Experten warnen vor gefährlichen Irrtümern beim Umgang mit beschädigten Lithium-Ionen-Akkus, darunter das angebliche Einfrieren defekter Energiespeicher, und weisen auf verbindliche Sicherheitsprotokolle hin. Durch fehlerhafte Handhabung, ungeeignete Reparaturversuche oder falsche Entsorgung steigt das Risiko von Bränden und chemischen Reaktionen bei Mobilgeräten erheblich.
Ursachen und typische Warnsignale
Aufgeblähte Lithium-Ionen-Akkus entstehen meist durch Ausgasungen infolge von Überladung, mechanischer Beschädigung oder Alterungsprozessen. Fachleute weisen auf mehrere deutliche Anzeichen hin, die auf einen Defekt hindeuten.
Dazu gehören sich ablösende Bildschirme, gewölbte Gehäuserückseiten, wackelnde Geräte auf ebenen Flächen oder Spalten an den Kanten. Auch eine ungewöhnliche Hitzeentwicklung, Zisch- oder Pfeifgeräusche sowie wahrnehmbare Gerüche signalisieren ernste Probleme.
Bei speziellen Geräten wie dem iPhone können zudem ein verschwommener weißer Bildschirm, ein nachgebendes Display oder eine sichtbar rundliche Akkuummantelung auftreten. Experten raten dazu, verdächtige Dämpfe allenfalls vorsichtig mit der Hand zuzufächeln, anstatt direkt daran zu riechen.
Verhaltensregeln bei akuter Gefahr
Besteht der Verdacht auf eine Verformung oder Ausgasung, müssen das Laden und die Nutzung des Smartphones unverzüglich gestoppt werden. Betroffene Einheiten dürfen keinesfalls gedrückt, gebogen, flachgedrückt oder mit spitzen Gegenständen angestochen werden. Reparaturversuche am Tresen oder daheim gelten bei geschwollenen Komponenten als unzulässig; stattdessen ist das Gerät an qualifizierte Fachkräfte oder den Hersteller zu übergeben.
Sollten Rauch, Zischen oder extreme Hitze auftreten, müssen anwesende Personen den Gefahrenbereich sofort verlassen. Für den Notfall ist die Feuerwehr zu alarmieren. Geräte, von denen ein Brandrisiko ausgeht, gehören vor dem Transport in einen feuerfesten Behälter oder ein Gefäß mit Sand.
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Hohe Sicherheitsanforderungen bei Selbstreparaturen
Für geplante Reparaturen gelten strenge Schutzmaßnahmen. So empfehlen Reparaturplattformen, den Akku vor Arbeiten nahezu vollständig auf 0 % oder bei bestimmten Modellen wie Samsung-Geräten auf unter 25 % zu entladen, um die Entzündungsgefahr bei versehentlichen Beschädigungen zu minimieren.
Arbeitsplätze sollten gut belüftet sein und über nicht brennbare Unterlagen verfügen. Zudem werden Vollschutzbrillen, hitzebeständige Handschuhe und ein bereiter Eimer Sand empfohlen. Wasser darf keinesfalls mit beschädigten Lithium-Ionen-Zellen in Berührung kommen.
Für das Lösen verklebter Bauteile dürfen ausschließlich nichtleitende Kunststoffwerkzeuge verwendet werden. Metallische Gegenstände bergen die Gefahr von Kurzschlüssen und Punktierungen. Gehäusekleber wird am Rand punktuell für etwa 2 bis 3 Minuten auf 80 °C (176 °F) erwärmt, wobei die Oberflächentemperatur idealerweise mit einem Infrarotthermometer kontrolliert wird.
Entflammbare Lösungsmittel wie 90 % Isopropylalkohol sind äußerst sparsam einzusetzen. Tritt Widerstand auf oder ist der Akku bereits deformiert, sind mechanische Hebelversuche sofort einzustellen.
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Brandgefahren im Müllkreislauf und Entsorgungspflichten
Falsch entsorgte Energiespeicher führen weltweit zu massiven Problemen in der Entsorgungswirtschaft. Nach einer Analyse von Compare and Recycle stieg die Zahl der Brände durch Lithium-Ionen-Akkus in britischen Müllfahrzeugen und Abfallanlagen zwischen 2019 und 2025 um 475 %.
Rund ein Fünftel der dort Befragten gab an, Altgeräte bereits über den normalen Hausmüll oder die Recyclingtonne entsorgt zu haben. Über die Hälfte der Teilnehmenden erhielt nach eigenen Angaben nie klare Entsorgungshinweise, obwohl die Beseitigung über den Hausmüll in Großbritannien nach den dortigen Vorschriften unzulässig ist.
In den USA zählen diese Akkus ebenfalls zu den Hauptursachen für Fahrzeugbrände in der Entsorgung; 2017 gingen in Kalifornien 65 % aller Brände auf Mülldeponien auf Lithium-Ionen-Akkus zurück. Die Canadian Association of Fire Chiefs registrierte in den vergangenen drei Jahren über 600 Gemeinden, die zu Einsätzen wegen brennender Lithium-Ionen-Batterien ausrücken mussten.
In Deutschland besteht eine strikte gesetzliche Pflicht zur getrennten Rückgabe; die Entsorgung über den Restmüll ist verboten. Intakte Altbatterien können mit abgeklebten Kontakten in Sammelboxen im Handel abgegeben werden.
Deformierte, aufgeblähte oder ausgelaufene Akkus müssen hingegen unverzüglich zu einem Wertstoffhof gebracht werden, wo sie gesondert gemeldet und in Sicherheitsbehältern gelagert werden. Für eine sichere Lagerung im Haushalt raten Brandschutzbehörden dazu, Akkus trocken, bei Raumtemperatur und mit einem Ladestand von rund 50 % aufzubewahren sowie Ladevorgänge bei Minusgraden zu vermeiden.

