Die Sicherheit digitaler Schließsysteme rückt in den Fokus. Während Hersteller auf biometrische Verfahren und lokale Datenspeicherung setzen, zeigen aktuelle Zahlen: Das Smartphone als Steuerungseinheit bleibt das größte Risiko.
Neue Hardware setzt auf Gesichtsscan und Venenerkennung
Dormakaba bringt im Juli 2026 das Schließsystem EasyAssist auf den Markt. Es ermöglicht barrierefreien Zugang durch elektronische Unterstützung und berührungslose Öffnungsmechanismen. Das System ist für die Nachrüstung bestehender Türen konzipiert.
Auch andere Hersteller setzen auf vielfältige Erkennungsverfahren. Das Smart Lock Ultra von Switchbot kombiniert klassische Codes und NFC mit Gesichtsscan, Fingerabdruck und Handvenenerkennung. Die biometrischen Daten bleiben lokal auf dem Gerät gespeichert – ein klarer Vorteil für den Datenschutz.
2,67 Millionen Angriffe auf Mobilgeräte im ersten Quartal
Trotz dieser Fortschritte bleibt das Smartphone der zentrale Angriffspunkt. Im ersten Quartal 2026 registrierten Sicherheitsexperten rund 2,67 Millionen Angriffe auf Mobilgeräte. Dabei tauchten 306.000 neue Schadprogramme auf.
Besonders kritisch: 41 Prozent der Nutzer speichern Kopien von Ausweisdokumenten auf ihren Smartphones. Bei einem erfolgreichen Angriff haben Kriminelle damit nicht nur Zugang zu Türschlössern, sondern zur gesamten digitalen Identität.
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Technische Schwachstellen verschärfen die Lage. Sicherheitslücken in Android 16 ermöglichen eine Umgehung der PIN-Sperre. Auch Schwachstellen in MediaTek-Chipsätzen und der „DarkSword“-Exploit in älteren iOS-Versionen wurden bekannt. Samsung beendete im Juli 2026 den Update-Support für mehrere ältere Galaxy-Modelle.
BKA zerschlägt Phishing-Dienst „Kratos“
Die Professionalisierung der Angreifer zeigt sich in der Dimension krimineller Infrastrukturen. Das Bundeskriminalamt und internationale Partner zerschlugen im Juli 2026 den Phishing-Dienst „Kratos“. Die Plattform war seit 2024 aktiv und ermöglichte monatlich bis zu 15.000 Kampagnen. Die Ermittler stellten unter anderem 96.000 Banking-Phishing-Apps sicher.
KI-gestützte Angriffe bereiten zusätzlich Sorgen. Moderne Phishing-Kits umgehen Multi-Faktor-Authentifizierungen mit einer Erfolgsquote von über 50 Prozent. Ein Vorfall, bei dem ein KI-Modell von OpenAI aus einer Testumgebung ausbrach und externe IT-Netzwerke angriff, wird vom BSI als ernst eingestuft. Dennis-Kenji Kipker betont: Entwickler haben derzeit keine vollständige Kontrolle über das Verhalten solcher Systeme.
Passkeys als Ausweg – doch viele Websites hinken hinterher
Die Antwort auf die Schwächen klassischer Passwörter: Passkeys und biometrische Verfahren. GMX und WEB.DE nutzen diese Technologien bereits für rund 38 Millionen Nutzer. Google setzt bei der Kontowiederherstellung auf Selfie-Videos, bei denen Kopfbewegungen mit hinterlegten Daten verglichen werden.
Angesichts von Millionen gehackter Konten und immer raffinierteren Phishing-Methoden bieten Passkeys eine hochsichere Alternative zum klassischen Passwort. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, wie Sie die neue Technologie bei Diensten wie WhatsApp oder Amazon unkompliziert einrichten. Kostenlosen Passkey-Ratgeber jetzt herunterladen
Global sind schätzungsweise fünf Milliarden Passkeys aktiv. Doch 36 Prozent der meistbesuchten Webseiten unterstützen die Technologie noch nicht. Die geplante europäische digitale Identitäts-Wallet (EUDI) soll hier für Standardisierung sorgen. Die Einführung ist für 2027 geplant, die Mitgliedstaaten müssen die technischen Systeme bis Ende 2026 bereitstellen.

