Apple-Chef Tim Cook und EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen trafen sich am 30. Juni zu einem Krisengespräch – ohne Durchbruch.
Die virtuelle Unterredung verlief nach Angaben beider Seiten zwar konstruktiv, doch die Blockade bleibt bestehen. Rund 450 Millionen Nutzer in der Europäischen Union warten weiterhin vergeblich auf die fortschrittlichen KI-Funktionen von Siri auf iPhones und iPads. Grund ist der anhaltende Konflikt um den Digital Markets Act (DMA).
Der Kern des Streits: Sicherheit gegen Offenheit
Im Zentrum der Auseinandersetzung stehen die Interoperabilitätsvorgaben des DMA. Die EU-Kommission wirft Apple vor, diese nicht zu erfüllen. Der iPhone-Konzern argumentiert, die geforderte Öffnung seiner Systeme für Drittanbieter berge erhebliche Sicherheitsrisiken.
Apple schlug einen Kompromiss vor: die Einführung eines sogenannten Trusted System Agent sowie eine 18-monatige Übergangsfrist für den vollständigen Rollout. Die EU lehnte ab. Aus Brüsseler Kreisen heißt es, die Forderung nach einer Schonfrist sei nichts anderes als eine „inakzeptable regulatorische Auszeit“. Die Entscheidung, Siri AI nicht auf mobilen Geräten in der EU zu starten, liege allein bei Apple.
Es ist bereits das zweite Mal, dass der Konzern KI-Funktionen in Europa zurückhalten muss. Bereits 2024 gab es einen ähnlichen Stillstand bei Apple Intelligence.
Teil-Rollout auf anderen Plattformen
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Trotz der Blockade auf iPhones und iPads will Apple Siri AI auf anderen Geräten in Europa veröffentlichen. Die Funktion soll auf macOS 27, visionOS 27 und watchOS 27 erscheinen – diese Betriebssysteme unterliegen nicht denselben DMA-Beschränkungen wie iOS und iPadOS.
Für iPhone- und iPad-Nutzer in der EU bedeutet das: Das Update auf iOS 27 und iPadOS 27 im September 2026 kommt ohne die integrierte Siri-KI. Allerdings kündigte Apple an, Siri für KI-Assistenten von Drittanbietern wie Google Gemini und Claude zu öffnen – eine Premiere im iOS-Ökosystem.
Milliardenschwere Risiken und ein Führungswechsel
Der Konflikt hat handfeste wirtschaftliche Konsequenzen. Der europäische Markt machte im vergangenen Geschäftsjahr rund 27 Prozent des Apple-Umsatzes aus und umfasst etwa 15 Prozent der weltweit installierten Geräte. Verstöße gegen den DMA können die EU-Kommission mit Strafen von bis zu zehn Prozent des globalen Jahresumsatzes belegen. Apple steht bereits unter Druck: Erst kürzlich verhängte die EU eine 500-Millionen-Euro-Strafe wegen Verstößen im App Store.
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Die Gespräche finden zu einem brisanten Zeitpunkt statt. Tim Cook wird am 1. September 2026 als Apple-CEO zurücktreten, John Ternus soll die Nachfolge antreten. Dass Cook persönlich in die Verhandlungen eingriff, werten Beobachter als Zeichen für den hohen Druck, den Konflikt noch vor dem Führungswechsel zu lösen.
Auch das Weiße Haus beobachtet die Entwicklung mit Argusaugen. Berichten zufolge erwägt die US-Regierung Vergeltungszölle als Reaktion auf die EU-Regulierungspolitik gegen amerikanische Technologiekonzerne.

