Die Täter erbeuteten durch Schockanrufe Geld und Wertgegenstände im sechsstelligen Bereich. Betroffen sind vor allem Senioren in Thüringen, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern.
Hunderttausend Euro Schaden in Greiz und Ludwigsburg
Besonders schwer traf es eine 79-jährige Frau aus Greiz. Sie übergab am Mittwoch Bargeld und Goldmünzen im Wert von rund 100.000 Euro. Die Betrüger hatten einen tödlichen Unfall eines Verwandten vorgetäuscht.
Im Landkreis Ludwigsburg registrierten die Behörden zwischen Mitte und Ende Juni sieben Taten. Der Gesamtschaden liegt bei etwa 200.000 Euro. In einigen Fällen erlangten die Täter zusätzlich Zugriff auf das Online-Banking ihrer Opfer.
Schmuck und Bargeld in Nordrhein-Westfalen erbeutet
In Gelsenkirchen erbeuteten Unbekannte Schmuck im Wert von rund 30.000 Euro von einer 91-Jährigen. Die Täter gaben vor, das Geld werde für eine lebensnotwendige Infusion eines Angehörigen benötigt.
In Leopoldshöhe übergab ein Ehepaar am Montag einen niedrigen fünfstelligen Betrag an einen unbekannten Abholer. Falsche Polizisten hatten einen schweren Unfall der Tochter suggeriert.
So gehen die Betrüger vor
Die Strategie folgt meist demselben Muster: Die Anrufer geben sich als Verwandte, Polizeibeamte, Staatsanwälte oder medizinisches Personal aus. Sie bauen extremen Zeitdruck auf und behaupten, ein Angehöriger habe eine schwere Straftat oder einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht. Dann fordern sie hohe Kautionssummen.
Die Beschreibungen der Abholer variieren regional. In Gelsenkirchen wird ein etwa 35 bis 50 Jahre alter, kräftiger Mann mit dunklem Vollbart gesucht. In Leopoldshöhe beschreiben Zeugen einen Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren mit schlanker Statur.
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Die Polizei betont: Weder Beamte noch die Staatsanwaltschaft fordern jemals Kautionen oder Bargeld am Telefon oder an der Haustür.
Aufmerksame Goldhändlerin vereitelt Betrug
In Stuttgart-Nord verhinderte eine Goldhändlerin am Dienstag eine Tat über eine sechsstellige Summe. Eine Seniorin wollte dort Gold für eine angebliche Kaution kaufen. Die alarmierte Polizei nahm den Abholer noch vor Ort fest – Haftbefehl wurde erlassen.
In Mittelhessen und im Emsland blieben mehrere Versuche erfolglos, weil die Angerufenen den Betrug rechtzeitig erkannten.
Haftstrafen für Betrügerbande in München
Das Landgericht München I verurteilte am Donnerstag vier Mitglieder einer Betrügerbande zu Haftstrafen. Die Täter hatten 15 Senioren in Bayern um insgesamt über 100.000 Euro gebracht. Zwei Angeklagte erhielten vier Jahre Haft, zwei weitere Beteiligte Bewährungsstrafen.
Prävention: Polizei und Verbraucherzentralen warnen
Die Polizeipräsidien verstärken ihre Präventionsbemühungen. In Leipzig ist für Anfang Juli eine Informationsveranstaltung geplant. Sie klärt über Schutzmaßnahmen gegen Enkeltrick, Schockanrufe und digitale Betrugsformen wie Love Scamming auf. In Göttingen führt die Polizei Aktionen zur Verkehrssicherheit und Betrugsprävention für Senioren durch.
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Die Verbraucherzentralen raten: Bei verdächtigen Anrufen sofort auflegen und keine persönlichen Informationen preisgeben. Im Zweifel Angehörige über die bekannten privaten Nummern kontaktieren oder den polizeilichen Notruf wählen.
Vorsicht gilt auch vor einer Masche, bei der Täter am Telefon ein „Ja“ des Opfers aufzeichnen. Daraus konstruieren sie fingierte Vertragsabschlüsse.

