Schlaganfall-Prävention: Sieben bis neun Stunden Schlaf senken Risiko

Zwei Heidelberger Verbundprojekte erhalten über vier Jahre jeweils 3,9 Millionen Euro für Tumordiagnostik und neurologische Nachwuchsforschung.

Im Rahmen des europäischen Forschungsprogramms Horizon Europe fließen Fördermittel in Höhe von insgesamt 7,8 Mio. Euro an die Universität Heidelberg und das Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD). Die Zuwendungen verteilen sich auf zwei großangelegte Verbundprojekte, die jeweils mit 3,9 Mio. Euro über einen Zeitraum von vier Jahren unterstützt werden. Die Koordination beider Vorhaben liegt bei Prof. Felix Sahm.

KI-Systeme für die Tumordiagnostik und wissenschaftliche Nachwuchsförderung

Eines der zentralen Projekte, EUcanAI, widmet sich der Entwicklung von Systemen auf Basis künstlicher Intelligenz für die Diagnostik von Hirntumoren. Das Vorhaben startete Anfang September 2026 und zielt darauf ab, technologische Fortschritte in die klinische Anwendung zu überführen.

Parallel dazu ist für den Jahresbeginn 2027 der Start des Projekts FutureMIND vorgesehen. Dabei handelt es sich um ein strukturiertes Doktorandennetzwerk, das die Ausbildung hochqualifizierter Forscher im neurologischen Bereich sicherstellen soll.

Diese Initiativen ergänzen die breite Forschungslandschaft in der Neurologie, die derzeit durch signifikante Fortschritte in der Diagnostik und Pathophysiologie geprägt ist.

So identifizierte ein Forschungsteam der FAU Erlangen-Nürnberg Autoantikörper gegen das MLC1-Protein als potenziellen Auslöser für Erkrankungen, die der Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankung (NMOSD) ähneln. In einer in Science Translational Medicine veröffentlichten Studie wurden diese Antikörper bei vier Patienten nachgewiesen, die keine AQP4-Antikörper aufwiesen.

Neue Erkenntnisse zu Multipler Sklerose und NMOSD

Auch in der Forschung zur Multiplen Sklerose (MS) gibt es neue Ansätze zur therapeutischen Beeinflussung des Krankheitsverlaufs. Ein Team am UKE Hamburg identifizierte laut einer Publikation in Nature den intrazellulären Komplementfaktor H als Schutzfaktor für Nervenzellen. Dieser Faktor wirke oxidativem Stress entgegen und könnte somit einen Ansatzpunkt für die Behandlung der progredienten MS bieten.

Hinsichtlich der Behandlung von NMOSD bestätigte die finale Auswertung der CHAMPION-NMOSD-Studie die langfristige Wirksamkeit von Ravulizumab. Bei Patienten mit AQP4-positiver NMOSD zeigte sich über eine mediane Nachbeobachtungszeit von mehr als drei Jahren ein anhaltender Therapieeffekt.

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Fortschritte in der Diagnostik und Qualitätssicherung

Die diagnostischen Möglichkeiten bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer werden durch neue Testverfahren erweitert. Das Unternehmen Beckman Coulter erhielt die CE-Kennzeichnung (IVDR) für den Access p-Tau217-Assay. Das Verfahren dient der Bewertung der Amyloid-Pathologie und wird auf der DxI 9000 Plattform eingesetzt. Zusätzlich wurde ein entsprechender Assay für Forschungszwecke vorgestellt.

Zur Sicherung der Behandlungsqualität in der Versorgung von MS-Patienten initiiert die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) für den Zeitraum Herbst/Winter 2026 eine Pilotphase zur Zertifizierung von MS-Zentren. An diesem Verfahren nehmen zehn Zentren teil, die sich einer Prüfung durch ClarCert unterziehen. Die zugrundeliegenden 34 Anforderungen basieren auf der aktuellen Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).

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Regionale Versorgung und Prävention

In der praktischen Versorgung wurde im September 2026 über die Zukunft der neurologischen Praxis in Langenfeld informiert. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein ist keine Verlegung der neurologischen Sitze an andere Standorte geplant. Gleichzeitig expandieren private Anbieter wie Beyond Imaging, die in Kiel einen neuen Standort mit spezialisierter Gerätetechnik, darunter ein 3-Tesla-MRT und ein CT-System, eröffnet haben.

Präventive Maßnahmen bleiben ein wesentlicher Pfeiler der neurologischen Gesundheit. Fachleute wie Prof. Claudio Bassetti von der Universität Bern weisen darauf hin, dass ein signifikanter Anteil von Schlaganfällen und Demenzfällen durch Lebensstilfaktoren vermeidbar sei.

Empfohlen werden eine Schlafdauer von sieben bis neun Stunden sowie regelmäßige körperliche Aktivität. Zur Aufklärung über Schlaganfall-Symptome wird weiterhin die FAST-Regel herangezogen, da in Deutschland jährlich mehr als 270.000 Schlaganfälle verzeichnet werden.

Für die fachliche Weiterbildung in der Neurologie wurde zudem die zweite Auflage des Standardwerks Facharztprüfung Neurologie von Sieb und Block veröffentlicht, das auf 370 Seiten aktuelles Prüfungswissen zusammenfasst.