Smartphone-Sicherheit: Forscher knacken 9 von 26 Geräten per SIM-Karte

Präparierte SIM-Karten ermöglichen Zugriff auf Modem-Befehle. Neun von 26 Geräten sind betroffen, besonders IoT-Hardware ist gefährdet.

Sicherheitsforscher haben eine kritische Schwachstelle in der Kommunikation zwischen SIM-Karten und Mobilfunkmodems identifiziert, die den Schutz gesperrter Mobiltelefone und vernetzter Geräte aushebeln kann. Wie Experten der University of Birmingham und des Sicherheitsunternehmens Fuzzware im Rahmen der Fachkonferenz USENIX WOOT in Baltimore präsentierten, lassen sich durch präparierte SIM-Karten unbefugte Zugriffe auf Systemfunktionen realisieren. Die Angriffe nutzen dabei sogenannte Proactive-SIM-Befehle, um Anweisungen direkt an das Modem der Geräte zu senden.

Schwachstellen in der AT-Befehlsschnittstelle

Im Zentrum der Untersuchung stand der Zugriff auf die Schnittstelle für AT-Befehle (Attention Commands), die traditionell zur Steuerung von Modemfunktionen genutzt werden. Die Forscher testeten insgesamt 26 verschiedene Endgeräte auf ihre Anfälligkeit gegenüber diesen manipulierten Karten. In neun Fällen gelang es den Experten, über die SIM-Karte Zugriff auf die AT-Befehlsebene zu erhalten.

Die Analyse einer Teilgruppe von 18 Smartphones und acht IoT-Geräten verdeutlichte das Risiko: Während zwei der untersuchten Mobiltelefone die Befehlsschnittstelle exponierten, waren sieben der acht getesteten IoT-Geräte für diese Art des Übergriffs anfällig. Sobald dieser Zugriff etabliert ist, eröffnen sich für potenzielle Angreifer diverse Szenarien. Dazu zählen laut den Forschungsergebnissen die Ausführung von beliebigem Code, der Diebstahl privater Daten sowie die Durchführung von Denial-of-Service-Angriffen (DoS), die das Gerät funktionsunfähig machen können.

Betroffene Geräte und dauerhafte Downgrades

Die Forscher dokumentierten konkrete Auswirkungen an spezifischen Hardware-Beispielen. So wurde ein EV-Ladegerät des Herstellers Autel, das mit einem Quectel EC25-AFX Modem ausgestattet ist, erfolgreich kompromittiert. Bei den Smartphones erwies sich unter anderem das Modell Oppo Reno14 F 5G als verwundbar. In diesem Fall konnten die Experten 198 verschiedene AT-Befehle über die manipulierte SIM-Karte absetzen.

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Ein besonderes Risiko stellt laut den Experten die Möglichkeit eines erzwungenen Downgrades auf den veralteten 2G-Netzstandard dar. Im Falle des getesteten Oppo-Geräts sei dieser Wechsel in den unsicheren Funkstandard nicht umkehrbar gewesen, was die langfristige Sicherheit des betroffenen Geräts massiv beeinträchtige.

Koordinierte Reaktion und Sicherheitsupdates

Die Tragweite der Entdeckungen führte zu einer koordinierten Offenlegung der Schwachstellen. Die Mobilfunk-Branchenvereinigung GSMA steuerte den Meldeprozess unter der Referenz CVD-2026-0122. Insgesamt wurden im Rahmen der Forschungsarbeit vier unterschiedliche Schwachstellen-Kategorien definiert. Für Geräte mit den Betriebssystemversionen Android 13 bis 16 wurde zudem die Kennung CVE-2025-48618 vergeben, um die Sicherheitslücken formal zu erfassen.

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Als primäre Schutzmaßnahme empfehlen die Forscher der University of Birmingham und von Fuzzware eine grundlegende Änderung in der Architektur der Modem-Kommunikation. Die Funktion „RUN AT“, welche die Ausführung der kritischen Befehlssätze ermöglicht, sollte nach Ansicht der Experten vollständig aus den Spezifikationen entfernt werden, um diesen Angriffsvektor dauerhaft zu schließen. Die Präsentation in Baltimore unterstreicht, dass die SIM-Karte, die bisher meist als reiner Sicherheitstoken betrachtet wurde, ohne entsprechende Absicherung der Schnittstellen selbst zum Ausgangspunkt für Kompromittierungen werden kann.