Angesichts zunehmender Verbreitung von Smart Glasses prüfen zahlreiche öffentliche Einrichtungen weltweit Nutzungsverbote oder haben bereits strikte Beschränkungen erlassen. Im Fokus der Behörden und Institutionen stehen dabei vor allem Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes und der Gefahr diskreter Foto- und Videoaufnahmen im öffentlichen Raum sowie in sensiblen Bereichen.
Kommunale und schulische Einschränkungen nehmen zu
In Westaustralien reagierte der Stadtrat von Wanneroo laut Berichten vom 25. September 2026 auf die technologische Entwicklung. Das Gremium beschloss in der Vorwoche einstimmig, strengere Regeln für nicht genehmigte Bild- und Tonaufnahmen in betreuten Gemeinschaftseinrichtungen prüfen zu lassen.
Die Stadtverwaltung empfahl hierbei, primär die Aufnahmeaktivitäten anstatt der Geräte selbst zu regulieren. Ein entsprechender Bericht zu den Datenschutzanforderungen soll bis März 2027 vorgelegt werden.
Parallel dazu kündigte die Regierung von Westaustralien ein Verbot von Smart Glasses an öffentlichen Schulen an, das mit Beginn des vierten Quartals („Term 4“) in Kraft treten soll. Auch in anderen Regionen Australiens, wie Brisbane, Yarra und Canterbury-Bankstown, wurden bereits Beschränkungen eingeführt. In Canterbury-Bankstown gilt seit diesem Monat ein Verbot in fünf kommunalen Freizeit- und Schwimmbädern.
Ähnliche Maßnahmen sind in Nordamerika und Europa zu beobachten. Die Johnston Heights Secondary School in Surrey untersagte die Nutzung der Brillen und begründete dies mit erheblichen Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre und der Integrität bei Prüfungen. Entdeckte Geräte werden dort eingezogen.
Die Stadt Oslo verbot den Beschäftigten kommunaler Kindergärten die Nutzung von Smart- und KI-Brillen, selbst wenn die Aufnahmefunktion ausgeschaltet ist. Die zuständige Bildungsstadträtin Julie Remen Midtgarden forderte in diesem Zusammenhang ein nationales Verbot, um die Sicherheit von Kindern zu gewährleisten.
Wirtschaftliche Interessen und rechtliche Einordnung
Neben dem öffentlichen Sektor reagiert auch die Privatwirtschaft. Der Veranstalter WorldGaming untersagte auf den Branchenmessen ICE und iGB Affiliate Barcelona die Nutzung von Meta Glasses und ähnlichen tragbaren Geräten.
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Hintergrund seien Sorgen der Aussteller vor der Verletzung geistigen Eigentums und dem unbefugten Kopieren von Funktionen und Designs. Bereits im August 2026 hatte die britische Pubkette JD Wetherspoon ein Verbot in mehr als 800 Lokalen angekündigt.
In Deutschland befasste sich die Datenschutzkonferenz (DSK) mit der rechtlichen Einordnung. Die Experten halten Träger von Smart Glasses für datenschutzrechtlich verantwortlich, sofern Aufnahmen außerhalb des rein persönlichen Umfelds stattfinden. In diesem Fall finde die DSGVO auch auf Privatpersonen Anwendung.
Die DSK betonte, dass ein Aufnahmelicht (LED) nicht als ausreichende Information für Betroffene genüge; zudem sei KI-Training mit solchem Bildmaterial meist ohne Rechtsgrundlage. Eine Umfrage zeigt die Relevanz dieser Einschätzung: Demnach erkennen 61 % der Befragten in Deutschland das weiße Aufnahmelicht nicht als Signal für eine laufende Aufnahme.
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Marktwachstum und Reaktionen der Hersteller
Trotz der regulatorischen Hürden verzeichnet der Markt für Smart Glasses ein massives Wachstum. Laut Daten von Counterpoint Research stiegen die Auslieferungen im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahr um 263 %.
Meta dominiert diesen Sektor laut Analysten mit einem Marktanteil von rund 94 %. IDC prognosticierte für das Gesamtjahr 2026 ein Wachstum auf 13 Millionen Geräte und bis 2030 nahezu 25 Millionen Einheiten.
Der Hersteller Meta reagierte auf die Kritik und die Manipulationsmöglichkeiten der Geräte. Mark Zuckerberg erklärte gegenüber NBC News, dass das Unternehmen Schutzmaßnahmen gegen heimliche Aufnahmen stärker hervorheben wolle. Eine aktualisierte Firmware soll Videoaufnahmen verhindern, wenn die Aufnahme-LED verdeckt oder manipuliert wurde. Laut Unternehmensangaben wurden weltweit weniger als 0,1 % der Fassungen physisch manipuliert.
Als Alternative zu den kamerabasierten Modellen stellte Meta die „Ray-Ban Meta Audio“ vor, eine kamerafreie Brille für Telefonie und Musik, die ab dem 13. Oktober 2026 in 14 europäischen Märkten starten soll.
Gleichzeitig kommt die dritte Generation der Kamera-Brille mit 12-Megapixel-Kamera für 449 Euro in Europa auf den Markt. Auch andere Anbieter wie Snap besetzen das Segment, wobei deren Modelle preislich mit 2.195 US-Dollar deutlich höher angesiedelt sind.

