Schweiz migriert 3.000 Arbeitsplätze: Abschied von Microsoft 365

Die Schweizer Bundesverwaltung testet openDesk zunächst an 3.000 Arbeitsplätzen. Über einen vollständigen Microsoft-Ersatz wird später entschieden.

Am 4. September 2026 hat die Schweizer Bundesverwaltung den Start eines Pilotprojekts zur Migration ihrer Bürosoftware bekannt gegeben. Ziel des Vorhabens ist die Ablösung der bisher genutzten Suite Microsoft 365 durch die Open-Source-Lösung openDesk.

Das Pilotprojekt umfasst zunächst 3.000 Arbeitsplätze, was einem Anteil von etwa 7 Prozent der insgesamt 54.000 Stellen in der Bundesverwaltung entspricht. Die Umsetzung des Projekts ist bis zum Ende des Jahres 2027 geplant, wobei das Investitionsvolumen mit CHF 9 Mio. beziffert wird.

Erfolgreiche Testphasen als Grundlage für die Migration

Der Entscheidung für das Pilotprojekt ging ein erfolgreich abgeschlossener Proof of Concept (PoC) voraus. In diesem Rahmen wurde die Open-Source-Suite bereits von 172 Mitarbeitern der Bundesverwaltung auf ihre Praxistauglichkeit geprüft. Berichten zufolge verlief dieser Feldtest, an dem rund 170 Personen teilnahmen, positiv und lieferte die notwendige Datengrundlage für die nun beschlossene Ausweitung.

Die schrittweise Einführung auf 3.000 Arbeitsplätzen ab dem kommenden Jahr soll weitere Erkenntnisse über die Skalierbarkeit und die Integration in die bestehende Infrastruktur liefern. Erst nach Abschluss dieser Phase und einer weiteren Evaluierung innerhalb der nächsten zwei Jahre will die Bundesverwaltung endgültig darüber entscheiden, ob eine vollständige Ablösung der Microsoft-Produkte im gesamten Verwaltungsapparat vollzogen wird.

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Strategische Beweggründe: Souveränität und Datenschutz

Die Motive für den Wechsel zu einer Open-Source-Architektur sind vielschichtig. Neben dem Aspekt der Kostenersparnis stehen vor allem die digitale Souveränität und der Datenschutz im Vordergrund der Überlegungen. Die Schweizer Behörden streben danach, die Abhängigkeit von internationalen Cloud-Anbietern zu reduzieren. Ein wesentlicher Kritikpunkt an der aktuellen Infrastruktur sei die starke Bindung an proprietäre Cloud-Dienste.

In diesem Zusammenhang wird insbesondere auf das Risiko eines sogenannten „Kill Switch“ durch den Anbieter hingewiesen. Damit ist das Szenario gemeint, in dem ein externer Software-Provider den Zugriff auf kritische Anwendungen oder Datenströme einseitig unterbinden könnte. Durch den Einsatz von openDesk verspricht sich die Verwaltung eine höhere Kontrolle über die eigene IT-Umgebung und eine Stärkung der informationellen Selbstbestimmung.

Sonderrolle für das Cyber Command des Schweizer Militärs

Parallel zu den Bestrebungen in der allgemeinen Bundesverwaltung treibt das Schweizer Militär eigene Pläne zur Software-Umstellung voran. Das Cyber Command der Armee beabsichtigt eine beschleunigte Einführung der Open-Source-Suite. Zielvorgabe für das Militär ist es, openDesk bereits bis zum Oktober 2026 flächendeckend einzuführen.

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Dieses Vorgehen unterstreicht die sicherheitspolitische Bedeutung, die der Wahl der Software-Infrastruktur beigemessen wird. Während die zivile Verwaltung den Prozess über das Jahr 2027 hinaus anlegt, setzt der Verteidigungssektor auf eine zeitnahe Umsetzung, um die technologische Autonomie in sicherheitskritischen Bereichen zu gewährleisten.

Die kommenden zwei Jahre werden somit als entscheidende Phase für die künftige digitale Ausrichtung der staatlichen Institutionen in der Schweiz angesehen.