Smart Power Fab: Infineon öffnet 5-Milliarden-Fabrik drei Monate früher

Infineon nimmt sein Smart Power Fab in Dresden drei Monate vor dem Zeitplan in Betrieb. Die Fabrik soll den KI-Boom bedienen und die Halbleiterproduktion in Europa stärken.

Juli 2026 in Betrieb – drei Monate früher als ursprünglich vorgesehen. Mit Investitionen von rund fünf Milliarden Euro handelt es sich um die größte Einzelinvestition der Unternehmensgeschichte.

Das Vorzeigeprojekt des EU-Chips-Gesetzes wird mit rund einer Milliarde Euro an öffentlichen Zuschüssen gefördert. Die Fabrik soll den boomenden Bedarf an Leistungshalbleitern decken – angetrieben durch Künstliche Intelligenz, Elektromobilität und erneuerbare Energien.

Strategische Kapazitäten für KI-Infrastruktur

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Die neue Anlage spezialisiert sich auf die Produktion von Leistungschips auf 300-Millimeter-Wafern. Diese Komponenten sind essenziell für die Stromversorgung in Hochleistungsumgebungen, insbesondere in KI-Rechenzentren. Infineon-COO Alexander Gorski prognostiziert, dass sich der Stromverbrauch in KI-Rechenzentren bis 2030 im Vergleich zu heute verdoppeln wird.

Das Werk verdoppelt Infineons Produktionskapazität in Dresden und wird vollständig mit Grünstrom betrieben. Bei voller Auslastung entstehen rund 1.000 direkte Arbeitsplätze. Der Standort soll jährlich etwa fünf Milliarden Euro zum Konzernumsatz beitragen.

Die Finanzprognosen zeigen eine deutliche Verschiebung hin zum KI-Geschäft: Der Umsatz im Rechenzentrumssegment soll von 1,5 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2026 auf 2,5 Milliarden Euro im Jahr 2027 steigen. Analysten der Bank of America sehen in der Fabrik einen entscheidenden Wachstumstreiber und haben ihre KI-Umsatzprognose für Infineon für 2028 auf 4,5 Milliarden Euro angehoben.

Europas Halbleitersouveränität

Der Ausbau in Dresden passt perfekt zu den Zielen der EU, die heimische Chip-Produktion zu stärken. Das EU-Chips-Gesetz will den europäischen Anteil am globalen Halbleitermarkt bis 2030 auf 20 Prozent verdoppeln.

Die Region Dresden, bekannt als „Silicon Saxony“, erlebt derzeit gleich mehrere Entwicklungen in der heimischen Lieferkette. Erst kürzlich haben GlobalFoundries und das niederländische Startup Qualinx die erste vollständig europäische Fertigungskette für sicherheitskritische Chips in der Stadt abgeschlossen. Mit GlobalFoundries‘ FDX-Technologie entstanden Chips für Luftfahrt und kritische Infrastruktur, ohne dass sensible Daten die EU verließen. Ab 2027 will GlobalFoundries diesen vertrauenswürdigen Produktionsablauf weiteren Kunden anbieten.

Branchenverbände wie Silicon Saxony begrüßen diese Entwicklungen, fordern aber weitere Unterstützung. In Diskussionen um ein mögliches „EU-Chips-Gesetz 2.0“ wird ein eigenes Halbleiter-Budget von mindestens 20 Milliarden Euro im Europäischen Wettbewerbsfonds gefordert – für Spezialmaterialien und Chipdesign.

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Unternehmensentwicklung und Marktreaktion

Die Ausweitung der Produktion erfolgt vor dem Hintergrund veränderter Investorenpositionen. Laut einer regulatorischen Meldung vom 4. Juni 2026 hält die Goldman Sachs Group insgesamt 3,90 Prozent an Infineon Technologies – davon 0,93 Prozent als direkte Stimmrechte und 2,97 Prozent über Finanzinstrumente.

Nach der Ankündigung der vorzeitigen Eröffnung legte die Infineon-Aktie um 2,6 Prozent auf 77,06 Euro zu. Konzernchef Jochen Hanebeck betonte, dass der Baufortschritt das Unternehmen in eine hervorragende Position bringe, um von den massiven Investitionen der „Hyperscale“-Rechenzentrumsbetreiber zu profitieren. Diese Investitionen sollen 2026 weltweit die Marke von 700 Milliarden Dollar überschreiten.