Bundesbildungs- und Familienministerin Karin Prien reiste nach Brüssel, um mit EU-Parlamentariern über eine koordinierte europäische Lösung zum Kinderschutz im Internet zu beraten. Ihr Ziel: ein gemeinsames Vorgehen gegen die wachsenden Gefahren in sozialen Medien. Die EU-Kommission will nach der Sommerpause konkrete Vorschläge vorlegen. Eine Expertenkommission bereitet derzeit Empfehlungen vor, die am 11. September veröffentlicht werden sollen.
Österreich und Frankreich gehen voran
Während Brüssel noch an einer Gesamtstrategie arbeitet, treiben einzelne Staaten eigene Gesetze voran. Die österreichische Regierung hat einen Entwurf in die Begutachtung geschickt, der ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 14 Jahren vorsieht. Betroffen wären Plattformen wie TikTok, Instagram, YouTube und Snapchat – Messenger-Dienste wie WhatsApp bleiben ausgenommen. Die Altersprüfung könnte über Zero-Knowledge-Proofs oder die staatliche elektronische Identität laufen. Ein Parlamentsbeschluss ist für den Herbst geplant, das Verbot soll Anfang 2027 in Kraft treten.
Frankreich plant unterdessen eine Altersgrenze von 15 Jahren für die uneingeschränkte Nutzung sozialer Netzwerke. Deutschland und Frankreich fordern zudem gemeinsam einen EU-Aktionsplan gegen digitale Gewalt. Eine aktuelle Empfehlung sieht vor: Kinder unter 13 Jahren sollten soziale Medien nur unter elterlicher Aufsicht nutzen.
Widerspruch vom Verbraucherschutz
Der Verbraucherzentrale Bundesverband lehnt pauschale Verbote ab. Ramona Pop sprach sich gegen ein generelles Social-Media-Verbot für Jugendliche aus und fordert stattdessen striktere Regeln für Plattformbetreiber. Im Fokus: suchtfördernde Mechanismen wie die Autoplay-Funktion, automatische Standortfreigaben und Algorithmen, die zur übermäßigen Nutzung verleiten. Die EU-Kommission hat bereits ein Expertengremium eingesetzt, um Zugangsbeschränkungen für Kinder unter 13 Jahren zu prüfen.
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Auch zivilgesellschaftliche Initiativen drängen auf strengere Regeln. Im Allgäu setzen sich Elterngruppen für altersgerechte Smartphone-Nutzung und smartphonefreie Schulen ein. Sie berufen sich auf Analysen des Jugendforschers Simon Schnetzer, wonach rund 60 Prozent der Jugendlichen in Deutschland suchthaftes Verhalten bei der Smartphone-Nutzung zeigen.
Cyber-Kriminalität auf dem Vormarsch
Die Dringlichkeit regulatorischer Maßnahmen untermauern Berichte über zunehmende Online-Kriminalität. Experten warnen, dass Kinder und Jugendliche besonders in unterrichtsfreien Zeiten verstärkt digitalen Risiken ausgesetzt sind. Laut der Nationalen Kinderschutz-Hotline 111 haben sich die Fälle im Zusammenhang mit dem Schutz von Kindern im Internet im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt.
Da Kriminelle immer häufiger versuchen, über manipulierte Apps und Sicherheitslücken an private Daten zu gelangen, sollten Nutzer ihre Android-Systeme stets aktuell halten. Wie Sie Sicherheitslücken schließen und Malware dauerhaft verhindern, erfahren Sie in diesem kostenlosen Experten-Report. Kostenlosen Android-Update-Ratgeber herunterladen
Sicherheitsbehörden warnen zudem vor neuen Betrugsmaschen auf Plattformen wie Zalo oder durch gefälschte Banking-Apps. Kriminelle gelangen über Bildschirmfreigaben oder manipulierte Links an persönliche Daten und Einmalpasswörter. Experten raten: keine persönlichen Informationen über soziale Medien preisgeben, verdächtige Kontakte sofort melden. Bildungseinrichtungen reagieren bereits mit verstärkten Sensibilisierungskampagnen für Schüler und Eltern.

