Die US-Regierung zieht die Zügel an: Mit der neuen Koordinierungsstelle „Gold Eagle“ will Washington Schwachstellen in KI-Systemen von Energie- und Finanznetzen gezielt aufspüren und schließen. Das teilte das Weiße Haus Anfang Juli mit.
Hinter dem Namen verbirgt sich ein gemeinsames Lagezentrum von Finanzministerium, Heimatschutzministerium und Verteidigungsministerium. Es soll KI-bezogene Sicherheitslücken in kritischen Sektoren melden und beheben. Ein entsprechender Erlass verpflichtet Entwickler bestimmter KI-Modelle zudem, ihre Systeme 30 Tage vor der Veröffentlichung den zuständigen Behörden vorzulegen.
Industrie und Forschung ziehen mit
Parallel zur staatlichen Initiative verstärkt auch die Privatwirtschaft ihre Anstrengungen. Der Sicherheitsspezialist Nozomi Networks ist dem Projekt „Glasswing“ des KI-Unternehmens Anthropic beigetreten. Ziel der Allianz ist es, KI-Modelle zur Fehlersuche in Betriebstechnik (OT) und im Internet der Dinge (IoT) einzusetzen. Die Partner wollen ihre Forschungsergebnisse teilen, um die Widerstandsfähigkeit der Infrastruktur zu erhöhen.
Der Cybersicherheitsanalyst Olutoye Ransome-Kuti vom Los Angeles Cleantech Incubator (LACI) sieht in KI-gestützten Werkzeugen einen entscheidenden Faktor für den Schutz von Stromnetzen und Wassersystemen. Die Technologie könne Anomalien in Echtzeit erkennen. Allerdings, so seine Einschränkung, sei ein „Human-in-the-Loop“-Modell unverzichtbar – die Kontrolle durch den Menschen müsse erhalten bleiben.
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China setzt auf KI für die Energieversorgung
Auch international schreitet die KI-Integration in die Energieinfrastruktur voran. In der chinesischen Provinz Sichuan ist der erster KI-gesteuerte Betrieb einer großen Kombination aus Wasser-, Wind- und Solarkraftwerken gestartet. Entwickelt wurde das System von der Yalong River Hydropower Development Co. Es verwaltet einen Kraftwerkspark mit einer Leistung von zehn Millionen Kilowatt.
Die KI erlaubt nun Abflussvorhersagen für 60 Tage im Voraus und erkennt Fehler mit einer Genauigkeit von über 96 Prozent. Das Projekt ist Teil eines ehrgeizigen Ausbauplans: Bis 2035 soll die installierte Gesamtleistung auf 78 Millionen Kilowatt steigen.
Derweil wächst der Druck auf die Stromnetze. Allein im Juni beliefen sich die Engpasskosten im US-Netzbetreiber PJM auf 777,8 Millionen Euro – nach einer Milliarde Euro im Mai. Branchenberichten zufolge könnten Technologien wie das dynamische Freileitungsmonitoring die Netzkapazität um bis zu 13 Prozent steigern, um den steigenden Bedarf durch Elektrifizierung und Rechenzentren zu decken.
Europa und USA bauen Regulierung aus
Die Politik reagiert mit neuen Gesetzen und Förderprogrammen. In der EU beginnt im September die Umsetzungsphase des Cyber Resilience Act. Deutschland und Frankreich haben ihre Zusammenarbeit zur KI-Sicherheit vertieft und koordinieren Risikobewertungen über das Deutsche KI-Sicherheitsinstitut und das internationale Netzwerk INESIA.
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In den USA hat die National Telecommunications and Information Administration (NTIA) ein Förderprogramm über 53 Millionen Euro aufgelegt. Es soll die Entwicklung KI-gestützter Funkzugangsnetze (RAN) vorantreiben, die internationalen Standards entsprechen und wirtschaftlich tragfähig sind. Parallel dazu diskutiert das National Institute of Standards and Technology (NIST) diese Woche im Rahmen seiner Cybersicherheitsreihe über die Einführung mobiler Führerscheine.

