Apple hat seinen Sprachassistenten Siri grundlegend neu erfunden. Aus der simplen Sprachsteuerung wird eine eigenständige KI-Plattform.
Auf der Worldwide Developers Conference (WWDC) am Montag präsentierte der Konzern die umfassendste Überarbeitung des Dienstes seit seiner Einführung im Jahr 2011. Siri AI ist künftig nicht mehr nur eine Sprachschicht über dem Betriebssystem, sondern eine vollwertige App – integriert in iOS 27, macOS Golden Gate und visionOS 27.
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Der neue Arbeitsplatz für KI
Im Zentrum der Neuerung steht eine eigene Siri-Anwendung, die sowohl Sprach- als auch Texteingaben verarbeitet. Die App funktioniert ähnlich wie moderne KI-Chatbots: Sie führt einen durchsuchbaren Gesprächsverlauf, der sich per iCloud über alle Geräte synchronisiert.
Nutzer können über eine multifunktionale Oberfläche Dateien hochladen und komplexe, mehrteilige Unterhaltungen führen. Die Stimme des Assistenten wurde überarbeitet und klingt nun ausdrucksstärker. Tempo, Akzent und Sprachmelodie lassen sich individuell anpassen. Auf dem iPhone wird die Oberfläche per Wischgeste vom Dynamic Island aus geöffnet, auf dem Mac startet sie direkt über die Spotlight-Suche.
Systemweite Intelligenz und Kontextverständnis
Die neue Siri AI basiert auf Apples eigenen Foundation Models. Besonders bemerkenswert: Die Funktionen „Screen Awareness“ und „Personal Context“. Der Assistent versteht, was auf dem Bildschirm angezeigt wird, und kann direkt darauf reagieren.
In Vorführungen zeigte Apple, wie Siri mehrere Apps gleichzeitig steuert. Ein Beispiel: Der Assistent erkennt ein Wahrzeichen auf einem Foto und startet die Navigation. Oder er setzt Konzerterinnerungen auf Basis von Nachrichten und erstellt Entwürfe aus Informationen mehrerer E-Mails.
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Eine weitere Neuerung ist der „Siri Mode“ in der Kamera-App. Der Assistent analysiert das Sichtfeld des Nutzers in Echtzeit. Das ermöglicht praktische Alltagsanwendungen: Restaurantrechnungen teilen, Nährwerte auf Lebensmittelverpackungen prüfen oder Termine automatisch in den Kalender eintragen – einfach durch das Fotografieren eines Dokuments.
Hardware-Hürden und Startprobleme
Die erweiterten Funktionen haben ihren Preis: Mindestens 12 Gigabyte Arbeitsspeicher sind nötig, um alle Features nutzen zu können. Unterstützt werden das iPhone 15 Pro und neuere Modelle, iPads mit M4-Chip sowie Macs mit M3-Prozessor oder neuer.
Der Start von Siri AI erfolgt zunächst nur auf Englisch. Zudem wird der Dienst in der Europäischen Union und China zum Launch nicht verfügbar sein. Eine Entwickler-Beta ist seit Montag erhältlich, eine öffentliche Beta folgt im Juli 2026. Der finale Release ist für den Herbst geplant.
Partnerschaft mit Google und hybride Verarbeitung
Für die nötige Rechenleistung hat Apple eine Partnerschaft mit Google geschlossen und nutzt dessen Gemini-KI-Modelle. Die Architektur setzt auf einen hybriden Ansatz: Aufgaben werden entweder lokal auf dem Gerät oder über Apples Private Cloud Compute verarbeitet – mit dem Versprechen maximaler Privatsphäre.
Die Ankündigung fällt in eine Zeit des Wandels bei Apple. CEO Tim Cook, der die Keynote eröffnete, wird voraussichtlich im September die Führung an John Ternus übergeben. Zudem hat der Konzern aus Cupertino im Dezember 2025 eine Sammelklage in Höhe von 250 Millionen Euro beigelegt, die frühere Behauptungen über die KI-Fähigkeiten des Unternehmens betraf.
Weitere Neuerungen im Apple-Universum
Neben Siri AI präsentierte Apple weitere Systemverbesserungen. Dazu gehören erweiterte Fotobearbeitungswerkzeuge wie „Spatial Reframing“ und „Clean Up“, sowie automatische Tab-Organisation und Seitenüberwachung im Safari-Browser. Die gesamte Apple-Intelligence-Plattform soll die Systemleistung spürbar verbessern – Apple verspricht bis zu 30 Prozent schnellere App-Starts unter der neuen Software.

