Der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers schlägt beim Thema Künstliche Intelligenz (KI) einen pragmatischen Kurs ein. Wie Vorstandsvorsitzender Bernd Montag deutlich machte, verzichtet das im DAX notierte Unternehmen bewusst auf eine dedizierte KI-Strategie. Statt die Technologie als eigenständiges Ziel zu definieren, betrachte das Management KI primär als Hilfsmittel und Werkzeug, das direkt in die medizinischen Geräte integriert wird.
KI als Werkzeug zur Effizienzsteigerung
Nach Einschätzung von Bernd Montag fungiert Künstliche Intelligenz nicht als Endpunkt einer Entwicklung, sondern als Mittel zum Zweck. Die Technologie sorge in der Medizintechnik vor allem für eine höhere Effizienz in den Arbeitsläufen. Dabei unterstrich der CEO, dass KI die Prozesse zwar effizienter gestalte, dies jedoch nicht zwangsläufig mit einer qualitativen Verbesserung der medizinischen Ergebnisse gleichzusetzen sei. Der Fokus des Unternehmens liege darauf, die Technologie gezielt dort einzusetzen, wo sie einen konkreten operativen Mehrwert bietet.
In der praktischen Anwendung konzentriert sich Siemens Healthineers auf die Bekämpfung schwerwiegender Krankheiten. Der Einsatz von KI-gestützten Systemen soll vor allem bei der Diagnose und Behandlung von Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Schlaganfällen unterstützen. Dabei betonte Montag, dass die Qualität der zugrunde liegenden Informationen entscheidend sei. Statt auf eine schiere Masse von etwa 3 Milliarden Datenpunkten zu setzen, komme es auf die Relevanz und Validität der Daten an.
Entlastung des medizinischen Fachpersonals
Trotz des technologischen Fortschritts bleibe das Wissen erfahrener Ärzte für den medizinischen Erfolg unverzichtbar. Die Künstliche Intelligenz solle das Fachpersonal unterstützen, aber nicht ersetzen.
Erste Ergebnisse aus Pilotprojekten verdeutlichen das Potenzial dieser Unterstützung: So konnte die Befundung von Thorax-Computertomographien (CT) um bis zu 25 Prozent beschleunigt werden. Parallel dazu sank die kognitive Belastung der beteiligten Mediziner um 16 Prozent.
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Diese Entwicklungen finden in einem streng regulierten Umfeld statt. Der EU AI Act stuft die Medizintechnik als Hochrisikobereich ein. Daraus resultierende Verpflichtungen für Hersteller wie Siemens Healthineers müssen bis zum Jahr 2027 vollständig umgesetzt werden.
Wirtschaftliche Kennzahlen und Marktposition
Siemens Healthineers, das seit 2021 im DAX vertreten ist, beschäftigt rund 75.000 Mitarbeiter weltweit. Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz von über 23 Mrd. EUR. Aktuelle Geschäftszahlen unterstreichen die Stabilität des Unternehmens: Im dritten Quartal 2026 verzeichnete Siemens Healthineers ein Umsatzplus von 2,8 Prozent. Die EBIT-Marge lag in diesem Zeitraum bei 19,1 Prozent.
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Mit der Strategie, Künstliche Intelligenz als integralen Bestandteil der Hardware zu betrachten, positioniert sich das Unternehmen gegen den Branchentrend, KI-Aktivitäten in eigenständigen Geschäftsbereichen oder Strategiepapieren zu isolieren. Das Ziel bleibe die gezielte Anwendung der Technologie im Kampf gegen tödliche Krankheiten, während die menschliche Expertise im Zentrum der Patientenversorgung verankert bleibe.

