Eine der gefährlichsten Cyberkriminellen-Gruppen der Welt hat in den vergangenen 18 Monaten Unternehmen, Bildungseinrichtungen und Krankenhäuser systematisch infiltriert. Die als ShinyHunters bekannte Bande erbeutete persönliche Daten von Hunderten Millionen Menschen – mit einem Schwerpunkt auf Bildungseinrichtungen.
Bildungseinrichtungen im Visier
Der bislang schwerste Angriff traf den Bildungssektor. Am 29. April drangen die Hacker in die Systeme von Instructure ein, dem Betreiber der weltweit verbreiteten Lernplattform Canvas. Rund 275 Millionen Nutzer an knapp 9.000 Schulen und Universitäten waren betroffen. Die Angreifer erbeuteten private Nachrichten, Benutzernamen, E-Mail-Adressen und Kursinformationen.
Besonders brisant: Unter den gestohlenen Daten befinden sich auch private Unterhaltungen zwischen Studierenden und Dozenten. Insiderberichten zufolge zahlte Instructure ein Lösegeld in Höhe von umgerechnet rund 12 Millionen Euro, um die Veröffentlichung von Studentenausweisen und privaten Nachrichten zu verhindern. Das FBI und die US-Cybersicherheitsbehörde CISA sind in die Ermittlungen eingeschaltet.
Doch Instructure war nur die Spitze des Eisbergs. Die Gruppe nutzte Sicherheitslücken in der Verwaltungssoftware Oracle PeopleSoft aus – sowohl bekannte als auch bislang unbekannte Schwachstellen. Mehr als 100 Organisationen wurden angegriffen, darunter die University of Nottingham. Ein weiterer Angriff auf Infinite Campus über eine Schwachstelle in Salesforce legte Daten von 137.000 Schulmitarbeitern offen.
Angriffswelle auf Unternehmen und Gesundheitswesen
Im Juni 2026 schlugen ShinyHunters beim Traditionsunternehmen Eastman Kodak zu. Die Gruppe erbeutete nach eigenen Angaben 2,2 Millionen Kunden- und Unternehmensdatensätze und setzte ein Ultimatum bis zum 18. Juni. Kodak bestätigte einen „begrenzten unbefugten Zugriff“, versicherte aber, dass die Systeme wieder sicher seien.
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Noch gravierender war der Angriff auf den Gesundheitsdienstleister DentaQuest. Zwischen dem 17. und 20. Mai 2026 verschafften sich die Hacker Zugang zu den Daten von schätzungsweise 15 bis 23,4 Millionen Menschen. Gestohlen wurden Namen, Sozialversicherungsnummern sowie Zahn- und Sehkraftakten. Nachdem ein Lösegeldversuch gescheitert war, veröffentlichte die Gruppe 234 Gigabyte an Daten. DentaQuest bietet den Betroffenen nun eine zweijährige Kreditüberwachung an.
Per Social Engineering in die Systeme
Die Hacker setzen zunehmend auf Social Engineering. Beim Finanzdienstleister Figure Technology gelang der Zugriff, nachdem ein Mitarbeiter gezielt angegriffen wurde. Das Unternehmen weigerte sich, Lösegeld zu zahlen – daraufhin wurden Kundendaten veröffentlicht. Auch Rockstar Games bestätigte einen begrenzten Einbruch, bei dem nicht geschäftskritische Informationen gestohlen wurden. Ermittler vermuten, dass jugendliche Mitglieder der Gruppe dahinterstecken.
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Warum Bildungseinrichtungen besonders gefährdet sind
Sicherheitsexperten sehen ein klares Muster: ShinyHunters zielt gezielt auf Verwaltungssoftware mit sensiblen Personal- und Finanzdaten ab. Besonders verwundbar ist der Bildungssektor. „Studierendendaten sind auf dem Schwarzmarkt extrem wertvoll, aber viele Hochschulen investieren deutlich weniger in Cybersicherheit als Banken oder Rüstungskonzerne“, analysieren Fachleute.
Die Gruppe hat in ihrer 18-monatigen Kampagne bereits Plattformen wie Snowflake und Oracle PeopleSoft attackiert. Für europäische und deutsche Unternehmen gilt: Die Angriffswelle wird sich nicht auf die USA beschränken. Wer seine Verwaltungssoftware nicht regelmäßig auf Schwachstellen prüft, könnte das nächste Ziel sein.

