Die Sicherheitsfirma Bitdefender hat eine weltweite Warnung vor gezielten Betrugsversuchen im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Schuljahresbeginn veröffentlicht.
Nutzer werden dazu aufgerufen, ihre Privatsphäre-Einstellungen grundlegend zu überprüfen und bei vermeintlichen Angeboten zum Thema „Back-to-School“ äußerste Vorsicht walten zu lassen. Die Warnung umfasst verschiedene Szenarien, die von gefälschten Rabattaktionen bis hin zu manipulierten Bildungsangeboten reichen.
Betrügerische Plattformen nehmen Eltern und Schüler ins Visier
Besonders in Frankreich beobachten Sicherheitsbehörden derzeit eine Zunahme von spezialisierten Betrugsseiten. Laut aktuellen Berichten sind mindestens fünf Websites, darunter eine Plattform namens TrouveClasse.com, aktiv, die den Zugriff auf Klassenlisten für das Schuljahr 2026 versprechen.
Diese Seiten werden in den Niederlanden gehostet und dienen primär dazu, persönliche Daten der Nutzer abzugreifen. Die so gewonnenen Profile werden im Anschluss für Beträge zwischen 2 Euro und 15 Euro pro Datensatz im Darknet veräußert.
Betroffene Haushalte erleiden durch diese Masche erhebliche finanzielle Verluste. Im Durchschnitt beläuft sich der Schaden pro Fall auf 340 Euro. Bei rund 68 Prozent der Opfer wurden zudem gestaffelte Abbuchungen festgestellt.
Die Cybersicherheitsbehörde COMCYBER-MI sowie das französische Bildungsministerium stellten in diesem Zusammenhang klar, dass es keine offiziellen Plattformen für die Einsicht von Klassenlisten gebe und solche Daten niemals über Drittanbieter vertrieben würden.
Technologische Schutzmaßnahmen bei Messenger-Diensten
Parallel zu den Warnungen vor saisonalen Betrugsmaschen intensivieren große Plattformbetreiber ihre Sicherheitsvorkehrungen. WhatsApp kündigte in den vergangenen Tagen die Einführung erweiterter Schutzfunktionen an, die unter anderem die Nutzung von Passkeys auf mehreren Geräten ermöglichen.
Davon könnten potenziell über 1 Milliarde Nutzer profitieren. Zudem wird die bisherige sechsstellige PIN für die Zwei-Schritt-Verifizierung durch ein alphanumerisches Passwort ersetzt, das mindestens 8 und bis zu 20 Zeichen inklusive Sonderzeichen umfassen kann.
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Für Nutzer des Betriebssystems Android werden zudem verbesserte Informationen zu unbekannten Anrufern bereitgestellt. Hierzu zählen Angaben zum Herkunftsland sowie Hinweise auf gemeinsame Gruppenmitgliedschaften, um die Einschätzung der Seriosität eines Anrufs zu erleichtern.
Automatisierte Angriffe und Phishing-Plattformen
Sicherheitsforscher von SOCRadar identifizierten zudem eine neue Form des „Phishing-as-a-Service“ unter der Bezeichnung „AnonyMousKIT“. Hierbei kommen KI-Agenten zum Einsatz, die sich beispielsweise als Support-Mitarbeiter ausgeben. Nach einem Diebstahl von Mobilgeräten rufen diese automatisierten Systeme die Besitzer an, um unter Vorwänden Entsperrcodes zu erfragen.
Ein solcher automatisierter Anruf verursacht für die Angreifer Kosten von lediglich 10 Cent. Experten weisen darauf hin, dass legitime Support-Dienste grundsätzlich niemals nach Passcodes oder codes für die Zwei-Faktor-Authentifizierung fragen.
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Ein weiteres Beispiel für die Professionalisierung der Kriminalität ist die Plattform Mirage2FA. Sicherheitsanalysen ergaben, dass dieser Dienst zwischen 2024 und 2026 insgesamt 4.532 Organisationen weltweit angriff, wobei insbesondere die Sektoren Technologie, Fertigung und Bildung im Fokus standen. Es kam zu über 9.000 registrierten Kompromittierungsereignissen.
Rund 63,7 Prozent der Opfer befanden sich in den USA, gefolgt von Ländern wie Indien, Singapur und dem Vereinigten Königreich. Schätzungen zufolge könnten 48 Prozent der betroffenen E-Mail-Adressen kompromittiert worden sein.
Empfehlungen zur Prävention
Bitdefender rät insbesondere älteren Schülern und Studenten zu erhöhter Aufmerksamkeit bei Angeboten für Mietobjekte, Nebenjobs oder Stipendien. Zur Absicherung digitaler Identitäten empfiehlt das Unternehmen die konsequente Nutzung starker Passwörter, die Aktivierung der Zwei-Faktor-Authentifizierung sowie regelmäßige System-Updates.
Um Anwender bei der Identifizierung von Bedrohungen zu unterstützen, stellt die Sicherheitsfirma zudem kostenlose Werkzeuge wie Scamio, einen Link-Checker sowie eine Rückwärtssuche für Telefonnummern zur Verfügung. Im Falle einer vermuteten Kompromittierung raten IT-Sicherheitsexperten dazu, bestehende Sitzungen umgehend zu widerrufen und auf verhaltensbasierte Erkennungssysteme zu setzen.

