Schatten-KI im Job: Jeder fünfte Berufstätige nutzt Assistenten heimlich

20 Prozent verwenden unerlaubte KI-Helfer, während Unternehmen zwischen Richtlinien, technischen Kontrollen und bewusster Duldung abwägen.

•

In deutschen Unternehmen gehört der Einsatz von generativer Künstlicher Intelligenz zunehmend zum Berufsalltag, vollzieht sich jedoch vielfach an offiziellen Vorgaben vorbei.

Wie aus einer gemeinsamen Untersuchung des IT-Dienstleisters Tieto Germany und des Marktforschungsinstituts TQS Research & Consulting hervorgeht, setzt jeder fünfte Berufstätige in Deutschland KI-Assistenten heimlich im Arbeitsumfeld ein. Für diese sogenannte Schatten-KI greifen Beschäftigte eigenmächtig auf digitale Werkzeuge zurück, ohne dass eine formelle Freigabe des Arbeitgebers vorliegt.

Für die repräsentative Erhebung befragten die Institute im Rahmen einer Online-Befragung (CAWI) 1.000 Personen in Deutschland, darunter 757 Erwerbstätige.

Die Ergebnisse verdeutlichen eine deutliche Dreiteilung der Belegschaften: Während 20 Prozent der Berufstätigen zu nicht autorisierten KI-Tools greifen, nutzt ein ebenso großer Anteil von 20 Prozent ausschließlich behördlich oder unternehmensseitig genehmigte Systeme.

Auf der anderen Seite stehen 40 Prozent der Erwerbstätigen, die bislang vollständig auf den Einsatz entsprechender Technologien am Arbeitsplatz verzichten.

Jüngere Generationen treiben Schatten-KI voran

Besonders stark ausgeprägt ist das Phänomen der unautorisierten Nutzung bei Nachwuchskräften. In der Altersgruppe der 16- bis 29-Jährigen gaben 36 Prozent an, Schatten-KI im Job einzusetzen. Bei den älteren Beschäftigten zwischen 50 und 65 Jahren beläuft sich dieser Anteil hingegen auf lediglich 13 Prozent.

Über alle Altersklassen hinweg liegt der Anteil der KI-Nutzer im Berufsleben bei insgesamt 40 Prozent. Zwischen den Geschlechtern zeigen sich dabei kaum Unterschiede: 41 Prozent der befragten Männer und 39 Prozent der Frauen greifen auf KI-Assistenten zurück.

Deutlichere Differenzen treten hingegen mit Blick auf den Bildungsstand zutage. Während unter den Erwerbstätigen ohne Abitur 28 Prozent KI-Lösungen einsetzen, liegt die Quote bei Personen mit Abitur bei rund 57 Prozent.

Anzeige

Der unkontrollierte Einsatz von KI-Systemen stellt Unternehmen vor neue rechtliche Herausforderungen, die über rein technische Fragen hinausgehen. Dieser kostenlose Leitfaden bietet einen kompakten Überblick über die EU-KI-Verordnung, damit Sie Fristen, Pflichten und Risikoklassen rechtzeitig verstehen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

Fehlende Richtlinien hemmen offizielle Nutzung

Die Zurückhaltung derjenigen, die generative Werkzeuge bislang meiden, beruht oft auf organisatorischen Unklarheiten. Als Hauptgrund für den vollständigen Verzicht nannten 24 Prozent der Befragten das Fehlen verbindlicher unternehmensinterner Leitlinien.

Weitere 16 Prozent führten ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber den generierten Ergebnissen an. Dennoch signalisiert ein Teil der Beschäftigten Bereitschaft: 15 Prozent der Befragten planen, entsprechende Assistenten in naher Zukunft in ihre Arbeitsabläufe zu integrieren.

Unternehmen zwischen Verbot und Toleranz

Der pragmatische Umgang vieler Angestellter mit nicht freigegebenen Systemen stellt auch die Führungsetagen vor Herausforderungen. Eine flankierende Befragung unter über 200 KI-Verantwortlichen in deutschen Großunternehmen und dem Mittelstand veranschaulicht die unterschiedlichen Managementansätze.

Anzeige

Wer sich mit dem Einsatz neuer Technologien im Betrieb befasst, muss auch die damit verbundenen Sicherheitsaspekte im Blick behalten. In diesem kostenlosen E-Book erfahren Sie, wie Sie moderne Cyberrisiken abwenden und Ihr Unternehmen ohne teure Investitionen proaktiv schützen können. Gratis-Report zu neuen Cyberrisiken herunterladen

Demnach setzen 47 Prozent der Organisationen primär auf Prävention durch klare Richtlinien, während 45 Prozent der Verantwortlichen auf technische Kontrollen vertrauen, um Zugriffe zu steuern. Zugleich akzeptieren 27 Prozent der befragten Entscheidungsträger das verbleibende Restrisiko und lassen Schatten-KI im Betrieb bewusst zu, um Arbeitsabläufe nicht unnötig zu verlangsamen.