Apple-Chef Tim Cook und EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen trafen sich Ende Juni zu einem Krisengespräch – doch eine Einigung bleibt aus. Die Folge: Hunderttausende europäische iPhone-Nutzer warten weiterhin vergeblich auf die neue Siri-KI.
Das Treffen am 30. Juni 2024 verlief nach offiziellen Angaben konstruktiv, brachte aber keinen Durchbruch. Während Apples KI-Funktionen auf dem Mac und der Vision Pro noch in diesem Jahr in der EU starten sollen, bleiben sie auf iPhones und iPads blockiert. Der Grund: ein erbitterter Streit um den Digital Markets Act (DMA) der Europäischen Union.
Zwei Klassen von Apple-Nutzern in Europa
Die am 2. Juli auf der WWDC26 vorgestellte nächste Software-Generation offenbart eine kuriose Spaltung. Auf den deutschen Produktseiten, die Apple am 1. Juli aktualisierte, heißt es: Siri AI kommt mit macOS 27 und visionOS 27 im Herbst in die EU. Auf den Seiten für iOS 27 und iPadOS 27 fehlt der Hinweis komplett.
Der Grund liegt in den DMA-Regeln für sogenannte „Gatekeeper“-Plattformen. Apple argumentiert, dass die geforderte Interoperabilität bei iPhone und iPad ein Sicherheitsrisiko darstelle. Da macOS und visionOS nicht denselben strengen Auflagen unterliegen, kann Apple die KI dort ohne Einschränkungen ausrollen. Das neue macOS 27 mit dem Codenamen „Golden Gate“ soll Siri AI direkt in die Spotlight-Suche integrieren und mit einer transparenten „Liquid Glass“-Oberfläche daherkommen.
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Der Vorschlag, den Brüssel ablehnte
Apple schlug im Gespräch mit Virkkunen einen „Trusted System Agent“ vor – eine Art Zwischenschicht, die KI-Anfragen datenschutzsicher bearbeiten soll. Zudem forderte der Konzern eine 18-monatige Schonfrist, um die DMA-Vorgaben vollständig umzusetzen.
Die EU lehnte beide Vorschläge ab. Aus Brüsseler Behördenkreisen hieß es, eine solche Frist sei ein inakzeptabler „regulatory holiday“ – eine Auszeit von der Regulierung. Die Sorge: Würde Siri AI ohne Konkurrenzzugang starten, könnte Apple seine Dienste weiter festigen, bevor Wettbewerber überhaupt eine Chance bekommen. Die EU betont zudem, dass das Gesetz einen Start der Funktionen nicht verbiete – die Entscheidung, sie zurückzuhalten, liege allein bei Apple.
Milliarden auf dem Spiel
Der Streit hat handfeste wirtschaftliche Konsequenzen. Rund 27 Prozent des Apple-Umsatzes stammen aus Europa. Bei Verstößen gegen den DMA drohen Strafen von bis zu zehn Prozent des globalen Jahresumsatzes. Dass Brüssel ernst macht, zeigte bereits die 500-Millionen-Euro-Strafe gegen Apple im Zusammenhang mit App-Store-Praktiken.
Die politische Dimension wächst: Berichten zufolge hat das Weiße Haus unter dem damaligen Präsidenten Trump bereits Vergeltungszölle gegen die EU ins Spiel gebracht. In Europa wiederum sorgt die Verzögerung für Unmut – EU-Behörden meldeten Hunderte Verbraucherbeschwerden und sogar Drohungen nach der Bekanntgabe des Aufschubs.
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Führungswechsel als zusätzlicher Faktor
Die Regulierungskrise trifft Apple in einer Phase des Umbruchs. Tim Cook steht offenbar kurz vor seinem Rücktritt, als wahrscheinlichster Nachfolger gilt John Ternus. Mit der für September erwarteten Veröffentlichung von iOS 27 soll Siri AI in anderen Regionen auch Drittanbieter-Modelle wie Google Gemini und Claude unterstützen. Für europäische iPhone-Nutzer bleibt der Zeitplan für diese Funktionen völlig offen.

