Der Softwarekonzern ServiceNow kündigt mit dem AI Passport eine neue Sicherheits- und Kontrollfunktion für autonome Systeme an. Dabei handelt es sich um eine kryptografisch signierte digitale Zugriffsberechtigung, die die Befugnisse von KI-Agenten zur Laufzeit verifiziert. Das System prüft unmittelbar im Betrieb, welche Werkzeuge, Daten und Aktionen einem Agenten erlaubt sind, und verfügt über eine Notabschaltung bei Regelverstößen.
Kontrollarchitektur für Agenten und Kosten
Der AI Passport ist Teil einer Erweiterung des sogenannten Super Intelligence Control Tower. Diese Plattform führt die Erkennung, Überwachung, Steuerung sowie den wirtschaftlichen Ertrag von KI-Systemen auf einem einheitlichen Datenmodell zusammen.
Zu den neuen Funktionen zählen die Erkennung nicht autorisierter KI-Nutzung im Unternehmen, mehr als 400 vorgefertigte Schnittstellen, eine detaillierte Zugriffsabbildung sowie eine kontinuierliche Systembeobachtung.
Zusätzlich integriert ServiceNow ein Kostenmanagement in den Bereich IT-Asset-Management. Dieses erfasst Ausgaben nach Nutzern, Abteilungen und einzelnen Ausführungen. Die Nachverfolgung schließt eingesetzte Modelle, in Software eingebettete KI, Cloud-Dienste sowie Rechenzentrums-Grafikprozessoren ein.
Bei Überschreitung vordefinierter Richtlinien greift das System graduell ein: Geplante Aktionen können umgeleitet, Zugriffe beschränkt oder Prozesse komplett abgebrochen werden. Administratoren können einzelne Berechtigungen entziehen, die Delegation von Aufgaben an andere Agenten einschränken und Vorgänge über lückenlose Prüfpfade nachvollziehen.
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Die Funktionsweise verdeutlichte das Unternehmen anhand eines Kundenservice-Agenten eines Drittanbieters: Rückerstattungen bis zu einer Grenze von 25 US-Dollar bearbeitete das System automatisch, während eine Anfrage über 40 US-Dollar zur Laufzeit abgewiesen wurde.
Partnerschaft mit Nvidia und Zeitplan
Als erster Partner für den AI Passport fungiert der Chiphersteller Nvidia, der als Design- und Launch-Partner angebunden ist. Die Zusammenarbeit stützt sich auf Frameworks wie die Open Agent Safety Platform, OpenShell und Sentry.
Wie aus Unternehmensberichten hervorgeht, werden der AI Passport, die Erkennung von Schatten-KI sowie das KI-Kostenmanagement für das vierte Quartal 2026 erwartet. Funktionen zur operativen Widerstandsfähigkeit für Finanzdienstleister stehen laut ServiceNow bereits zur Verfügung.
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Zunehmende Governance-Lücken in Unternehmen
Die Einführung adressiert ein wachsendes Kontrollvakuum beim betrieblichen Einsatz autonomer Software. ServiceNow verweist auf den Banking AI Maturity Index 2026, wonach 100 Prozent der untersuchten Banken KI einsetzen, jedoch lediglich 24 Prozent über entsprechende Governance-Strukturen verfügen. Beim Dienstleister LTM befinden sich beispielsweise bereits 1.500 KI-Agenten im praktischen Einsatz.
Auch andere Branchenakteure reagieren auf das Problem nicht autorisierter Agenten. So stellte der Identitätsmanagement-Spezialist Descope den Agentic Identity Hub 3.0 vor, um Schatten-KI einzudämmen. Nach Angaben des Unternehmens erfolgt die Registrierung von Agenten über ein Onboarding-Portal mit Prüfern, festen Verantwortlichen und begrenzten Zugriffsrechten.
Das System verwaltet laut Descope mehr als eine Million Agenten-Identitäten und hunderte Gateway-Server. Die Dringlichkeit solcher Maßnahmen unterstreicht der Data Breach Investigations Report 2026 von Verizon: Demnach nutzen 45 Prozent der Mitarbeiter regelmäßig KI auf Firmengeräten, wobei rund zwei Drittel dieser Gruppe auf private Benutzerkonten zurückgreifen.

