In Serbien wurde die bislang umfangreichste Kampagne zur digitalen Überwachung von Regierungsmitgliedern, Aktivisten und Studenten dokumentiert. Wie die SHARE Foundation mitteilte, sind seit Anfang 2026 mindestens 14 Personen Opfer von gezielten Infektionen mit hoch entwickelter Spyware geworden.
Zu den Betroffenen zählen neben Studentenvertretern und zivilgesellschaftlichen Aktivisten auch Abgeordnete der Opposition sowie lokale Beamte. Es handelt sich laut den Experten um die größte jemals in Serbien nachgewiesene Welle solcher Angriffe.
Technischer Nachweis durch Pegasus und NoviSpy
Die Tragweite der Überwachung wird durch die Analysen internationaler Forschungseinrichtungen gestützt. Das Citizen Lab bestätigte die Infektion des iPhones eines serbischen Studentenaktivisten mit der Spionagesoftware Pegasus.
Den Untersuchungen zufolge erfolgte der Angriff über einen sogenannten Zero-Click-Exploit via iMessage, der keine Interaktion des Nutzers erfordert. Der Zeitraum dieser spezifischen Infektion wurde auf die Wochen zwischen Dezember 2025 und Januar 2026 eingegrenzt.
Parallel dazu identifizierte Amnesty International den Einsatz einer weiteren Schadsoftware. Auf zwei Android-Geräten von serbischen Aktivisten wurde die Spyware-Variante NoviSpy nachgewiesen.
Die SHARE Foundation dokumentierte zudem insgesamt 14 Fälle, in denen Betroffene aus der Studentenbewegung und der organisierten Zivilgesellschaft offizielle Warnmeldungen von Apple erhalten hatten. Auch ein Abgeordneter der Opposition soll Empfänger einer solchen Benachrichtigung über staatlich gesteuerte Angriffe gewesen sein.
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Zeitlicher Zusammenhang mit Wahlterminen
Die dokumentierte Überwachungswelle weist eine deutliche zeitliche Korrelation mit dem politischen Geschehen im Land auf. Der Zeitraum der identifizierten Zielangriffe deckte sich mit dem Wahlkampf für die am 29. März 2026 abgehaltenen Lokalwahlen. Vor dem Hintergrund der für Oktober 2026 erwarteten Parlamentswahlen gewinnt die Aufdeckung dieser Überwachungspraktiken an zusätzlicher politischer Relevanz.
Apple hatte im August 2026 die entsprechenden Sicherheitslücken und Infektionen entdeckt und daraufhin betroffene Nutzer in insgesamt 110 Ländern weltweit informiert. Die Vorfälle in Serbien stellen dabei einen lokalen Schwerpunkt der globalen Warnwelle dar.
Politische Reaktionen und polizeiliche Maßnahmen
Die Enthüllungen lösten heftige Proteste in der serbischen Opposition aus. Insbesondere in Novi Sad verurteilten politische Vertreter das Vorgehen der Behörden. Die Stadträte Miran Pogačar und Miša Bačulov sowie Dutzende weitere Aktivisten wurden zu polizeilichen Befragungen vorgeladen. Die betroffenen Politiker werten diese Maßnahmen als gezielten politischen Druck und Versuch der Einschüchterung.
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Die NSO Group, der Hersteller der Pegasus-Software, wies unterdessen jede Verantwortung für die in Serbien festgestellten Infektionen von sich. Das Unternehmen bestritt jegliche Beteiligung an den Angriffen auf die serbischen Zielpersonen.
Die SHARE Foundation und verbündete Organisationen betonen die Schwere der Eingriffe in die Privatsphäre und die demokratischen Rechte. Die systematische Überwachung von Oppositionsvertretern und der studentischen Protestbewegung mittels digitaler Hochtechnologie markiert einen neuen Eskalationsgrad in der Auseinandersetzung zwischen staatlichen Stellen und der Zivilgesellschaft in Serbien.
Experten gehen davon aus, dass die nun dokumentierten 14 Fälle lediglich die Spitze einer womöglich weitaus größeren Überwachungskampagne darstellen könnten.

