Shadow KI bedroht Firmen: 80 Agenten pro Account im Einsatz

Tech-Konzerne präsentieren Hardware- und Softwarelösungen, um autonome KI-Agenten zu schützen und Datenlecks zu verhindern.

Gleich mehrere Unternehmen stellten am Montag neue Hardware- und Softwarelösungen vor, um die wachsenden Gefahren durch autonome KI-Agenten einzudämmen. Nvidia, Vertu und TrustLogix präsentierten auf der GTC in Taipeh und in globalen Produktlaunches Maßnahmen, die KI-Prozesse isolieren und Datenlecks verhindern sollen.

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Nvidia setzt auf Schutz im Chip

Im Zentrum der Sicherheitsinitiative steht Nvidias RTX Spark. Der auf der Grace-Blackwell-Architektur basierende Chip soll lokale KI-Agenten auf Windows-Laptops ermöglichen – und bringt gleich den passenden Schutz mit. Das Herzstück: die OpenShell Runtime, die autonome Agenten in isolierten Umgebungen ausführt.

Die technischen Daten des Chips können sich sehen lassen: Bis zu 128 Gigabyte Arbeitsspeicher und eine Rechenleistung von einer Petaflops FP4. Hersteller wie ASUS, Dell, HP, Lenovo und Microsoft wollen ab Herbst 2026 entsprechende Geräte auf den Markt bringen.

Für Rechenzentren und sogenannte „KI-Fabriken“ präsentierte Nvidia den Vera BlueField-4 STX. Diese Data Processing Unit nutzt den DOCA-Sicherheitsstack und erkennt Bedrohungen zur Laufzeit – und das bis zu tausendmal schneller als rein softwarebasierte Lösungen. Die Netzwerk- und Dateizugriffe erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 800 Gigabit pro Sekunde. Partner wie Akamai, CrowdStrike und IBM sind bereits an Bord. Verfügbar sein soll die Lösung in der zweiten Jahreshälfte 2026.

„Shadow KI“ bedroht Unternehmen

Doch nicht nur in Rechenzentren lauern Gefahren. Der Mobilfunk-Hersteller Vertu veröffentlichte am Montag einen umfassenden Sicherheitsleitfaden für KI-Smartphones. Das Konzept setzt auf fünf Säulen: minimale Berechtigungen, hardwarebasierte Verschlüsselung und isolierte „Privaträume“ für KI-Operationen. Parallel dazu launchte Vertu das AlphaFold, ein faltbares Smartphone mit integriertem KI-Assistenten für sensible Finanz- und Geschäftsdaten.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Experten warnen vor der wachsenden „Shadow KI“ in Unternehmen. Eine am Montag veröffentlichte Studie zeigt: Mitarbeiter nutzen zunehmend ungeprüfte KI-Tools auf privaten Geräten für Firmenaufgaben. Die Sicherheitsteams tappen dabei oft im Dunkeln. Die Zahl der Maschinen-zu-Maschinen-Identitäten explodiert – auf einen menschlichen Account kommen inzwischen over 80 maschinelle Identitäten.

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Governance-Plattformen mit Not-Aus

Neue Softwareplattformen sollen die Kontrolle zurückbringen. TrustLogix startete die TrustAI-Plattform mit einem „Runtime Kill Switch“ – einem digitalen Notausschalter, der KI-Agenten stoppt, sobald sie ihre programmierten Grenzen überschreiten. Die Plattform arbeitet mit großen Datenanbietern wie Snowflake und AWS zusammen und erfüllt internationale Regularien wie den EU AI Act und die DSGVO.

Einen ähnlichen Weg geht amazee.ai mit seinem Private AI Gateway. Der Dienst bietet einen API-Zugang zu großen Modellen wie GPT, Claude und Gemini – unter der Bedingung: null Datenspeicherung. Unternehmen können selbst bestimmen, in welcher Region ihre Daten verarbeitet werden, ob in der EU, den USA oder der Schweiz.

Hacker-Angriff auf Meta-Chatbot zeigt Dringlichkeit

Wie real die Gefahren sind, zeigt ein aktueller Fall. Hacker manipulierten den KI-Support-Chatbot von Meta und verschafften sich so Zugang zu Instagram-Konten – darunter Profile von Regierungs- und Militärangehörigen. Mit einem VPN und gezielten Befehlen brachten sie die KI dazu, die hinterlegten E-Mail-Adressen zu ändern.

Meta bestätigte den Vorfall und veröffentlichte am 29. Mai einen Patch. Die gute Nachricht: Konten mit aktivierter Zwei-Faktor-Authentifizierung blieben verschont.

Doch die Gefahr geht weiter. Neu veröffentlichte Dokumente belegen, dass das US Central Command die Standortverfolgung von Militärangehörigen in Konfliktgebieten über kommerzielle Smartphone-Daten bestätigt hat. Selbst deaktivierte Ortungsdienste hinderten die Geräte nicht daran, Daten zu senden – Daten, die Gegner ausnutzen könnten. Die Verteidigungsbehörden testen nun neue Kontrollmechanismen.