Schleswig-Holstein: Staatskanzlei stellt mehr als 200 Arbeitsplätze auf Linux um

Mehr als 200 Beschäftigte der Kieler Staatskanzlei nutzen Linux. Schleswig-Holstein kündigte fast 80 Prozent der Microsoft-Lizenzen und kooperiert mit Thüringen.

Im Rahmen der 24. Kieler Open Source und Linux Tage gab der schleswig-holsteinische Digitalisierungsminister Dirk Schrödter bekannt, dass die Staatskanzlei in Kiel den Wechsel von Windows auf Linux für den Großteil der Belegschaft vollzogen hat. Laut Berichten vom 21. September 2026 arbeiten bereits mehr als 200 Beschäftigte mit dem quelloffenen Betriebssystem.

Fortschritte bei der Software-Umstellung

Die Migration umfasst neben dem Betriebssystem auch wesentliche Produktivitätsanwendungen. Wie aus Regierungsangaben hervorgeht, wurden die Office-Lösung LibreOffice, das E-Mail-System Open-Xchange sowie die Videokonferenz-Software OpenTalk bereits erfolgreich implementiert.

In den kommenden Etappen ist die Einführung weiterer Open-Source-Komponenten geplant. Dazu gehören die Kollaborationsplattform Nextcloud für den Dateiaustausch, der Verzeichnisdienst Univention Nubus sowie die Telefonie-Lösung Oskar.

Trotz des weitgehend abgeschlossenen Wechsels verbleiben in der Staatskanzlei vorerst rund 20 Arbeitsplätze bei Windows. Grund hierfür seien technische Abhängigkeiten spezialisierter Fachverfahren. Das Digitalressort arbeite jedoch bereits an entsprechenden Anpassungen, um auch diese Bereiche langfristig zu migrieren.

Unterstützung durch Dienstleister und Begleitmaßnahmen

Für den technischen Support und die Implementierung der Linux-Infrastruktur wurde der IT-Dienstleister Dataport in Zusammenarbeit mit dem Open-Source-Spezialisten Gonicus beauftragt.

Um den Übergang für die Mitarbeiter reibungslos zu gestalten, wird der Roll-out durch verschiedene begleitende Maßnahmen unterstützt. Dazu zählen spezifische Schulungen, Lernvideos, die Bereitstellung von Fachpersonal sowie der Aufbau interner Linux-Foren zum Erfahrungsaustausch.

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Strategische Ziele und länderübergreifende Kooperation

Die Umstellung in der Staatskanzlei ist Teil des übergeordneten Projekts Linux+1, welches die Migration von rund 30.000 Arbeitsplätzen in der gesamten Landesverwaltung zum Ziel hat. In diesem Rahmen wurden bereits über 40.000 Postfächer mit weit über 100 Millionen E-Mails und Kalendereinträgen migriert.

Bereits im Vorjahr konnte Schleswig-Holstein fast 80 Prozent der Microsoft-Lizenzen kündigen, was zu Einsparungen von rund 15 Millionen Euro führte. Ein wesentlicher Teil der Strategie ist zudem die Vorgabe, öffentliche Dokumente künftig ausschließlich in offenen Formaten (ODF) auszugeben.

Flankiert wird die digitale Transformation durch eine verstärkte Zusammenarbeit auf Länderebene. Laut einem Bericht vom 23. September 2026 unterzeichneten Digitalminister Dirk Schrödter und sein thüringischer Amtskollege Steffen Schütz beim Thüringer E-Government-Kongress in Erfurt eine Kooperationsvereinbarung. Diese sieht eine enge Zusammenarbeit bei der Schaffung einer leistungsfähigen Dateninfrastruktur, der Registermodernisierung nach dem Once-Only-Prinzip sowie bei souveränen KI-Lösungen vor.

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Ziel der Kooperation sei es, die Abhängigkeit von einzelnen IT-Anbietern zu reduzieren und die Souveränität über Daten und digitale Infrastrukturen zu stärken. In Thüringen soll hierzu ein Reallabor eingerichtet werden, in dem souveräne KI-Anwendungen für Verwaltungsprozesse und Routineaufgaben praktisch erprobt werden.

Parallel dazu läuft die Roll-out-Planung für die Migration weiterer Ministerien und Landesbehörden in Schleswig-Holstein auf Grundlage der in der Staatskanzlei gesammelten Erfahrungen.

Mehr zum Thema bei heise online: „Nachfolger von Windows: Staatskanzlei Kiel stellt auf Linux um“