Scams. Es war die zweite Operation dieser Art – zuvor sicherten die Ermittler bereits rund 2,86 Millionen US-Dollar.