SIM-Karten-Lücke: Forscher hacken 9 von 26 Geräten über AT-Befehle

Sicherheitsforscher finden schwerwiegende Schwachstellen bei SIM-Karten-Interaktionen. Neun von 26 getesteten Geräten sind verwundbar, besonders IoT-Module.

IT-Sicherheitsexperten der University of Birmingham und des Unternehmens Fuzzware haben schwerwiegende Schwachstellen im Zusammenspiel zwischen SIM-Karten und Mobilfunkendgeräten aufgedeckt. Wie aus aktuellen Untersuchungsberichten hervorgeht, können manipulierte SIM-Karten über sogenannte proaktive SIM-Befehle eigenständig AT-Befehle an das Host-Gerät senden. Dies ermöglicht Angreifern die Ausführung von Schadcode, den Diebstahl sensibler Daten sowie die gezielte Deaktivierung von Geräten.

Systematische Untersuchung mittels CATana-Toolkit

Im Rahmen der Forschungsarbeit entwickelten die Experten das Testwerkzeug CATana, um die Reaktion von Modems auf SIM-initiierte AT-Befehle systematisch zu untersuchen. Die Forscher prüften insgesamt 26 unterschiedliche Geräte, darunter 18 Smartphones und acht IoT-Module. Die Ergebnisse zeigen eine signifikante Anfälligkeit insbesondere im Bereich vernetzter Geräte (Internet of Things, IoT).

Von den untersuchten Einheiten erwiesen sich neun Geräte als verwundbar. Während bei den Smartphones zwei der 18 Testgeräte Sicherheitsmängel aufwiesen, waren sieben der acht untersuchten IoT-Modems für die beschriebenen Angriffe anfällig. Besonders hervorgehoben wurden in den Berichten ein Elektroauto-Ladegerät von Autel, das mit einem Quectel EC25-AFX-Modem ausgestattet ist, sowie das Smartphone-Modell Oppo Reno14 F 5G.

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Gefahrenpotenzial und Manipulationsmöglichkeiten

Die Schwachstellen erlauben eine Vielzahl böswilliger Operationen. Auf dem getesteten Oppo-Smartphone konnten die Experten durch eine Sequenz von 198 AT-Befehlen das Gerät vollständig ausschalten, das integrierte Modem funktionsunfähig machen oder einen sogenannten 2G-Downgrade erzwingen. Letzteres stuft die Mobilfunkverbindung auf den veralteten und unsicheren Standard herab, was weitere Abhörmaßnahmen und Manipulationen begünstigt.

Darüber hinaus identifizierten die Sicherheitsforscher Möglichkeiten zur Reaktivierung von Debug-Schnittstellen, zur Exfiltration von Daten sowie zum unbefugten Versenden von Nachrichten oder dem Tätigen von Anrufen. Die Experten benannten vier primäre Angriffsszenarien für den Einsatz solcher bösartigen SIM-Karten: den Fernzugriff über Software-Exploits, den physischen Austausch der SIM-Karte, die Kompromittierung eines Mobilfunkbetreibers sowie Manipulationen innerhalb der Lieferkette.

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Reaktion der Industrie und Fehlerbehebung

Die betroffenen Schwachstellen wurden unter den Kennungen CVE-2025-48618, CVE-2026-57550 sowie dem GSMA-Protokoll CVD-2026-0122 erfasst. Die Forscher haben die Branchenvereinigung GSMA sowie die betroffenen Hersteller bereits über die Funde informiert, um entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Einige der Sicherheitslücken wurden bereits adressiert. Die Schwachstelle CVE-2025-48618 wurde im Dezember 2025 von Google für die Android-Versionen 13 bis 16 behoben. Die GSMA führt die Problematik zudem unter der Referenz CVD-2026-0122, um die Koordinierung zwischen Netzbetreibern und Hardware-Produzenten weltweit zu unterstützen. Die Entdeckungen verdeutlichen, dass das bisherige Vertrauensverhältnis zwischen dem Endgerät und der SIM-Karte eine kritische Angriffsfläche darstellt, die über die herkömmlichen Sicherheitsmechanismen der mobilen Betriebssysteme hinausgeht.