Smartphone-Sicherheit: 66% der Deutschen erleben Betrugsversuche

Die Bedrohungslage für mobile Geräte verschärft sich: Google, WhatsApp und Microsoft reagieren mit neuen Schutzfunktionen auf KI-gestützte Angriffe.

Die Bedrohungslage für Nutzer von Smartphones und Tablets verschärft sich durch eine neue Welle von Sicherheitsrisiken beim mobilen Surfen. Aktuellen Berichten zufolge treten beim Aufrufen von Webseiten vermehrt Malware-Pop-ups auf, die gezielt versuchen, Schadsoftware auf mobilen Endgeräten zu installieren oder Nutzer in Betrugsfallen zu locken. Parallel dazu reagieren Betriebssystem-Entwickler und App-Anbieter mit neuen Schutzmechanismen auf die sich wandelnden Angriffsmuster.

Google und Meta rüsten Sicherheitsfunktionen auf

Um den Gefahren entgegenzuwirken, hat Google die Android 17 QPR2 Beta 3 für Pixel-Geräte ab der Generation 6a veröffentlicht. Diese Version enthält spezifische Schutzmaßnahmen gegen den sogenannten Rufumleitungs-Betrug mittels USSD-Codes.

Ein neuer Bestätigungsdialog soll verhindern, dass Angreifer unbemerkt Befehle über das Mobilfunknetz ausführen können. Zudem beinhaltet das Update Fehlerbehebungen für die Benachrichtigungsleiste sowie für Warnmeldungen zum Akkustand.

Auch innerhalb weit verbreiteter Messenger-Dienste werden neue Sicherheitsvorkehrungen erprobt. WhatsApp testet derzeit in einer Beta-Phase die Funktion „Scam Alert“. Dabei analysiert ein lokales KI-Modell auf dem Smartphone des Nutzers Chatverläufe auf bekannte Betrugsmuster.

Ein wesentlicher Aspekt des Datenschutzes ist hierbei, dass die Nachrichten zur Analyse nicht an die Server des Mutterkonzerns Meta übertragen werden. Erste Anwender erhalten bereits entsprechende Warnungen im Chat, über die sie verdächtige Kontakte blockieren, melden oder als vertrauenswürdig markieren können. Wann die Funktion für die breite Nutzerschaft ausgerollt wird, ist derzeit noch unklar.

Die Effizienz KI-gestützter Phishing-Kampagnen

Die Notwendigkeit verbesserter Schutzmaßnahmen wird durch aktuelle Studienergebnisse untermauert. Eine Untersuchung mit 7.700 Teilnehmern zeigt, dass durch künstliche Intelligenz personalisierte Phishing-Mails eine Klickrate von 10,0 % erreichen. Dies stellt eine signifikante Steigerung gegenüber generischen E-Mails dar, bei denen die Klickrate lediglich bei 3,9 % liegt. Angreifer nutzen hierfür zunehmend lokale Sprachmodelle (LLMs) auf handelsüblicher Hardware, die ohne Cloud-Anbindung funktionieren.

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Interpol warnt in diesem Zusammenhang vor dem Einsatz KI-gestützter Tools für Phishing, Deepfakes und Identitätsbetrug. Als Gegenmaßnahmen werden verstärkt Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) und gezielte Nutzertrainings empfohlen.

Der Bericht „State of Scams Germany 2026“, für den 2.550 Personen befragt wurden, verdeutlicht das Ausmaß: Demnach wurden 66 % der Deutschen innerhalb von zwölf Monaten Opfer von Betrugsversuchen. Im Durchschnitt waren Betroffene 130 Mal solchen Versuchen ausgesetzt.

Nur 45 % der Befragten bemerkten den Betrug selbst, während 25 % der Interaktionen tatsächlich zu einem finanziellen Schaden führten. Die durchschnittliche Schadenssumme belief sich dabei auf 2.619 Euro.

Neue Angriffsvektoren: Quishing und GhostPairing

Neben klassischen Pop-ups und E-Mails nutzen Kriminelle zunehmend kreative Methoden. Die Polizei Bielefeld warnt vor „Quishing“, einer Betrugform, bei der QR-Codes in Chats oder auf Webseiten zu gefälschten Bankportalen führen. In einem aktuellen Fall gab eine Nutzerin ihre Daten nach dem Scannen eines solchen Codes ein; erst durch das rechtzeitige Sperren des Kontos und eine Anzeige konnte Schlimmeres verhindert werden.

Eine weitere Gefahr stellt das sogenannte „GhostPairing“ auf WhatsApp dar. Hierbei werden Nutzer oft unter dem Vorwand einer Abstimmung dazu verleitet, eine Verknüpfung ihres Kontos mit einem fremden Gerät zu autorisieren.

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Experten raten dazu, in den App-Einstellungen regelmäßig die Liste der verknüpften Geräte zu überprüfen. Auch Phishing-Kampagnen, die Kunden der Telekom mit einem kostenlosen WLAN-Verstärker im Wert von 59,99 Euro locken, sind im Umlauf. Ziel ist hierbei der Abgriff von Kreditkartendaten über fremde Domains.

Maßnahmen der Softwarehersteller und Behörden

Microsoft plant für den Browser Edge ab September 2026 einen automatischen Schutz gegen Benachrichtigungen von betrügerischen Websites. Diese Funktion soll Warnungen blockieren, die Nutzer auf Seiten führen könnten, die bereits vom Defender SmartScreen als gefährlich eingestuft wurden.

Apple hat zudem Warnungen vor gezielten Söldner-Spyware-Angriffen an iPhone-Nutzer in über 150 Ländern versandt, wobei besonders Journalisten und Politiker im Fokus stünden.

Auf strafrechtlicher Ebene verzeichnete das Bundeskriminalamt (BKA) einen Erfolg. Gemeinsam mit der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt wurde eine internationale Bande ausgehoben, die eine Schwachstelle bei einem Zahlungsdienstleister ausgenutzt hatte.

Durch ein fehlerhaftes Softwareupdate im November 2023 war ein Schaden im Millionenbereich entstanden. Im Rahmen der Ermittlungen wurden Tatverdächtige in Spanien, Bulgarien und Brasilien verhaftet.