Kriminelle nutzen Künstliche Intelligenz für perfide Betrugsmaschen – und werden immer professioneller.
Stimmimitation per KI wird zum Massenphänomen
Die Kombination aus sozialer Manipulation und technischer Aufrüstung macht Verbrauchern und Unternehmen zu schaffen. Ein aktueller Bericht von Economist Impact und dem Sicherheitsunternehmen Zscaler zeigt: Angreifer setzen KI für personalisierte Phishing-Kampagnen und die automatisierte Entwicklung von Schadsoftware ein. Die Zeitspanne zwischen dem Bekanntwerden einer Sicherheitslücke und deren Ausnutzung schrumpft teilweise auf nur noch einen Tag.
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Besonders perfide: die manipulation von Stimmen per KI. In Südkorea wurde Ende Mai eine YouTuberin festgenommen, die genau diese Technik einsetzte. Auch in Deutschland häufen sich die Fälle. Erst heute wurde ein Vorfall aus Bad Salzuflen bekannt: Ein Senior wurde Opfer eines sogenannten Schockanrufs. Die Täter gaben sich als Angehörige und Staatsanwälte aus – und erbeuteten Gold und Bargeld im fünfstelligen Wert.
Parallel warnt die Polizei im Kreis Lippe vor Betrügern, die sich am Telefon als Bankmitarbeiter ausgeben. Ihr Ziel: EC-Karten und PIN-Nummern.
Behörden schlagen zurück – mit Erfolg
Trotz der steigenden Professionalisierung gelang den Behörden ein bedeutender Schlag. Die niederländische Polizei zerschlug Ende Mai das Botnetz „Asocks“. Es umfasste mehr als 17 Millionen kompromittierte Geräte in 163 Ländern – darunter Router, IoT-Kameras und zahlreiche Smartphones. Das Netzwerk diente als kommerzieller Proxy-Dienst für großflächige Phishing-Angriffe und DDoS-Attacken.
Auch international gab es Erfolge:
- Indien: Im Rahmen der „Operation Octopus“ wurden seit Ende 2025 hunderte Verdächtige festgenommen, darunter auch Bankangestellte. Über 1.100 sogenannte Ghost-SIM-Karten kamen für betrügerische Aktivitäten zum Einsatz.
- Argentinien: Bei der Operation „Fake Coins“ am 31. Mai erfolgten 24 Festnahmen. Die Behörden stellten Kryptowerte in Millionenhöhe sicher.
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Die Schadenssummen explodieren
Während technische Angriffe wie NFC-Exploits laut Kaspersky-Daten von Anfang des Jahres bis April um 188 Prozent zunahmen, zeigt sich ein paradoxes Bild: Die Fallzahlen im klassischen Internetbetrug sinken. Das LKA Niedersachsen verzeichnete für 2025 rund 18.300 Fälle – verglichen mit etwa 30.000 im Jahr 2021.
Doch die Schadenssummen steigen massiv. Grund: KI-gestützte Krypto-Scams. Branchenexperten beziffern die Schäden allein in den USA auf über 890 Millionen Euro.
Passkeys als Rettung – doch die Nutzung stockt
Angesichts der technologischen Aufrüstung der Täter rücken neue Schutzmechanismen in den Fokus. Das britische NCSC und deutsche Experten empfehlen verstärkt den Einsatz biometrischer Passkeys als Alternative zu herkömmlichen Passwörtern.
Eine aktuelle YouGov-Umfrage zeigt jedoch: Nur 32 Prozent der Deutschen nutzen Passkeys. Dabei halten 74 Prozent ihre eigenen Passwörter für sicher – ein gefährlicher Trugschluss.
Sicherheitsanbieter wie KnowBe4 erweiterten heute ihr Angebot auf Kommunikationsplattformen wie Microsoft Teams. Ziel: Nutzer vor Phishing in Chat-Umgebungen zu schützen.
Wer nicht aufpasst, haftet selbst
Experten raten zu erhöhter Skepsis bei unangeforderten Anrufen oder Nachrichten. Der Grund: Gerichte wie das LG Karlsruhe und der Delhi High Court bestätigten im Mai 2026, dass Kunden bei grob fahrlässigem Verhalten im Cyber-Betrug mithaften müssen. Eigenvorsorge gewinnt damit an rechtlicher Bedeutung.

