Innerhalb weniger Tage sind mehrere neue und aktualisierte Anwendungen für Apple-Smartphones erschienen, die Nutzer vor Kamerabrillen in ihrer unmittelbaren Umgebung warnen sollen.
Die Programme AntiZuck, Spectre, Spex und Smart Glass Finder versprechen, entsprechende Datenbrillen im Umfeld aufzuspüren. Allerdings weisen die Entwickler selbst darauf hin, dass keine der Anwendungen feststellen kann, ob eine Kamera tatsächlich aktiv Daten aufzeichnet oder streamt.
Wie aus Branchenberichten hervorgeht, schloss die Veröffentlichung der Version 1.1.0 von AntiZuck am 1. Oktober eine viertägige Phase ab, in der alle vier Programme neu auf den Markt kamen oder signifikante Aktualisierungen erhielten. Bereits am 28. September waren die Erstversionen 1.0 von Spex und Smart Glass Finder sowie die Version 2.5 von Spectre des Anbieters 6tSevn BV freigegeben worden.
Passive Bluetooth-Erkennung ohne Funktionskontrolle
Die Erkennungsmethode aller vier Anwendungen basiert auf dem passiven Abhören von Bluetooth-Signalen. Die Apps scannen nach sogenannten Advertisement-Daten im Nahbereich, ohne dass eine Koppelung mit den fremden Geräten erforderlich ist. Dabei vergleichen sie Hersteller-Identifikationsnummern, spezifische Dienstkennungen sowie Namensmuster.
Spectre in Version 2.5 identifiziert unter anderem Modelle wie Ray-Ban-Meta oder Oakley-Meta anhand dieser Übertragungsdaten und verhindert, dass rotierende Bluetooth-Adressen fälschlicherweise als Duplikate gelistet werden. Die App umfasst eine Liste von 19 erkannten Marken. Bei Spex sind es neun Marken, während AntiZuck vier Marken führt.
Die Grenzen der Technologie liegen jedoch im Funktionsprinzip begründet. Der Eintrag von Spex im App Store weist ausdrücklich darauf hin, dass die Software weder Aufnahmen noch Livestreams erkennen kann.
Ein nahezu identischer Hinweis findet sich bei Smart Glass Finder, wo klargestellt wird, dass eine Aufzeichnung durch die Kamera technisch nicht erfassbar ist. Die Entwickler von AntiZuck bezeichnen die Zuverlässigkeit ihrer Erkennung wiederum als reines Best-Effort-Verfahren. Unabhängige Überprüfungen der Erkennungsraten liegen für keines der Programme vor.
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Kompatibilität, Kosten und technische Hürden
Bei den Systemvoraussetzungen verlangen Spex und AntiZuck mindestens iOS 18, während Smart Glass Finder iOS 18.2 voraussetzt. Für Spectre wird im App Store iOS 26 ausgewiesen.
Die Bezahlmodelle variieren im US-App-Store: AntiZuck Pro kostet 9,99 US-Dollar bei einmaliger Zahlung, alternativ 8,99 US-Dollar pro Jahr oder 2,99 US-Dollar pro Monat. Spectre Pro ist für 0,99 US-Dollar im Monat oder 4,99 US-Dollar im Jahr erhältlich. Spex Pro verlangt einen Einmalkauf von 3,99 US-Dollar.
Das Problem potenzieller Fehlsignale verdeutlicht auch das Open-Source-Projekt Nearby Glasses, das am 3. Oktober dokumentiert wurde. Die Anwendung sucht anhand definierter Kriterien wie Bluetooth-Hersteller-IDs – darunter Kennungen für Meta, EssilorLuxottica, Snap und Zhuhai Jieli – sowie fester Dienstkennungen und Begriffen im Gerätenamen nach Brillen. Da jedoch auch Virtual-Reality-Headsets desselben Herstellers identische Hersteller-IDs nutzen, sind Fehlalarme systembedingt kaum zu vermeiden.
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Die Signalstärke dient dabei als grober Richtwert für die Distanz: Werte von -60 dBm entsprechen etwa ein bis drei Metern, während Signale bei -75 dBm im Außenbereich eine Distanz von 10 bis 15 Metern und in Innenräumen von 3 bis 10 Metern anzeigen. Auch hier wird lediglich die Präsenz von Funkmodulen erfasst, nicht das optische Gerät oder dessen Betriebszustand.
Zurückhaltung auf politischer Ebene
Die Debatte über den Schutz der Privatsphäre im öffentlichen Raum gewinnt durch die Verbreitung unauffälliger Smart Glasses zwar an Relevanz, behördliche Vorgaben bleiben jedoch lückenhaft. In den USA legte der Gouverneur von Kalifornien ein Veto gegen einen Gesetzentwurf ein, der gut sichtbare Aufnahmeleuchten an solchen Geräten verbindlich vorgeschrieben hätte.
Auch in Europa zeigen sich Regierungen zurückhaltend: So lehnte die niederländische Regierung zuletzt spezifische Designregeln für Kamerabrillen ab. Solange verbindliche Hardware-Signale fehlen, bleibt Anwendern nur der Verlass auf Näherungs-Apps, deren Nutzen durch die fehlende Aufnahmeerkennung stark eingeschränkt bleibt.

