Siemens profitiert vom KI-Boom und hebt Prognose an

Starke Nachfrage nach industrieller KI-Infrastruktur beschert Siemens ein Rekordquartal und veranlasst den Konzern, seine Jahresziele deutlich anzuheben.

Siemens AG treibt die Jahresprognose nach einem starken Quartal deutlich nach oben. Grund ist die unerwartet hohe Nachfrage nach KI-Infrastruktur und Industrieautomatisierung.

Der Münchner Technologiekonzern übertraf im ersten Quartal 2026 deutlich die Erwartungen. Der Umsatz stieg auf 19,14 Milliarden Euro, der Industriegewinn legte sogar um 15 Prozent auf 2,90 Milliarden Euro zu. CEO Roland Busch sprach von einer „unstillbaren“ Nachfrage, die die interne Planung übertrifft. Besonders die USA treiben das Geschäft: Die Aufträge im Bereich Smart Infrastructure schnellten dort um 54 Prozent nach oben.

Industrielle KI als Wachstumstreiber

Während sich die öffentliche Debatte oft auf Verbraucher-KI konzentriert, setzt Siemens auf „Industrial AI“. Die Integration von Künstlicher Intelligenz in Fabriken, Energienetze und Transportsysteme wird zum Milliardenmarkt. Die Sparte Digital Industries, die Fabrikautomatisierung und Industriesoftware bündelt, verbuchte einen Gewinnsprung von 37 Prozent.

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„Wir sehen eine sehr, sehr starke Auftragslage“, so Busch. Der Konzern verkauft nicht nur Hardware, sondern integriert KI tief in seine Softwarelösungen. Zwei große Akquisitionen stützen diese Strategie: Das Softwareunternehmen Altair Engineering (Kaufpreis: rund 9 Milliarden Euro) stärkt die Simulationsfähigkeiten. Dotmatics erweitert das Portfolio im Life-Science-Bereich. Beide sollen den Aufbau des „Industrial Metaverse“ vorantreiben, in dem ganze Fabriken virtuell geplant werden können.

Energiebedarf befeuert Schwesterunternehmen

Die KI-Revolution heizt auch das Geschäft von Siemens Energy an. Das unabhängige Schwesterunternehmen meldete nur einen Tag zuvor, dass sich sein Quartalsgewinn nahezu verdreifacht hat. Grund ist der explodierende Strombedarf von Rechenzentren.

„Das zeigt das ganze Ausmaß des Infrastrukturausbaus“, kommentiert ein Branchenbeobachter. Während Siemens AG die Automatisierungs- und Kühltechnik in den Rechenzentren liefert, stellt Siemens Energy die nötige Energie bereit. Tech-Konzerne investieren 2026 voraussichtlich hunderte Milliarden in KI-Infrastruktur – ein „Superzyklus“ für Zulieferer.

Börse belohnt Strategiewandel

Die Anleger honorierten die Zahlen: Die Siemens-Aktie stieg im frühen Handel in Frankfurt um über sechs Prozent. Vorübergehend löste der Konzern sogar SAP als wertvollstes deutsche Börsenunternehmen ab. Das ist ein symbolischer Erfolg für Buschs Kurs, den Industrieriesen als Tech-Firma neu zu bewerten.

Die höhere Gewinnprognose für 2026 – der erwartete Gewinn je Aktie liegt nun zwischen 10,70 und 11,10 Euro – signalisiert Managementvertrauen. Der Wandel zu softwarelastigeren, margenstärkeren Geschäften soll Siemens unabhängiger von konjunkturellen Schwankungen machen.

Ausblick: Digitale Zwillinge als Standard

Für das laufende Jahr will Siemens seine Xcelerator-Plattform weiter ausbauen. Ziel ist es, den „digitalen Zwilling“ – die virtuelle Kopie eines physischen Systems – zum Industriestandard zu erheben. Die Dynamik im Rechenzentrumsgeschäft soll anhalten, auch wenn geopolitischen Risiken im Blick bleiben.

Trotz der US-Dominanz wächst das Geschäft in China wieder um 14 Prozent. Siemens setzt darauf, dass die Integration von KI in alle Produkte – von selbstlernenden Logistikrobotern bis zu automatisierten Stromnetzen – eine industrielle Transformation einleitet, die der Einführung der Elektrizität gleicht. Die prallen Auftragsbücher scheinen ihm recht zu geben.