Die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) nimmt die Unternehmensangaben in der Branche für künstliche Intelligenz verstärkt ins Visier. Wie David Woodcock, der seit Mai 2026 als Enforcement-Direktor der Behörde amtiert, vor Journalisten darlegte, untersucht die Behörde die Offenlegungspflichten von KI-Firmen.
Ziel der Aufsicht sei es sicherzustellen, dass Marktteilnehmer ein vollständiges Bild der bestehenden Risiken erhalten und wesentliche Informationen korrekt übermittelt werden. Sollten Unternehmen unzureichende Angaben machen, werde die SEC entsprechende Maßnahmen ergreifen.
Anlass für die verstärkte Prüfung sind wachsende Bedenken hinsichtlich einer möglichen Überhitzung oder Blasenbildung im KI-Sektor, die unter anderem durch zirkuläre Geschäfte befeuert werden könnte. Berichten zufolge verzeichneten führende Technologieaktien jüngst spürbare Kursverluste, nachdem hohe Investitionsausgaben für KI-Infrastruktur mit einem Umfeld steigender Zinsen zusammentrafen.
Woodcock betonte in diesem Zusammenhang, dass die Behörde keineswegs beabsichtige, technologische Innovationen einzuschränken oder zu behindern. Die primäre Aufgabe bestehe darin, die Fairness auf den Märkten zu gewährleisten.
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Allerdings hätten KI-Technologien und Entwicklungen in Richtung von Superintelligenz dazu geführt, dass betrügerische Aktivitäten in großem Maßstab deutlich einfacher und kostengünstiger geworden seien. Vor diesem Hintergrund müssten auch Broker klare Schutzprozesse für Kleinanleger etablieren.
Zudem richtet die SEC ihren Blick auf private Märkte, um potenzielle Interessenkonflikte sowie Bewertungspraktiken zu durchleuchten, und prüft gemeinsam mit der Terminmarktaufsicht CFTC sogenannte Prognosemärkte wie Polymarket und Kalshi. Eine Regulierung rein über Durchsetzungsmaßnahmen solle jedoch vermieden werden, um die unternehmerische Dynamik nicht zu ersticken.
Prüfungsschwerpunkte für das Fiskaljahr 2027
Die Initiativen der Durchsetzungsabteilung fügen sich in eine breitere Strategie der US-Finanzaufsicht ein. Am 23. Oktober 2026 hatte die Prüfungseinheit der SEC (Division of Examinations) ihre offiziellen Prüfungsschwerpunkte für das Fiskaljahr 2027 vorgelegt.
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Division-Direktor Keith Cassidy erklärte dabei, dass das Prüfprogramm fortlaufend an das hohe Tempo des Markt- und Technologiewandels angepasst werden müsse. Die Division überwacht mehr als 34.000 Firmen in den USA, darunter Broker-Dealer und Anlageberater.
Zu den Prioritäten für das Fiskaljahr 2027 gehört insbesondere die Abwehr von KI-gestützten Cyberangriffen, etwa durch Phishing oder täuschend echte Deepfakes bei Sprach- und Videoanwendungen im Bereich des Social Engineering.
Gleichzeitig kontrolliert die Behörde, wie regulierte Akteure KI-Werkzeuge intern einsetzen – beispielsweise im Handel, bei der Betrugsprävention, im Backoffice, zur Einhaltung von Geldwäschevorschriften sowie bei der Erfüllung von Beratungsstandards wie der Regulation Best Interest (Reg BI). Auch KI-gestützte Anlageberatungen, eingesetzte Algorithmen und die Verwendung alternativer Datenquellen stehen unter Beobachtung.
Zusätzlich verschärft die Behörde die Kontrollen hinsichtlich des Schutzes vor Identitätsdiebstahl im Rahmen der Regelwerke Reg S-P und Reg S-ID. Vorgaben unter der Regulation SCI erfassen zudem Risiken rund um Tokenisierung, Quantencomputing, Cloud-Dienste von Drittanbietern und verlängerte Handelszeiten.
Neben KI-Szenarien widmet sich die Prüfeinheit allgemeinen Cybersicherheitsrisiken und der operativen Resilienz von Finanzinstituten nach Systemausfällen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Einheit für Cyberrisiken und neue Technologien (CETU), die die Aufsichtsbehörde im Februar 2025 ins Leben gerufen hatte.

