Slack wird KI-Betriebssystem: Agenten arbeiten in Kanälen

Salesforce verknüpft Slack enger mit KI-Agenten, CRM-Daten und Cloud-Diensten. Die Nutzung steigt, während neue Modelle und Funktionen folgen.

Slack wandelt sich von einer reinen Kommunikationsplattform zu einem KI-basierten Work Operating System. Ziel der Entwicklung ist es, Teams direkt in ihren bestehenden Arbeitskanälen mit autonomen Software-Agenten zusammenarbeiten zu lassen. Damit rückt die direkte Interaktion zwischen menschlichen Beschäftigten und künstlicher Intelligenz in den Mittelpunkt des Arbeitsalltags.

Direkte Steuerung von Geschäftsdaten in Kommunikationskanälen

Kern dieser Ausrichtung ist die tiefere Verzahnung mit dem Mutterkonzern Salesforce. Mit neu vorgestellten Werkzeugen wie Slackforce Surfaces können Beschäftigte über den Slackbot mittels natürlicher Sprache Live-Dashboards und Berichte direkt auf der Oberfläche erstellen, die sich automatisch aktualisieren.

Salesforce-Mitgründer Parker Harris stellte dazu in Aussicht, dass sich Anwender in Zukunft möglicherweise gar nicht mehr separat bei Salesforce anmelden müssten, da Daten und Workflows direkt in der Kommunikationsumgebung bereitstehen.

Bereits am 15. September 2026 stellte Salesforce auf der Dreamforce die Initiative AIforce vor, die den Zugriff auf CRM-Funktionen über den Assistenten Claude, Slack und die Salesforce-Lightning-Oberfläche bündelt. Dazu zählt Claudeforce in einer Beta-Version mit 37 vordefinierten Vertriebsfertigkeiten sowie Slackforce für die CRM-Datenabfrage.

Nach Angaben des Softwarekonzerns verzeichnete der Agentforce Coworker innerhalb von 35 Tagen 100.000 Aktivierungen. Ein praktisches Anwendungsbeispiel liefert die Fulton Bank, die ihren Einsatz von null auf mehr als 20 Produktionsfälle für rund 3.000 Nutzer ausbaute.

Partnerschaften für Rechenmodelle und Cloud-Infrastruktur

Für die technologische Basis stützt sich Salesforce auf Kooperationen mit großen Infrastrukturanbietern. Am 15. September 2026 präsentierten Salesforce und NVIDIA das Modell Koa, das als erstes CRM-Reasoning-Modell des Softwarekonzerns auf NVIDIAs Modell Nemotron 3 Super aufbaut.

Das Nachtraining erfolgte mit einem synthetischen Datensatz aus fast drei Jahrzehnten CRM-Einführungen über mehr als 14 Branchen hinweg. Laut Rohan Kumar von Salesforce wurde dabei kein einziges Byte an Kundendaten verwendet. Interne Tests über den Salesforce CRM Bench ergaben dreifach weniger Fehler als bei führenden Allzweckmodellen.

Eine Kunden-Pilotphase startet im Oktober in Agentforce, unter anderem mit Formula 1, UChicago Medicine, Baxter Credit Union, 1-800Accountant, Engine und Xero. Die allgemeine Verfügbarkeit in den USA ist für den Winter 2026 vorgesehen. NVIDIA-Chef Huang verwies darauf, dass der Marktanteil offener Modelle von rund 30 % auf etwa 70 % gestiegen sei.

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Zusätzlich vertiefen Salesforce und Amazon Web Services ihre Zusammenarbeit. Vereinbart wurde eine Zero-Copy-Integration für AWS-Datenformate wie Iceberg, Glue, S3, Aurora, RDS und das SageMaker Lakehouse. Zudem erscheinen Salesforce-Daten in Amazon Quick und AWS-Agenten in Slack.

Über Amazon Bedrock bindet Agentforce Modelle von Anthropic sowie NVIDIA ein, während OpenAI folgen soll. Für den Herbst 2026 sind spezialisierte Sicherheits- und Finanzagenten sowie Sprachfunktionen über den Dienst Amazon Connect geplant.

Wachsende Nutzung und wirtschaftlicher Rahmen

Innerhalb des Konzerns fungiert Slack seit drei Monaten gezielt als Knotenpunkt für KI-Agenten, wie Vertriebsleiterin Alexa Vignone gegenüber dem US-Sender CNBC darlegte. Dies spiegelt sich in den Betriebszahlen wider: Die Zahl der Slackbot-Nutzer stieg im Vergleich zum Vorquartal um 150 %. Zudem verzeichnete Slack das schnellste Quartalswachstum bei neuen Jahresaufträgen seit der 27,1 Milliarden US-Dollar schweren Übernahme im Jahr 2021.

Auf Konzernebene wurden im zweiten Quartal 3,2 Milliarden sogenannte Agentic Work Units abgewickelt, was einem Anstieg von 97 % gegenüber dem ersten Quartal entspricht. Die Beteiligung an Anthropic steuerte einen Gewinn von 2,6 Milliarden US-Dollar bei, was 2,53 US-Dollar zum bereinigten Quartalsgewinn je Aktie von 5,90 US-Dollar beitrug.

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Informatica brachte 456 Millionen US-Dollar zum Quartalsumsatz von 11,3 Milliarden US-Dollar ein; ohne diesen Zukauf lag das organische Umsatzwachstum bei rund 6 % statt 11 %. Das Umsatzziel von 63 Milliarden US-Dollar für das Geschäftsjahr 2030 bestätigte das Management. Für Oktober wird zudem ein Aktienrückkauf über 25 Milliarden US-Dollar erwartet.

Auch im Marktvergleich versucht sich die Plattform über den Preis zu positionieren. Die Einstiegstarife für Unternehmens-Chatbots zeigen erhebliche Unterschiede: Während Slack ab 7,25 US-dollar pro Nutzer und Monat startet, verlangt Microsoft für Copilot for M365 ab 23,50 US-Dollar.

Google liegt mit Gemini Enterprise bei 21 US-Dollar, während ChatGPT Enterprise Business, Claude Enterprise Team sowie Notion Enterprise jeweils ab 20 US-Dollar pro Nutzer und Monat angesetzt sind. Zapier Professional schlägt mit monatlich ab 19,99 US-Dollar zu Buche.

An den Finanzmärkten schloss die Salesforce-Aktie nach den jüngsten Konferenzvorstellungen am 16. September bei 250,54 US-Dollar und am 18. September bei 237,92 US-Dollar, womit sich der Börsenwert auf rund 198 Milliarden US-Dollar belief. Der Konsens von 56 Analysten stuft das Papier mit einer Kaufempfehlung und einem durchschnittlichen Kursziel von 275,87 US-Dollar ein.