Siemens hat erstmals einen menschenähnlichen Roboter in seiner Elektronikfabrik in Erlangen im laufenden Betrieb getestet. Die erfolgreiche zweiwöchige Pilotphase mit dem „HMND 01 Alpha“ des britischen Start-ups Humanoid markiert einen wichtigen Schritt für den Einsatz von Humanoiden in der Industrie. Der Roboter bewältigte eigenständig komplexe Logistikaufgaben – ein Meilenstein auf dem Weg zur Fabrik der Zukunft.
Roboter bewältigt Schichtarbeit zuverlässig
Im Fokus des Praxistests stand eine typisch repetitive Aufgabe: das Entstapeln und Transportieren schwerer Behälter. Der Roboter identifizierte und hob schwere Boxen von Lagerstapeln, transportierte sie durch die Halle und platzierte sie präzise auf Förderbändern für die menschlichen Mitarbeiter.
Anders als bei vielen gestellten Vorführungen lag der Fokus auf durchgängiger Betriebstauglichkeit. Der HMND 01 schaffte 60 Behälterbewegungen pro Stunde und lief über acht Stunden ohne Ausfall – also eine komplette Standardschicht. Das System handhabte zwei verschiedene Behältergrößen mit einer Erfolgsquote von über 90 Prozent.
„Die Erlangener Fabrik war das ideale Testfeld“, sagte Stephan Schlauß, Global Head of Manufacturing Motion Control bei Siemens. Der gelungene Test eröffne neue Möglichkeiten für die Produktionsautomatisierung. Man wolle die Technologie nun im eigenen Werknetzwerk vorantreiben.
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Räder statt Beine: Der pragmatische Ansatz
Während die öffentliche Debatte oft zweibeinige Roboter in den Vordergrund stellt, setzt das in Erlangen getestete Modell auf einen radgetriebenen Unterbau. Diese Hybridlösung kombiniert einen menschenähnlichen Oberkörper für geschickte Handhabung mit einer stabilen und schnellen Rollplattform. Für Fabrikhallen mit ebenen Böden verspricht das einen schnelleren Return on Investment.
Der 1,75 Meter große und 70 Kilogramm schwere Roboter kann bis zu 15 Kilogramm tragen. Mit 29 Freiheitsgraden und einer KI-Architektur auf Basis der NVIDIA Jetson Thor Plattform nimmt er seine Umgebung wahr und plant Aufgaben in Echtzeit.
„Die Partnerschaft mit Industriepionieren wie Siemens ermöglicht es uns, unsere Systeme unter realen Bedingungen zu validieren“, betonte Humanoid-Gründer Artem Sokolov. Es gehe um messbaren Mehrwert, nicht um technische Spielerei.
Antwort auf Fachkräftemangel und Ergonomie-Herausforderungen
Der Test in Erlangen ist Teil eines größeren Trends: Europäische Industriekonzerne setzen auf humanoide Roboter, um Fachkräftelücken zu schließen und Belastungen für Mitarbeiter zu reduzieren. Das HMND-01-System soll Menschen von schweren, repetitiven oder ergonomisch ungünstigen Tätigkeiten entlasten.
Die Entwicklung in der Branche verläuft rasant. Das erst 2024 gegründete Start-up Humanoid entwickelte seinen funktionsfähigen Alpha-Prototypen in nur sieben Monaten. Parallel laufen bereits Proof-of-Concept-Aktivitäten mit dem Automobilzulieferer Schaeffler – ein Beleg für die branchenübergreifende Relevanz der Plattform.
Nächste Phase: Vom Einzelgerät zum Roboterschwarm
Aufgrund des erfolgreichen Pilottests wollen Siemens und Humanoid ihre strategische Partnerschaft vertiefen. Derzeit werden Pläne für eine breitere Einführung evaluiert. In den nächsten zwölf Monaten könnten Pilotprojekte mit mehreren Robotern in verschiedenen Siemens-Werken starten.
Beobachter erwarten, dass sich die nächste Testphase auf das „Fleet Management“ konzentrieren wird – also die Koordination mehrerer Humanoid-Einheiten, die simultan neben menschlichen Kollegen arbeiten. Gelingt dies, könnte der kommerzielle Einsatz solcher Allzweck-Roboter in der europäischen Fertigung bis 2027 Realität werden.
Der gelungene Praxistest in Erlangen beweist: Humanoide Roboter sind bereit für den Schichtdienst. Sie kommen nicht mehr aus dem Labor, sondern direkt aus der Produktionshalle.
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