Der 25. eGovernment-Wettbewerb von BearingPoint und Cisco ist in die öffentliche Abstimmungsphase gestartet. Seit heute können Bürger bis zum 20. August über die eingereichten Projekte abstimmen. Die Finalisten hatten ihre Konzepte bereits am Montag und Dienstag dieser Woche präsentiert.
Spannende Finalisten in vier Kategorien
Die Jury bewertete Projekte in den Bereichen Künstliche Intelligenz, End-to-End-Prozesse, Transformation und Souveränität. Zu den vielversprechendsten Kandidaten zählen Public AI aus Österreich, das Projekt NRW.Genius, eine bayerische Steueranwendung und Berlins Open-Source-Strategie. Die Preisverleihung findet Anfang September in Berlin statt.
Das Thema digitale Souveränität gewinnt dabei rasant an Bedeutung. Erst am Montag verkündete Schleswig-Holstein die Migration von 30.000 Arbeitsplätzen auf Open-Source-Software. Das Land ersetzt kommerzielle Büroprogramme durch LibreOffice und alternative Tools. Zudem testet es mit „LLMoin“ einen KI-Assistenten auf europäischer Infrastruktur.
KI hält Einzug in die Kommunen
Die praktische Anwendung von Künstlicher Intelligenz kommt nun auch auf lokaler Ebene an. Die IT-Kooperationsbehörde FITKO hat ihren KI-Chatbot für das Service-Netzwerk „115″ in den Regelbetrieb überführt. Der quelloffene Bot beantwortet rund um die Uhr Verwaltungsfragen – bereits aktiv in Berlin, Aachen, Essen, Frankfurt und Karlsruhe.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Über die Hälfte aller deutschen Gemeinden setzt inzwischen auf KI. Schwerpunkte sind die Dokumentenanalyse und die Bearbeitung von Bürgeranfragen. Viele Kommunen setzen dabei auf große Sprachmodelle wie Llama 3 oder Mistral, die sie auf eigener Infrastruktur betreiben – Datenschutz ist das oberste Gebot.
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Parallel dazu startete die Bundesregierung am Dienstag ihren Agentic AI Hub. Aus 600 Bewerbungen wurden 20 Pilotprojekte ausgewählt. Sie sollen die Interaktion mit Bürgern verbessern und die Bearbeitung von Sozialleistungen beschleunigen.
Internationale Schritte zur KI-Regulierung
Auch weltweit nimmt die Formalisierung von KI-Nutzung Fahrt auf. Indiens Ministerium für Elektronik und IT prüft seit Dienstag die KI-Fahrpläne verschiedener Ministerien. Das National Informatics Centre hat bereits 47 von 90 Vorschlägen freigegeben. Zwei Unternehmen stehen im Finale für die Entwicklung einer KI-Beschaffungsplattform.
In den USA schreibt die Stadt Tucson, Arizona, KI-Assistenten für ihren IT-Service und die Wasserwerke aus. Die Angebotsfrist endet am 23. Juli.
Große Hürden trotz technischer Fortschritte
Doch der Weg zur digitalen Verwaltung ist steinig. Eine heute veröffentlichte Studie zeigt: Nur 28 Prozent der Behörden haben ihre Dienstleistungen vollständig digitalisiert. Knapp die Hälfte der Befragten nennt fehlende Daten- und Schnittstellenstandards als größtes Hindernis. 40 Prozent beklagen die Zersplitterung zwischen Bund und Ländern.
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Die Stimmung unter den Bürgermeistern ist verhalten. Eine Forsa-Umfrage unter fast 1.300 Rathauschefs ergibt: 97 Prozent halten die Digitalisierung für wichtig, bewerten den Fortschritt aber mit mageren 3,7 von fünf Punkten. Rund 70 Prozent der Bürgermeister sagen, der Bund habe keine ausreichenden Rahmenbedingungen geschaffen – zu viel Bürokratie, zu wenig Geld.
Auch internationale Organisationen schlagen Alarm. Ein Bericht des UN-Entwicklungsprogramms warnt: KI breite sich schneller aus, als Institutionen sie regulieren können. Die Studie empfiehlt dringend Standards für die Beschaffung und klare Verantwortlichkeiten, um das Vertrauen der Bürger zu schützen.
Der Bitkom-Digitalpolitik-Monitor zeigt indes: Von 221 geplanten Digitalprojekten sind 69 Prozent gestartet oder abgeschlossen. 31 Prozent aber haben noch nicht begonnen – die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit bleibt groß.

