Schockanruf in Aschheim: Seniorin um sechsstelligen Betrag betrogen

Betrüger erbeuten in Aschheim Bargeld und Schmuck einer Seniorin durch erfundene Krebsdiagnose der Tochter. Polizei sucht Zeugen.

In der bayerischen Gemeinde Aschheim ist eine über 80-jährige Frau Opfer einer professionell organisierten Betrugsmasche geworden. Durch einen sogenannten Schockanruf brachten Unbekannte die Seniorin dazu, Bargeld und Schmuck im Gesamtwert eines sechsstelligen Betrags an einen Komplizen zu übergeben. Die Polizei München hat die Ermittlungen übernommen und bittet die Bevölkerung um Mithilfe bei der Aufklärung des Falls.

Perfide Täuschung am Telefon

Der Vorfall ereignete sich an einem Freitagnachmittag, als die Seniorin einen Anruf von einer ihr unbekannten Person erhielt. Der Anrufer gab sich als Mitarbeiter eines Krankenhauses aus München aus und schilderte eine dramatische Notlage. Demnach sei die Tochter der Frau schwer an Krebs erkrankt und benötige umgehend eine spezialisierte Behandlung.

Um die Glaubwürdigkeit der Geschichte zu erhöhen, behauptete der Täter, dass diese Therapie ausschließlich in der Schweiz durchgeführt werden könne und mit extrem hohen Kosten verbunden sei. Durch den massiven psychologischen Druck und die vorgetäuschte zeitliche Dringlichkeit gelang es den Betrügern, die Frau zur Herausgabe ihres Vermögens zu bewegen.

Übergabe von Bargeld und Schmuck

Die Seniorin sammelte daraufhin Bargeld sowie wertvollen Schmuck in ihrer Wohnung zusammen. Wie bei dieser Art des Telefonbetrugs üblich, wurde die Beute nicht persönlich an den Anrufer übermittelt, sondern an einen sogenannten Abholer übergeben. Dieser erschien an der Wohnanschrift der Frau und nahm die Wertsachen im Gesamtwert eines sechsstelligen Euro-Betrags entgegen, bevor er unerkannt entkam.

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Erst später stellte sich heraus, dass die gesamte Geschichte über die Krebserkrankung und die notwendige Behandlung in der Schweiz frei erfunden war. Derartige Delikte, bei denen Kriminelle die Hilfsbereitschaft und Sorge um Angehörige ausnutzen, werden von der Polizei als besonders schwerwiegende Form des Betrugs eingestuft.

Polizei sucht Zeugen in Aschheim

Die Kriminalpolizei hat den Tatzeitraum auf den Nachmittag zwischen 15:00 Uhr und 17:00 Uhr eingegrenzt. Für die weiteren Ermittlungen ist es von entscheidender Bedeutung, ob Anwohner oder Passanten im Bereich der Eichenstraße, der Merowingerstraße oder der Agilolfingerstraße in Aschheim verdächtige Beobachtungen gemacht haben.

Die Ermittler des zuständigen Kommissariats 61 suchen insbesondere nach Hinweisen auf Personen oder Fahrzeuge, die in diesem Zeitraum ungewöhnlich langsam durch die genannten Straßen fuhren oder dort parkten. Personen, die sachdienliche Angaben zum Tathergang oder zum Verbleib der Beute machen können, werden gebeten, sich unter der Telefonnummer 089 2910-0 mit dem Polizeipräsidium München in Verbindung zu setzen.

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Hintergrund der Betrugsmasche

Experten für Kriminalprävention warnen regelmäßig vor dieser Variante des Enkeltricks oder Behördenbetrugs. Die Täter nutzen gezielt die Schockreaktion der Opfer aus, um rationales Handeln zu verhindern. Dabei werden oft Rollen wie Polizisten, Staatsanwälte oder, wie im aktuellen Fall, medizinisches Personal eingenommen.

Die Polizei rät in solchen Situationen zu äußerster Vorsicht: Krankenhäuser oder Behörden fordern niemals die Übergabe von Bargeld oder Schmuck an Boten. Bei zweifelhaften Anrufen sollten Betroffene das Gespräch sofort beenden und selbst aktiv Kontakt zu ihren Angehörigen oder der Polizei über den Notruf 110 aufnehmen.