Schülerleistungen: PISA zeigt Rekordtiefsstand bei Lesen und Mathe

Die OECD-Studie zeigt sinkende Kompetenzen weltweit und einen Leistungsabstand bei häufiger KI-Nutzung. Deutschland erreicht historische Tiefwerte.

Die am 8. September 2026 veröffentlichte PISA-Studie 2025 der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) dokumentiert einen beispiellosen Rückgang der Schülerleistungen.

In der Erhebung, die 765.000 Jugendliche in 91 Ländern umfasst und damit repräsentativ für rund 33 Millionen 15-Jährige steht, erreichen die Lese- und Mathematikkompetenzen weltweit neue Rekordtiefs. Ein besonderer Fokus der Analyse liegt auf der zunehmenden Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in den Schulalltag und deren messbaren Auswirkungen auf die Lernerfolge.

Korrelation zwischen Technologie-Nutzung und Lernergebnissen

Aktuelle Daten der OECD verdeutlichen eine signifikante Verbindung zwischen der Nutzung digitaler Hilfsmittel und den schulischen Leistungen. Demnach nutzen 46 Prozent der 15-Jährigen im OECD-Raum mindestens einmal pro Woche einen Chatbot zum Lernen. Dabei zeigt sich ein deutlicher Leistungsabstand: Schüler, die für ihre Schularbeiten nie KI-Chatbots zum Zusammenfassen von Inhalten verwenden, erreichen im Schnitt etwa 505 Punkte. Bei einer täglichen Nutzung sinkt dieser Wert auf rund 475 Punkte.

Ähnliche Tendenzen lassen sich bei KI-Anwendungen als allgemeine Lernhilfe beobachten. Während Jugendliche ohne KI-Nutzung etwa 500 Punkte erzielen, liegen die Ergebnisse bei einer Nutzung von ein- bis zweimal pro Jahr lediglich bei 480 Punkten.

Andreas Schleicher, OECD-Bildungsdirektor, warnt in diesem Zusammenhang davor, dass KI die Kernkompetenzen aushöhlen könne, wenn sie als bequemer Weg zur fertigen Antwort diene und die eigene Denkarbeit ersetze.

Zudem sinken die Ergebnisse laut dem Bericht generell ab einer täglichen Gerätenutzung von mehr als fünf Stunden. Der Anteil der Jugendlichen, die täglich über eine Stunde in sozialen Netzwerken verbringen, ist im Vergleich zu 2022 weiter gestiegen.

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Historische Tiefstände im internationalen Vergleich

Der OECD-Durchschnitt der Kompetenzwerte ist im Zeitraum von 2015 bis 2025 massiv eingebrochen. Den Daten zufolge sank die Lesekompetenz um 28 Punkte, die mathematischen Fähigkeiten um 22 Punkte und die naturwissenschaftlichen Kompetenzen um 7 Punkte.

Aktuell verfügen 29 Prozent der 15-Jährigen in der OECD nicht einmal über Basiskompetenzen in allen drei Fachbereichen. Besonders drastische Rückgänge verzeichneten Island und Slowenien mit einem Minus von 50 Punkten beim Lesen.

Innerhalb Europas belegt Estland den ersten Platz. Ein Großteil der EU-Länder, darunter Spanien, Kroatien, Luxemburg, Griechenland, Rumänien und Bulgarien, liegt jedoch unter dem OECD-Schnitt.

In Griechenland wurden beispielsweise 434 Punkte in den Naturwissenschaften, 423 im Lesen und 424 in Mathematik gemessen. Verbesserungen der Ergebnisse ließen sich europaweit kaum feststellen, Ausnahmen bilden lediglich die Naturwissenschaften in Großbritannien, der Slowakei und der Türkei.

Die Situation im deutschsprachigen Raum

In Deutschland und Österreich folgen die Ergebnisse dem negativen Gesamttrend. Die 15-Jährigen in Deutschland erreichten mit 486 Punkten in den Naturwissenschaften, 465 im Lesen und 464 in Mathematik die niedrigsten Werte seit Beginn der PISA-Studien.

Im Vergleich zu 2022 bedeutet dies einen Rückgang um 15 Punkte im Lesen und 11 Punkte in Mathematik. Prof. Kai Maaz vom DIPF wies darauf hin, dass rund ein Drittel der Jugendlichen in Deutschland keine sicheren Basiskompetenzen in diesen Kernbereichen mehr besitze.

Österreich verzeichnete seit 2022 ebenfalls Verluste: Die Lesekompetenz sank um 13 Punkte auf 467, die Mathematik auf 477 Punkte. In den Naturwissenschaften erreichte Österreich 497 Punkte und liegt damit, wie auch Kanada und die Schweiz, vor Deutschland.

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Ursachenforschung und strukturelle Defizite

Neben der Digitalisierung identifiziert der Bericht weitere Faktoren für die sinkenden Leistungen. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) hob hervor, dass in Deutschland lediglich 18 Prozent der Schüler an Schulen ohne Lehrkräftemangel lernen. Ein massives Problem bleibt die soziale Ungleichheit: Der Leistungsabstand zwischen begünstigten und benachteiligten Schülern beträgt 125 Punkte, was rechnerisch einer halben Schulkarriere entspricht.

Positive Effekte zeigen sich hingegen bei der Einbindung des Elternhauses. Kinder, deren Eltern sich regelmäßig nach dem Schultag erkundigen, liegen in ihrer Entwicklung im Schnitt zwei Schuljahre vorn.

Andreas Schleicher betonte zudem, dass Migration nur einen kleinen Teil des Rückgangs erkläre; vielmehr seien sinkende Leistungserwartungen und schlecht ausgestattete Schulen ursächlich für die Entwicklung. Er forderte eine Neuausrichtung der Pädagogik, die KI dazu nutzt, Denkarbeit anspruchsvoller zu gestalten, statt sie zu verdrängen.