Sleepmaxxing: Wie Schlaftracker den Druck auf die Nachtruhe erhöhen

Fachleute warnen vor zusätzlichem Schlafdruck durch Tracker; deren Messwerte sind Schätzungen und ersetzen keine medizinische Diagnostik.

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Der Trend zur technischen Selbstoptimierung der Nachtruhe, im englischen Sprachraum als Sleepmaxxing bekannt, kann die Schlafqualität paradoxerweise verschlechtern. Vor diesem Effekt warnen Fachleute und Schlafforscher laut Medienberichten.

Immer mehr Menschen versuchen, ihren Schlaf mithilfe von Wearables, Ringen, Schlaftrackern und smarten Matratzen bis ins Detail zu kontrollieren. Doch der Versuch, Schlafwerte mit technischen Gadgets zu perfektionieren, verwandelt die Erholung zunehmend in eine messbare Leistung und kann Ängste sowie Schlafprobleme verstärken.

Der Druck messbarer Schlafwerte

Moderne Verbrauchergeräte erfassen eine Vielzahl physiologischer Parameter: Neben Schlafdauer und Schlafkontinuität messen Wearables, Ringe und smarte Matratzen auch Herzfrequenz, Herzratenvariabilität (HRV), Körpertemperatur sowie teilweise Atemmuster und Sauerstoffsättigung. Sogenannte Recovery-Scores fassen diese Daten zusammen und kombinieren meist Aspekte aus Schlaf, Aktivität und Physiologie.

Schlafforscher kritisieren jedoch, dass dieses verbissene Optimieren von Werten die Betroffenen zusätzlich beunruhigen und ihnen die eigentliche Ruhe rauben kann. In Fachkreisen wird die übermäßige Fixierung auf perfekten Schlaf als Orthosomnie bezeichnet.

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In Großbritannien ist dieses Phänomen bislang keine offiziell anerkannte Erkrankung. Nach Einschätzung der Schlafmedizinerin Alanna Hare handelt es sich bei den ausgegebenen Schlafscores nicht um wissenschaftlich anerkannte Messwerte, sondern lediglich um Werte der jeweiligen Hersteller.

Dass bereits die bloße Anzeige eines Wertes das Wohlbefinden beeinflusst, zeigte eine Untersuchung der Universität Oxford. In der Studie wurden zufällig generierte Schlafscores vergeben. Das Ergebnis: Probanden, denen ein vermeintlich schlechter Schlaf angezeigt wurde, fühlten sich am folgenden Tag tatsächlich müder und waren weniger aufmerksam.

Zwischen Schätzungen und medizinischer Diagnostik

Ein grundlegendes Problem handelsüblicher Schlaftracker liegt in ihrer Aussagekraft. Verbrauchergeräte liefern Schätzungen und können keine medizinischen Diagnosen stellen. So erfüllen manche der auf dem Markt boomenden Schlafgeräte und Anwendungen keine Wirksamkeitsstandards der US-Arzneimittelbehörde FDA. Ursachen für Schlafstörungen wie Schlafapnoe oder Herzrhythmusstörungen lassen sich durch diese Produkte nicht diagnostizieren.

Auch die Zuverlässigkeit der Sensoren steht in der Kritik: Vor einem Gericht in San Francisco wurde Klage gegen den Hersteller Oura eingereicht. Darin wird behauptet, die Schätzung von Schlafqualität und Schlafphasen erreiche lediglich die Genauigkeit eines Münzwurfs. Das Unternehmen weist diese Vorwürfe zurück.

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Parallel dazu drängen spezialisierte Entspannungsprodukte in den Markt. Das Gerät Nurosym etwa stimuliert den Vagusnerv. Studien berichten bei bestimmten Populationen über eine verringerte depressive Stimmung sowie eine höhere HRV, wobei die individuelle Wirkung variieren kann.

Die Einstufung des Geräts durch die FDA als Produkt mit nicht signifikantem Risiko stellt jedoch weder eine formelle Zulassung noch einen Wirksamkeitsnachweis dar.

Ein weiteres Produkt namens Moonbird wurde in einer qualitativen Untersuchung mit 6 Personen über einen Zeitraum von einem Monat ergänzend zu einer kognitiven Verhaltenstherapie eingesetzt; die Teilnehmenden berichteten dabei von besserer Entspannung, Emotionsregulation und verbessertem Schlaf.

Um eine schädliche Fixierung zu vermeiden, raten Berichte dazu, bei Wearables eher längerfristige Trends anstelle einzelner Tageswerte zu beobachten. Bei auffälligen Messwerten oder anhaltender Erschöpfung wird empfohlen, ärztlichen Rat einzuholen, anstatt sich allein auf Schätzungen technischer Geräte zu verlassen.