Signal-Sicherheitslücke: Gelöschte Nachrichten bleiben auf iOS sichtbar

Kritische Schwachstellen in Java-Bibliothek, Firewall-Software und Messenger setzen Firmen und Behörden unter Zugzwang.

Schwerwiegende Sicherheitslücken in verbreiteter Software und verschlüsselten Messengern setzen Unternehmen und Behörden unter Druck.

Die Cybersicherheitslandschaft steht Ende Juli 2026 vor neuen Herausforderungen. Gleich mehrere kritische Schwachstellen in weit verbreiteten Anwendungen wurden entdeckt – darunter eine aktive Angriffswelle auf die Java-Bibliothek Fastjson und eine Sicherheitslücke in der Verschlüsselungsplattform Signal, die bereits von Ermittlungsbehörden ausgenutzt wurde.

Fastjson: Kritische Lücke wird aktiv ausgenutzt

Eine besonders brisante Sicherheitslücke betrifft die Java-Bibliothek Fastjson in den Versionen 1.2.68 bis 1.2.83. Die als CVE-2026-16723 registrierte Schwachstelle ermöglicht Angreifern die Ausführung von Schadcode aus der Ferne – und das mit einem CVSS-Score von 9,0, der höchsten Risikostufe.

Besonders gefährdet sind Spring-Boot-Anwendungen, bei denen der SafeMode deaktiviert ist. Die Angreifer nutzen einen Trick: Sie laden schädlichen Bytecode nach, ohne dass die eigentlich erforderliche AutoType-Funktion aktiviert sein muss. Ein offizieller Patch steht noch aus, weshalb Experten dringend empfehlen, den SafeMode sofort zu aktivieren oder auf Fastjson2 umzusteigen.

Check Point: Behörden schlagen Alarm

Parallel dazu sorgt eine weitere Schwachstelle für Aufsehen. Die als CVE-2026-16232 bekannte Sicherheitslücke in Check Point SmartConsole ermöglicht einen Authentifizierungs-Bypass. Die US-Cybersicherheitsbehörde CISA hat den Fehler in ihren Katalog bekannter ausgenutzter Schwachstellen aufgenommen und setzte Unternehmen eine Frist bis zum 25. Juli 2026, um die notwendigen Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Ein Jumbo Hotfix wurde bereits am 22. Juli veröffentlicht. Die Behörde empfiehlt zudem, den Zugriff auf vertrauenswürdige Clients zu beschränken.

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Signal unter Beschuss: Wenn gelöschte Nachrichten nicht verschwinden

Die Sicherheit des verschlüsselten Messengers Signal gerät zunehmend in die Kritik. Ein Protokollierungsfehler in den Benachrichtigungsdiensten von iOS hatte dazu geführt, dass gelöschte Nachrichten auf dem Gerät verblieben – und für Ermittlungsbehörden wie das FBI zugänglich waren.

Die als CVE-2026-28950 registrierte Schwachstelle betraf die Art und Weise, wie iOS-Benachrichtigungen gespeichert werden. Obwohl Nutzer die Nachrichten löschten, blieben die Benachrichtigungsinhalte in der Gerätedatenbank erhalten. Apple hat das Problem mit dem Update auf iOS 26.4.2 behoben.

Signal selbst bestätigte den Fehler. Als zusätzliche Schutzmaßnahme empfehlen Sicherheitsexperten, die Benachrichtigungseinstellungen so anzupassen, dass keine Nachrichtenvorschauen angezeigt werden. Das reduziert die Menge sensibler Daten, die in den Systemprotokollen landen.

Strukturelle Risiken: Die versteckte Gefahr von Signal

Doch nicht nur Softwarefehler machen Signal angreifbar. Bereits im März 2025 warnte das US-Verteidigungsministerium vor der Nutzung des Messengers für dienstliche, wenn auch nicht geheime Informationen. Grund: Staatlich gesteuerte Gruppen hatten die „Linked Devices“-Funktion von Signal ausgenutzt, um unbefugt auf Kommunikation zuzugreifen.

Mindestens fünf solcher Gruppen waren Anfang 2025 aktiv. Sie nutzten die Synchronisation zwischen Hauptgerät und Zweitgeräten, um sich Zugang zu verschaffen. Ein besonders brisanter Vorfall ereignete sich, als ein Journalist versehentlich in eine Signal-Gruppe aufgenommen wurde, in der US-Beamte Luftangriffspläne für den Jemen diskutierten.

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Trotz aller Probleme: Signal wächst weiter

Die Sicherheitsbedenken scheinen dem Wachstum von Signal keinen Abbruch zu tun. Im April 2025 verzeichnete die Plattform zwischen 70 und 100 Millionen monatlich aktive Nutzer. Insgesamt wurde die App seit ihrer Gründung 2014 mehr als 218 Millionen Mal heruntergeladen. Die größten Märkte sind die USA, die Niederlande und Deutschland.

Allerdings zeigt der Blick auf die Finanzen ein gemischtes Bild. Im Geschäftsjahr 2024 erzielte die Signal Foundation Einnahmen von rund 27 Millionen Euro, standen jedoch Ausgaben von etwa 35 Millionen Euro gegenüber – ein Minus von rund 8 Millionen Euro. Gestützt wird die Organisation durch ein zinsloses Darlehen von Mitgründer Brian Acton in Höhe von rund 96 Millionen Euro, das erst im Jahr 2068 zurückgezahlt werden muss.