ServiceNow Flow: KI-Service-Desk soll in einem Tag einsatzbereit sein

Serviceanbieter automatisieren Kundenkontakte zunehmend, setzen bei komplexen Fällen aber weiterhin auf menschliche Kontrolle.

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Unternehmen und Softwareanbieter stellen ihre Serviceorganisationen auf autonome KI-Agenten und vernetzte Cloud-Automatisierungstools um, um stetig wachsende Kundenanfragevolumina zu bewältigen. Wie Branchenberichte vom Monatsanfang zeigen, verlagert sich der Schwerpunkt im Kundendialog zunehmend von einfachen Chatbots hin zu hochgradig integrierten Agenten-Architekturen, die Arbeitsabläufe eigenständig steuern und abwickeln können.

Schnelle Bereitstellung und Integration in den Arbeitsalltag

Ein wesentlicher Trend liegt in der Senkung der technischen Einstiegshürden für solche Systeme. So stellte ServiceNow das System Flow vor, einen konversationellen, nativ auf künstlicher Intelligenz basierenden Service Desk, der als internes Startup entwickelt wurde.

Die Lösung soll ohne klassisches Implementierungsprojekt sowie ohne zusätzliche Infrastruktur innerhalb eines einzigen Tages einsatzbereit sein. Flow unterstützt Kanäle wie Microsoft Teams, Slack, eine Web-App oder E-Mail und verfügt über mehr als 100 vorkonfigurierte Konnektoren.

Bei fehlenden Daten erfolgt eine Eskalation an menschliche Mitarbeiter, während bereits gelöste Workflows per Klick automatisiert werden können. Für das System ist kein vorheriges Kundenverhältnis zu ServiceNow erforderlich; bestehende Abonnenten entsprechender KI-Lizenzen können das Tool ohne zusätzliche Beschaffungs- oder Lizenzkosten nutzen.

Nach einer kontrollierten Testphase wird die allgemeine Verfügbarkeit in Nordamerika und der Region EMEA für das vierte Quartal 2026 beziehungsweise bis zum Jahresende angestrebt, gefolgt von einer breiteren Markteinführung im ersten Quartal 2027.

Parallel dazu treiben spezialisierte Anbieter die Sprach- und Multi-Agenten-Technologien voran. Das Unternehmen Decagon präsentierte auf den Decagon Dialogues vier neue Entwicklungen, darunter Voice 3 mit dem Sprachmodell Chord.

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Das System bietet eine Duplex-Architektur für über 70 Sprachen mit automatischem Sprachwechsel; in internen Blindtests des Unternehmens konnten rund 90 Prozent der Hörer das Modell nicht von einem Menschen unterscheiden. Zudem umfasst das Portfolio das Autorisierungsprotokoll PACT für Delegierungen zwischen Agenten sowie modulare Agenten für Onboarding oder Zahlungsrückstände.

Spezialisierte Plattformen für Kernbranchen und Omnichannel-Support

Auch Dienstleister setzen verstärkt auf Multi-Agenten-Architekturen. Coforge brachte die Plattform CXNova auf den Markt, die domänenspezifische Ontologien und unternehmenseigene Wissensgraphen nutzt.

In dem System arbeiten spezialisierte Agenten für Inhalte, Kontexte und Benutzeroberflächen in Echtzeit zusammen, um Interaktionen über Web, mobile Anwendungen oder physische Kontaktpunkte hinweg zu steuern. Die Lösung zielt auf Großunternehmen in Branchen wie dem Bank- und Finanzwesen, Versicherungen, dem Gesundheitssektor sowie der Reise- und Luftfahrtindustrie ab.

Im Gastgewerbe automatisieren Plattformen wie Mews die Kommunikation über Buchungsportale und Messenger hinweg. Das neue System bündelt SMS, WhatsApp und Reiseportale in einem gemeinsamen Verlauf, wobei Routinefragen nach Angaben des Anbieters zu 80 Prozent direkt durch KI beantwortet werden.

In Pilotprojekten liefen rund 47.000 Automatisierungen, wodurch unter anderem bis zu 60 Prozent der Zimmer-Upgrades für Statusgäste ohne manuellen Eingriff verarbeitet wurden.

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Im Finanz- und Zahlungssektor zeigte PayNearMe mit einem neuen Agenten für Service und Forderungsmanagement in einer Pilotkampagne, dass das System innerhalb einer Stunde das Anrufvolumen von umgerechnet rund 28 Support-Kräften bewältigte.

Gleichzeitig binden Großbanken generative Modelle tief in bestehende Betriebsabläufe ein: Die britische Bank Barclays weitete ihre Partnerschaft mit Anthropic aus, um das Modell Claude unternehmensweit auszurollen.

Im Bereich Global Markets klassifiziert und sortiert das System bereits rund 120.000 Kunden-E-Mails pro Tag, während ein interner Wissensassistent mehr als 16.000 Mitarbeitern im Service für über 20 Millionen Retailkunden dient.

Grenzen und menschliche Aufsicht bleiben entscheidend

Trotz der zunehmenden Automatisierungsgrade setzen viele Infrastrukturanbieter auf eine enge Kopplung zwischen Mensch und Maschine. Amazon Web Services integrierte neue native E-Mail-Agenten in Amazon Connect Customer, die Zusammenfassungen und Antwortentwürfe auf Basis interner Wissensdatenbanken erstellen.

Diese Agenten starten jedoch erst, wenn ein menschlicher Mitarbeiter den Kontakt aktiv annimmt; ein vollständig automatisierter Versand ohne Überprüfung ist in dieser Konfiguration nicht vorgesehen.

Branchenvertreter betonen die Notwendigkeit methodischer Strenge bei der Implementierung. Brian Donohue vom Softwareanbieter Fin erklärte in einem Brancheninterview, dass bei führenden Unternehmen KI-Agenten zwar bereits 70 bis 80 Prozent des eingehenden Anfragevolumens eigenständig abarbeiten, die Unvorhersehbarkeit bei komplexen Agenten-Konstellationen jedoch zunehme und sorgfältig kontrolliert werden müsse.