Singpass: Singapur rüstet 5,5 Millionen Nutzer mit Passkeys aus

Singapur führt Passkeys für Singpass ein und verschärft Gesetze gegen Online-Betrug. Die Maßnahmen folgen auf hohe Schäden durch Phishing im Jahr 2025.

Singapur verschärft den Kampf gegen Online-Betrug: Der Stadtstaat hat für seinen digitalen Identitätsdienst Singpass ein neues Passkey-System eingeführt. Die Umstellung betrifft mehr als 5,5 Millionen Nutzer und soll traditionelle Passwörter sowie SMS-Codes ablösen.

Sicherheit durch kryptografische Schlüssel

Das neue Verfahren setzt auf kryptografische Schlüsselpaare und folgt den Standards der FIDO Alliance. Entscheidender Vorteil: Der digitale Schlüssel ist fest an die legitime Singpass-Domain gebunden. Selbst wenn Betrüger eine täuschend echte Fake-Website erstellen, lassen sich die Zugangsdaten dort nicht verwenden. Die Authentifizierung erfolgt in der Regel per biometrischer Verifikation – etwa durch Gesichtserkennung oder Fingerabdruckscan direkt auf dem Gerät des Nutzers.

Anders als herkömmliche Zugangsdaten verlassen Passkeys das Endgerät nie. Sie werden nicht an Server übertragen und sind damit für Angreifer deutlich schwerer abzufangen. Das ist angesichts der Schadensbilanz dringend nötig: Allein durch Phishing-Betrug entstand 2025 in Singapur ein Schaden von umgerechnet rund 27 Millionen Euro. Aktuell ist das System zunächst für mobile Nutzer verfügbar, die Behörde GovTech arbeitet bereits an der Ausweitung auf Android-Geräte, Laptops und Desktop-Computer.

Schärfere Gesetze gegen Betrugsnetzwerke

Parallel zur technischen Umstellung verschärft Singapur auch den rechtlichen Rahmen. Das Innenministerium brachte am 4. August 2026 den „Scams (Countermeasures) and Other Matters Bill“ ins Parlament ein. Das Gesetzespaket erweitert die Befugnisse der Polizei: Behörden sollen künftig Banken und Telekommunikationsunternehmen per Anordnung zur Herausgabe von Informationen verpflichten können. Zudem könnte die Polizei betrugsverdächtige Konten für zunächst 30 Tage sperren lassen.

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Deutlich härter werden die Strafen für Dienstleister, die gegen das Online Communications Health Act (OCHA) verstoßen. Die Geldbuße steigt von bisher einer Million auf bis zu zehn Millionen Singapur-Dollar – umgerechnet rund 6,8 Millionen Euro. Neu unter Strafe gestellt wird auch die Bereitstellung oder der Erwerb von Online-Konten für betrügerische Zwecke auf Plattformen wie Carousell, TikTok oder Meta-Diensten. Tätern drohen Geldstrafen, Haftstrafen von bis zu drei Jahren sowie bis zu zwölf Stockschläge.

Gemischte Bilanz im Kampf gegen Cyberkriminalität

Die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen folgen auf ein Jahr mit widersprüchlichen Ergebnissen. Zwar sank die Zahl der Betrugsfälle 2025 um 27,6 Prozent, doch der Gesamtschaden erreichte mit 913,1 Millionen Singapur-Dollar (rund 620 Millionen Euro) weiterhin ein hohes Niveau. Besonders besorgniserregend: Die Fälle von Identitätsbetrug unter dem Deckmantel staatlicher Stellen haben sich mehr als verdoppelt – von 1.504 Fällen im Jahr 2024 auf 3.363 Fälle im Jahr 2025. Der dadurch verursachte Schaden belief sich auf 242,9 Millionen Singapur-Dollar.

Die Regierung reagiert auch mit weniger digitaler Transparenz. Seit dem 1. Juli 2026 wurde das öffentliche Regierungsverzeichnis deutlich ausgedünnt: Kontaktdaten der meisten Beamten wurden entfernt, aufgeführt sind nun überwiegend Führungskräfte und politische Amtsträger. Zudem haben die Behörden bis Ende Juni mehr als 1.400 sogenannte Money Mules und eine ähnliche Zahl von SIM-Karten-Mules im Rahmen des Facility Restriction Framework identifiziert und bearbeitet.

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Forscher warnen vor neuen Angriffsmethoden

Trotz der grundsätzlich höheren Sicherheit von Passkeys zeigen aktuelle Sicherheitsforschungsergebnisse mögliche Schwachstellen auf. Sicherheitsexperten von Unit 42 entdeckten kürzlich eine Angriffstechnik namens „Pass-ta-key“: Schadsoftware auf einem kompromittierten Windows-Gerät könnte damit synchronisierte Passkeys von Google-Diensten kapern. Die Forscher betonen jedoch, dass der Angriff eine bereits erfolgte Infektion des Geräts voraussetzt. Sie empfehlen Dienstanbietern, die Verifikations-Flags der Nutzer zu prüfen, um das Risiko zu minimieren.

Umbruch bei GovTech

Die technologische Umstellung bei Singpass fällt in eine phase tiefgreifender Veränderungen bei der zuständigen Behörde GovTech. Im Juli 2026 kündigte die Agentur die Entlassung von 93 Mitarbeitern an – Teil eines schrittweisen Übergangs zu einem produktbasierten Modell. Insgesamt sollen innerhalb von zwei Jahren rund 300 Stellen abgebaut werden, das entspricht sieben bis neun Prozent der 3.900 Beschäftigten. Die Verantwortlichen betonen, die Maßnahmen seien notwendig, um Qualität und Effizienz der digitalen Dienste für die Bürger langfristig zu sichern.