Auf der Entwicklerkonferenz WWDC präsentierte Apple am Montag die größte Siri-Überarbeitung der Geschichte. Der neue Sprachassistent soll endlich mit ChatGPT und Alexa mithalten können – und das ganz ohne Cloud-Zwang.
Es war die letzte große Bühne für Tim Cook. Der scheidende Apple-Chef nutzte die WWDC-Keynote am 8. Juni, um eine radikale Neuausrichtung zu verkünden. Im Zentrum: Siri AI und das neue Betriebssystem iOS 27. Apples Antwort auf die generative KI-Revolution setzt auf hauseigene Technologie – und verzichtet bewusst auf die Zusammenarbeit mit Google.
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Siri wird endlich intelligent
Der neue Sprachassistent versteht plötzlich Kontext. Statt nur einzelne Befehle auszuführen, kann Siri nun über verschiedene Apps hinweg arbeiten: Ein Dokument finden, an einen Kontakt senden oder einen Termin aus einer E-Mail direkt in den Kalender eintragen. Möglich macht das die sogenannte Apple Intelligence-Plattform.
Besonders spannend: Die Bildschirm-Erkennung. Siri sieht, was der Nutzer gerade auf dem Display hat, und kann darauf reagieren. Erste Tests der Entwickler-Beta zeigen, dass der Assistent komplexe Fragen zu aktuellen Ereignissen beantwortet – etwa zu neuen Musikveröffentlichungen oder Sportereignissen der vergangenen Tage.
Siri bekommt zudem eine eigene App auf iPhone, Mac und Apple Watch. Die watchOS-27-Version führt einen Gesprächsverlauf ein, der sich geräteübergreifend synchronisiert.
Apples eigener KI-Weg
Monatelang hatte die Branche spekuliert: Arbeitet Apple heimlich mit Google oder OpenAI zusammen? Die Antwort kam nun überraschend deutlich. Apple setzt auf eigene Foundation Models – die Modelle AFM Core und AFM Core Advanced für Berechnungen auf dem Gerät, AFM Cloud und AFM Cloud Pro für komplexere Aufgaben.
Zwar laufen die Cloud-Modelle auf Nvidia-GPUs in der Google-Cloud-Infrastruktur. Doch Apple betont: Weder Google Gemini noch Google Search oder Google Assistant kommen zum Einsatz. Die hauseigenen Modelle wurden lediglich mit Ausgaben von Gemini Frontier optimiert – ein Standardverfahren zur Leistungssteigerung.
Das System ist auf Apple Silicon zugeschnitten und legt großen Wert auf Datenschutz. Nutzerdaten werden während der Verarbeitung nicht gespeichert.
iOS 27: Nicht nur KI, sondern auch Tempo
Die Updates beschränken sich nicht auf die Sprachsteuerung. iOS 27 bringt handfeste Leistungsverbesserungen:
- App-Starts sind bis zu 30 Prozent schneller
- Fotobibliotheken laden 70 Prozent flotter
- AirDrop-Übertragungen laufen 80 Prozent schneller
Selbst ältere Geräte wie das iPhone 11 oder iPhone 13 sollen von den Optimierungen profitieren.
Neues Design und praktische Funktionen
Die Liquid-Glass-Oberfläche kommt mit einem Transparenz-Regler in den Systemeinstellungen. Die Fotos-App erhält Werkzeuge zur Bildbearbeitung – darunter eine „Clean Up“-Funktion, Hintergrunderweiterung und „Spatial Reframe“. Safari gruppiert Tabs nun automatisch nach Themen. Und die Kurzbefehle-App erlaubt komplexe Automatisierungen per Sprachbefehl in natürlicher Sprache.
Neu sind auch getrennte Lautstärkeregler für Klingeltöne, Alarme und Medienwiedergabe – eine lange geforderte Funktion.
Mit den neuen System-Updates kommen oft auch neue Fachbegriffe, die iPhone-Nutzer schnell überfordern können. Dieses Gratis-Lexikon erklärt die wichtigsten Begriffe in einfachen Worten – inklusive Aussprachehilfen. In 10 Minuten die Apple-Sprache verstehen
Hardware-Hürden und EU-Aus
Die volle KI-Power bleibt bestimmten Geräten vorbehalten. Benötigt werden:
- iPhone 15 Pro und Pro Max, iPhone 16-Serie sowie die kommende iPhone-17-Reihe
- Für iPads und Macs: mindestens M1-Chip
- Für Top-Features wie die leistungsstärksten On-Device-Modelle und Sprach-Anpassung: mindestens 12 GB RAM (iPhone 17 Pro, iPhone 17 Air, iPads und Macs mit M3 oder M4)
Ein öffentlicher Beta-Test auf Englisch ist für Juli 2026 angekündigt. Die vollständige Siri-AI-Beta folgt später im Jahr. Wichtiger Dämpfer: In der EU und China wird der Dienst zum Start nicht verfügbar sein – vermutlich eine Folge der regulatorischen Unsicherheiten in Europa.
Führungswechsel zum Herbst
Die WWDC war auch die Bühne für einen personellen Neuanfang. John Ternus übernimmt im September 2026 den CEO-Posten – zeitgleich mit der erwarteten öffentlichen Veröffentlichung von iOS 27 und der nächsten iPhone-Generation.
Branchenbeobachter zeigen sich beeindruckt von der technischen Tiefe der Updates. Doch die entscheidende Frage bleibt: Wie will Apple mit diesen KI-Funktionen Geld verdienen? Für den neuen CEO wird die langfristige Monetarisierung zur strategischen Bewährungsprobe.

