In Indien leeren Kriminelle zunehmend Bankkonten über manipulierte Smartphones. Allein in der Region Bhopal wurden in den vergangenen zwei Monaten rund 65 Fälle gemeldet, bei denen Handys der Opfer scheinbar grundlos neu starteten oder abstürzten – kurz darauf waren die Konten leer.
Manipulierte Apps und erzwungene Neustarts
Die Täter nutzen nach Erkenntnissen der Cyberpolizei bösartige Links oder manipulierte Installationsdateien (APKs), um Fernzugriff auf die Geräte zu erlangen. Ein Betroffener aus Shujalpur berichtete, sein Telefon habe sich zunächst aufgehängt und sei dann heruntergefahren. Nach der Reparatur stellte er fest: Rund 254.000 Rupien fehlten von seinen zwei Bankkonten.
Ähnliche Fälle gab es Ende Juli in Bhopal, mit Verlusten von über 80.000 Rupien pro Opfer. Ein Unternehmer aus Chhatrapati Sambhajinagar verlor sogar fast eine Million Rupien – ausgelöst durch eine als Wasserrechnung getarnte APK-Datei. Die Ermittler vermuten: Die erzwungenen Neustarts sollen die Opfer während der Transaktionen vom Gerät fernhalten oder Sicherheitsmechanismen aushebeln.
Banken planen „Ja/Nein“-Abfrage bei UPI-Zahlungen
Die Schadenssummen steigen rasant. Laut Regierungsdaten wuchs die Zahl der digitalen Betrugsfälle von 2,6 Lakh im Jahr 2021 auf 28 Lakh im Jahr 2025. Indische Banken reagieren nun mit einem Vorschlag an die Zentralbank: eine verpflichtende „Ja/Nein“-Bestätigung auf dem Bildschirm vor verdächtigen Zahlungen.
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Greifen soll das System bei Transaktionen über 10.000 Rupien, ungewöhnlichem Nutzerverhalten oder nächtlichen Überweisungen an unbekannte Empfänger. Reagiert der Nutzer nicht, könnte die Zahlung um eine Stunde verzögert werden – genug Zeit für eine Stornierung.
KI-Phishing und manipulierte WLAN-Hotspots
Der Anstieg ist kein rein indisches Phänomen. KI-gesteuerte Phishing-Angriffe auf Mobilgeräte haben seit Januar 2025 um rund 380 Prozent zugenommen. Mittlerweile basieren schätzungsweise 86 Prozent aller Phishing-Angriffe auf KI-generierten Elementen, und Spyware findet sich auf fast jedem zehnten Gerät.
Parallel dazu warnt die IT-Sicherheitsbranche vor der Kampagne „CaptiveCrunch“ eines russischen Akteurs. Dabei manipuliert er WLAN-Zugänge in Hotels, fälscht DNS-Einträge und leitet Nutzer auf präparierte Microsoft-365-Seiten um. Innerhalb von vier Wochen registrierten Experten sieben Millionen Phishing-Angriffe.
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Patches und Prävention
Die Industrie liefert Gegenmittel: Der aktuelle Samsung-Sicherheitspatch für August behebt 56 Schwachstellen, darunter kritische Lücken im Weaver-System sowie in Kontakten und Nachrichten-Diensten.
Sicherheitsbehörden raten zudem zur Vorsicht bei öffentlichen Netzwerken und dem Versand von Dokumenten über Messenger. Ein Fall aus Mutterstadt zeigt die Gefahr: Ein Nutzer schickte persönliche Unterlagen für einen vermeintlichen Kreditantrag – kurz darauf wurden seine Gehaltszahlungen auf ein fremdes Konto umgeleitet. Experten empfehlen konsequente Zwei-Faktor-Authentifizierung und warnen davor, unaufgefordert zugesandte Links oder Apps zu öffnen.

