Auf dem Gartner Security & Risk Management Summit in den USA haben führende Sicherheitsanbieter eine neue Generation KI-gesteuerter Abwehrsysteme vorgestellt. Im Zentrum stehen autonome Agenten, die Sicherheitslücken in Minuten statt Tagen schließen können – ein Paradigmenwechsel für Unternehmen weltweit.
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Tanium baut Endpoint-Sicherheit massiv aus
Der Sicherheitsspezialist Tanium präsentierte am Dienstag gleich mehrere Neuheiten. Mit dem Threat Navigator können Unternehmen proaktiv nach Bedrohungen jagen, während der neue Tanium Connector für Microsoft Edge die Browser-Telemetrie deutlich verbessert. Zwei weitere Tools runden das Paket ab: Anomaly Detection zur Erkennung ungewöhnlicher Muster und Tanium Enforce zur automatischen Durchsetzung von Sicherheitsrichtlinien.
Bereits zu Wochenbeginn hatte Tanium eine Partnerschaft mit Censys bekanntgegeben. Gemeinsam entwickeln die Firmen eine Lösung für das sogenannte Exposure Management – also die ganzheitliche Erfassung von Sicherheitsrisiken. Die Idee: Echtzeit-Daten von Endgeräten mit globalen Internet-Infrastrukturkarten kombinieren, um Angriffsflächen intern wie extern zu identifizieren. Zudem erhielt Tanium neue FedRAMP-Zertifizierungen für US-Behörden und wurde in aktuellen Branchenanalysen als Marktführer im Endpunkt-Management ausgezeichnet.
Die Stunde der autonomen Sicherheitsagenten
Ein klarer Trend der Konferenz: Künstliche Intelligenz übernimmt das Kommando. Das Unternehmen SpartanX startete NodeX – einen Schwarm aus über 500 KI-Agenten, die Netzwerkverteidigung autonom testen. Die Software simuliert Angriffe aus dem Inneren des Unternehmens und prüft, ob vorhandene Sicherheitstools tatsächlich halten, was sie versprechen.
Noch einen Schritt weiter geht Cato Networks. Das Unternehmen meldete, dass seine KI-Agenten die Zeit zum Schließen kritischer Sicherheitslücken auf 45 Minuten drücken. Das ist angesichts der Bedrohungslage dringend nötig: Laut NIST-Daten ist die Zahl der gemeldeten Schwachstellen seit 2020 um über 250 Prozent gestiegen. Cisco wiederum kündigte mit Cisco Cloud Control eine Suite zur Verwaltung von Cybersicherheits-KI-Agenten an – ein Marktplatz für KI-Programmierwerkzeuge soll in der zweiten Jahreshälfte folgen.
Gartner: Resilienz statt Perfektion
Die Analysten von Gartner nutzten den Gipfel für eine klare Ansage an die Sicherheitsbranche. Ihr Rat an Chief Information Security Officers (CISOs): Modernisiert das Identitäts- und Zugriffsmanagement und definiert Sicherheitserfolg neu – nicht als perfekte Prävention, sondern als Resilienz im Ernstfall.
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Die Prognosen der Marktforscher sind ambitioniert: Bis 2028 soll der KI-Einsatz in Sicherheitsoperationen die Zahl menschlicher Fehler um 30 Prozent senken. Gleichzeitig warnen die Experten: Ein Viertel aller Sicherheitsverletzungen könnte bis dahin über KI-gesteuerte Angriffsflächen erfolgen. Bei den Budgets fordern die Analysten einen Kurswechsel: Nur 40 Prozent der Sicherheitsverantwortlichen verknüpfen ihre Ausgaben derzeit mit konkreten Unternehmenszielen – viel zu wenig, so das Fazit.
KI-Agenten erobern Finanzabteilungen
Die Automatisierungswelle schwappt längst über die reine IT-Sicherheit hinaus. Das auf 2,2 Milliarden Euro bewertete Unternehmen Zip stellte fünf „KI-Super-Agenten“ für Einkauf, Rechtsabteilung und Kreditorenbuchhaltung vor. Die Agenten arbeiten auf einer gemeinsamen Plattform mit integrierten Kontrollmechanismen und sollen im Sommer 2026 allgemein verfügbar sein. Erste Erfahrungen beim Versicherer Northwestern Mutual zeigen das Potenzial: 1.400 Arbeitsstunden konnten eingespart werden.
Auch Diligent mischt mit. Der Anbieter präsentierte eine neue Lösung für Cyber-Risikomanagement, die Risikobewertungen per KI automatisiert. Was früher Wochen dauerte, erledigt die Software nun in Stunden.
Die Führungsetage hinkt hinterher
Doch so rasant die technische Entwicklung voranschreitet – in den Chefetagen klafft eine gefährliche Wissenslücke. Parallel zum Gartner-Gipfel fand in London die Infosecurity Europe statt. Eine Studie von Silobreaker und dem SANS Institute zeigt: Viele Führungskräfte verstehen nicht, was Bedrohungsanalysen wirklich aussagen. Die Empfehlung der Forscher: Sicherheitsteams müssen ihre Berichte stärker auf die Bedürfnisse des Managements zuschneiden – mit klaren Aussagen zu Risiken und konkreten Handlungsoptionen. Denn die beste Technologie nützt wenig, wenn das Vorstandsbüro sie nicht einordnen kann.

