SIM-Karten-Betrug: 327% Anstieg weltweit – vier Verdächtige verhaftet

In Nairobi wurden vier chinesische Staatsangehörige angeklagt. Ermittler stellten SIM-Karten, Geräte und 1.125.800 Kenia-Schilling sicher.

In der kenianischen Hauptstadt Nairobi sind vier chinesische Staatsangehörige unter dem Vorwurf des großangelegten SIM-Karten-Betrugs und der Geldwäsche festgenommen worden.

Das Directorate of Criminal Investigations (DCI) führt die Verdächtigen Xiaoling Gu, Guodong Fu, Wenji Gao und Gu Xiaopeng als zentrale Akteure einer kriminellen Gruppe, die sich auf das sogenannte SIM-Swapping spezialisiert haben soll. Der Zugriff erfolgte nach umfangreichen Ermittlungen der Spezialeinheit DCI Parklands.

Den Beschuldigten wird vorgeworfen, gezielt Mobilfunkanschlüsse übernommen zu haben, um Zugriff auf die damit verknüpften Finanzressourcen und digitalen Konten der Opfer zu erlangen.

Ein konkreter Fall, der die Ermittlungen ins Rollen brachte, betraf eine lokale Geschäftsfrau. Diese hatte den gleichzeitigen Ausfall von zwei ihrer Safaricom-Mobilfunklinien gemeldet. Ermittlungen ergaben, dass in der Folge unberechtigte Finanztransfers von einer Gaming-Plattform initiiert wurden, die mit den betroffenen Anschlüssen gekoppelt war.

Umfangreiches Beweismaterial sichergestellt

Bei der Durchsuchung und Festnahme der vier Personen konnten die Beamten des DCI eine signifikante Menge an Beweismitteln sicherstellen, die auf ein professionell organisiertes Vorgehen hindeuten. Die Ermittler beschlagnahmten insgesamt 15 SIM-Karten des Providers Safaricom sowie neun Karten des Anbieters Airtel. Zusätzlich wurden sechs SIM-Karten ausländischer Herkunft sichergestellt.

Neben der Telekommunikationshardware wurden sechs Mobiltelefone, mehrere Laptops sowie drei Bankkarten konfisziert. Ein Barbetrag in Höhe von 1.125.800 Kenia-Shilling wurde von den Behörden ebenfalls als Beweismittel gesichert. Die technische Ausstattung soll laut Einschätzung der Ermittler dazu gedient haben, Identitäten vorzutäuschen und Sicherheitsbarrieren von Finanzdienstleistern zu umgehen.

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Juristisches Verfahren und Anklagepunkte

Gegen die vier Tatverdächtigen wurde Anfang September vor einem Gericht in Kibra offiziell Anklage erhoben. Die Staatsanwaltschaft legt den Beschuldigten neben Diebstahl und Geldwäsche auch das Vergehen der sogenannten Personation zur Last, also die rechtswidrige Übernahme einer fremden Identität. In einer ersten Anhörung wurden die Vorwürfe verlesen, woraufhin die Verdächtigen in Gewahrsam verblieben.

Eine Entscheidung über eine mögliche Freilassung auf Kaution wurde für den weiteren Verlauf der Woche angekündigt. Das Gericht will voraussichtlich am 4. September darüber befinden, ob den Beschuldigten ein Bond gewährt werden kann oder ob sie bis zum Abschluss des Hauptverfahrens in Untersuchungshaft bleiben müssen. Die Ermittlungsbehörden wiesen in diesem Zusammenhang auf die potenzielle Fluchtgefahr und die Schwere der Vorwürfe hin.

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Globale Zunahme von SIM-Karten-Betrug

Der Fall in Nairobi spiegelt einen besorgniserregenden Trend im Bereich der Cyberkriminalität wider. Ein aktueller Bericht von Interpol für das Jahr 2026 verdeutlicht die globale Dimension dieses Phänomens. Den Daten zufolge verzeichneten die Behörden für das vergangene Jahr 2025 einen drastischen Anstieg von SIM-Swap-Betrugsfällen um 327 Prozent.

In diesem Zeitraum identifizierten Ermittler weltweit über 123.000 betrügerische SIM-Karten, die für illegale Aktivitäten genutzt wurden. Der daraus resultierende Gesamtschaden wird laut den Analysten von Interpol auf rund 3,8 Millionen US-Dollar beziffert.

Die Behörden in Kenia werten die aktuelle Festnahme daher als wichtigen Erfolg im Kampf gegen internationale kriminelle Netzwerke, die zunehmend Schwachstellen in der mobilen Kommunikationsinfrastruktur für Finanzverbrechen ausnutzen. Die Ermittlungen zum Netzwerk der vier Beschuldigten dauern an, um mögliche weitere Beteiligte oder Hintermänner zu identifizieren.