Schaeffler setzt auf Roboter: Vom Zulieferer zum Schlüsselakteur

Der Automobilzulieferer Schaeffler strebt mit einer Doppelstrategie die Marktführerschaft für humanoide Roboter an. Dazu entwickelt er Schlüsselkomponenten und testet Hunderte Roboter in eigenen Werken.

Der Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler vollzieht einen strategischen Schwenk und will zum führenden Anbieter für humanoide Roboter werden. Das Unternehmen aus Herzogenaurach kombiniert dabei eine einzigartige Doppelrolle: Es entwickelt Schlüsselkomponenten und will gleichzeitig Hunderte der Maschinen in den eigenen Werken einsetzen.

Vom Getriebe zum Roboter-Gelenk

Im Zentrum der neuen Strategie steht die ambitionierte Marktziele: Schaeffler will bis 2030 mehr als zehn Prozent des globalen Marktes für humanoide Roboter erobern. Die Grundlage dafür sieht der Konzern in seiner Kernkompetenz – der Antriebstechnik. Lagern, Aktuatoren und Elektromotoren machen bereits heute einen erheblichen Teil der Materialkosten eines humanoiden Roboters aus.

„Wir bringen unser jahrzehntelanges Know-how in der Industrialisierung jetzt in diesen Wachstumsmarkt ein“, lautet die Devise. Konkret bedeutet das: Schaeffler entwickelt die präzisen „Muskeln und Gelenke“ für die Roboter. Ein Schwerpunkt liegt auf Strain-Wave-Getrieben, die für fließende Bewegungen von Armen und Oberkörpern entscheidend sind. Ein neu vorgestellter Planetengetriebe-Aktuator integriert Motor, Getriebe und Steuerung in einem kompakten Bauteil.

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Partnerschaft mit britischem Start-up

Um die Entwicklung zu beschleunigen, ging Schaeffler im Januar eine Technologiepartnerschaft mit dem britischen Roboterhersteller Humanoid ein. Das 2024 gegründete Unternehmen hat in nur sieben Monaten einen funktionsfähigen Prototypen eines mobilen Manipulator-Arms entwickelt. Die Zusammenarbeit zielt darauf ab, gemeinsam innovative Komponenten für zwei- und vierbeinige Roboter zu entwickeln.

Für Schaeffler ist die Partnerschaft strategisch klug. Statt selbst komplette Roboter zu bauen, setzt der Konzern auf seine Stärken als skalierender Komponentenlieferant. Gleichzeitig profitiert er von der Agilität und Innovationskraft eines Start-ups. Analysten sehen darin einen cleveren Schachzug, um Wissen aus der Automobilbranche in die Robotik zu transferieren.

Einmaliger Praxistest in den eigenen Werken

Was die Strategie besonders macht, ist Schaefflers Doppelrolle. Das Unternehmen will nicht nur liefern, sondern auch selbst zu einem der größten Anwender werden. In den nächsten fünf Jahren sollen mehrere hundert Roboter von Humanoid im eigenen Produktionsnetzwerk mit über 100 Werken zum Einsatz kommen.

Dieser Großversuch dient zwei Zwecken: Er soll die Automatisierung in den Schaeffler-Werken vorantreiben und gleichzeitig einen einzigartigen Praxistest ermöglichen. Die im Betrieb gesammelten Daten werden genutzt, um KI-Modelle zu trainieren und die Roboterleistung kontinuierlich zu optimieren. „Dieser Feedback-Kreislauf wird die Innovation beschleunigen“, so die Überzeugung des Unternehmens.

Markt reagiert mit Optimismus

Die Ankündigungen sind bei Investoren auf positive Resonanz gestoßen. Die Schaeffler-Aktie verzeichnete zu Jahresbeginn 2026 einen spürbaren Aufschwung. Der Konzern positioniert sich damit in einem Feld, das auch Tech-Giganten und Automobilkonzerne intensiv bearbeiten. Die industrielle Welt sucht verstärkt nach Robotik-Lösungen, um Fachkräftemangel zu begegnen und repetitive Aufgaben zu automatisieren.

Die Live-Demonstration eines Humanoid-Roboters bei der CES 2026 in Las Vegas zeigte, dass die Technologie schon heute für komplexe Pick-and-Sort-Aufgaben in Fabriken bereit ist. Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld betont: „Unser Ziel ist es, eine Schlüsselrolle im wachsenden Markt für humanoide Roboter zu spielen – gestützt auf unsere langjährige Fertigungsexzellenz.“

Mit der Verbindung von mechanischer Präzision und digitaler Intelligenz will Schaeffler nicht nur das eigene Geschäft transformieren, sondern auch die Zukunft der automatisierten Arbeit mitgestalten. Der Praxistest in den eigenen Werken könnte dabei zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden.

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