Schweizer Armee: Umstieg auf OpenDesk bis Oktober 2026 abgeschlossen

Das Schweizer Militär migriert seine IT-Systeme auf die Open-Source-Plattform OpenDesk, um mehr digitale Souveränität zu erlangen.

Das Cyber-Kommando und die CEA-Einheit steigen von Microsoft-Produkten auf die Open-Source-Plattform OpenDesk um. Bis Oktober 2026 soll die Migration abgeschlossen sein.

Sicherheit statt Cloud-Zwang

Der Schritt ist eine strategische Antwort auf wachsende Abhängigkeiten von US-Technologiekonzernen. Simon Müller, Chef des Cyber-Kommandos der Schweizer Armee, sieht in Microsofts Office-365-Umgebung keine geeignete Lösung mehr für militärische Anforderungen. Der zunehmende Cloud-Zwang des Software-Riesen und die rechtlichen Implikationen des US-Cloud-Acts machen den Wechsel aus Sicht der Verantwortlichen unumgänglich.

Mit OpenDesk setzt die Armee auf eine Plattform des deutschen Zentrums für Digitale Souveränität (ZenDiS). Das Ziel: die volle Kontrolle über Daten und Software-Umgebung zurückzugewinnen. Der Umzug folgt einem Schweizer Gesetz aus dem Jahr 2024, das die Offenlegung von Quellcode für staatliche Software vorschreibt. Zwar handelt es sich beim Militär um eine freiwillige Umsetzung – der Schritt fügt sich jedoch nahtlos in die nationale Strategie für mehr Transparenz und Unabhängigkeit ein.

Millionenschwere Förderung

Das Parlament in Bern hat den Wandel kräftig unterstützt. Im Dezember 2025 bewilligte es umgerechnet rund 10,8 Millionen Euro für die Open-Source-Zusammenarbeit und den Umstieg. Das Geld fließt in die neue Arbeitsplatzlösung für sämtliche betroffenen Rechner im Cyber-Kommando und der CEA-Einheit.

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Die Schweizer Armee beteiligt sich zudem aktiv an der Open-Source-Community – etwa bei Projekten wie GitLab und der Loom-Plattform. Damit folgt sie dem Vorbild anderer europäischer Verteidigungsorganisationen. Die deutsche Bundeswehr unterhält bereits ein Rahmenabkommen mit ZenDiS, das österreichische Bundesheer hat früher den Umstieg auf LibreOffice eingeleitet.

Europa auf dem Weg in die digitale Unabhängigkeit

Der Schritt der Schweizer Armee ist kein Einzelfall. Europaweit versuchen Regierungsbehörden, sich von den großen US-Anbietern wie Microsoft, Google und Amazon zu lösen. Diese Firmen kontrollieren derzeit rund 70 Prozent des europäischen Cloud-Marktes. Die EU-Staaten geben schätzungsweise 264 Milliarden Euro jährlich für ausländische Cloud- und Softwaredienste aus.

Die Entwicklung beschleunigt sich:

Deutschland: Mecklenburg-Vorpommern kündigte Anfang Juli an, 50.000 Arbeitsplätze von Microsoft SharePoint auf eine Kombination aus Nextcloud und OpenProject umzustellen – koordiniert über ZenDiS.

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Estland: Das staatliche IT-Zentrum plant ab Herbst 2026 einen Pilotversuch mit rund 15.000 Arbeitsplätzen, die komplett ohne US-Tech-Riesen auskommen. Offizielle begründen den Schritt mit Risiken in den EU-US-Beziehungen.

Niederlande: Regulierungsbehörden behandeln die Abhängigkeit von ausländischen Cloud-Anbietern inzwischen als operationelles Risiko. Kritische staatliche Stellen sollen keine Nicht-EU-Anbieter mehr für Dokumentenmanagement und E-Mail nutzen.

Deutsch-französische Zusammenarbeit: Beide Länder haben neue Kriterien für souveräne Cloud- und KI-Systeme vorgeschlagen. Demnach müssten Holding-Gesellschaften für solche Infrastrukturen innerhalb der EU ansässig sein.

Die gemeinsamen Anstrengungen zielen darauf ab, strategische Abhängigkeiten zu reduzieren und die heimische Wirtschaft zu stärken. Branchenschätzungen zufolge könnte eine erfolgreiche digitale Unabhängigkeit bis 2035 bis zu 500.000 Arbeitsplätze in der Europäischen Union schaffen.