Die Professionalisierung der Cyberkriminalität durch Künstliche Intelligenz erreicht eine neue Stufe. Banken, Behörden und Privatpersonen geraten zunehmend ins Visier von Tätern, die Deepfakes, geklonte Stimmen und automatisierte Spear-Phishing-Kampagnen einsetzen.
Deepfake-Erpressung in Mainz
In Mainz versuchten Täter kürzlich, ein Opfer mit einem KI-generierten Video zu erpressen. Der Mann hatte eine Frau online kennengelernt, die im Laufe des Kontakts Geld forderte. Nach seiner Weigerung erhielt er ein Video – aufbereitet als fingierte Nachrichtensendung mit seinem eigenen Gesicht.
Die Täter drohten mit Veröffentlichung und einer Anzeige. Das Opfer zahlte nicht, sondern erstattete Anzeige bei der Polizei. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Mainz entstand kein finanzieller Schaden. Die Ermittler warnen vor der wachsenden Raffinesse solcher Maschen – von Love Scamming über Sextortion bis zu Schockanrufen mit geklonten Stimmen.
EZB fordert Aktionspläne von Banken
Der Finanzsektor verzeichnet eine deutliche Zunahme KI-basierter Angriffe. Laut der TrendAI-Studie meldeten 89 Prozent der Institute einen Anstieg solcher Vorfälle. Neue Methoden wie „Counter Incident Response“ zielen darauf ab, Sicherheitsteams bei der Reaktion gezielt zu stören. Rund 41 Prozent der Banken berichteten von destruktiven Angriffen.
Die Europäische Zentralbank reagiert: Sie fordert von den Instituten konkrete Aktionspläne bis Oktober 2026. Experten raten zu autonomen Sicherheitsfunktionen und KI-gestützten Abwehrsystemen, um mit der Geschwindigkeit der Angreifer mitzuhalten.
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BSI: Phishing bleibt größte digitale Bedrohung
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik stuft Phishing weiterhin als größte digitale Gefahr ein. Rund 90 Prozent aller Cyberangriffe werden auf diesem Weg eingeleitet. In den vergangenen Monaten gab es mehrere großflächige Kampagnen:
- Reisebranche: Booking.com-Kunden erhielten WhatsApp-Nachrichten mit Zahlungsaufforderungen. Täter nutzten kompromittierte Hotel-Extranet-Konten und echte Buchungsdaten.
- Gesundheitswesen: AOK-Versicherte wurden mit gefälschten E-Mails zum Austausch ihrer Gesundheitskarte aufgefordert.
- Behörden: Gefälschte Steuerbescheide des Bundeszentralamts für Steuern und betrügerische Nachrichten der Rentenversicherung kursieren vermehrt.
Auch mobile Geräte geraten stärker ins Visier. Im ersten Quartal 2026 registrierten Sicherheitsexperten rund 2,67 Millionen Schadsoftware-Angriffe auf Smartphones. Banking-Trojaner für Android legten um 56 Prozent zu.
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Millionen-Investitionen in KI-Abwehr
Die wachsende Bedrohung lockt Investoren. Das von den Ex-Google-Sicherheitsexperten Cy Khormaee und Ryan Luo gegründete Unternehmen AegisAI sicherte sich in einer Series-A-Runde 36 Millionen US-Dollar. Insgesamt verfügt die Firma nun über 49 Millionen US-Dollar.
AegisAI setzt KI-Agenten ein, um E-Mails auf Anomalien zu prüfen und automatisiertes Spear-Phishing zu erkennen – dessen Häufigkeit innerhalb eines Jahres um das fünffache gestiegen sein soll. Das System soll Fehlalarme reduzieren und Angriffe abwehren, die herkömmliche Filter umgehen.
Die Strafverfolger bleiben nicht untätig. Das Bundeskriminalamt legte die Plattformen „Kratos“ und „Tycoon2FA“ lahm, über die monatlich tausende Phishing-Kampagnen abgewickelt wurden. Allein Kratos soll rund 1.800 Nutzer gehabt und einen Umsatz von 300.000 Euro generiert haben.

