Eine aktuelle Untersuchung der University of Michigan School of Kinesiology und des Hope College stellt die Verlässlichkeit von Gesundheitsdaten infrage, die von Smartwatches und Fitness-Trackern erhoben werden.
Laut der im Fachmagazin „Sensors“ veröffentlichten Studie handelt es sich bei vielen der angezeigten Werte nicht um präzise Messungen, sondern lediglich um algorithmische Schätzungen. Viele Nutzer würden fälschlicherweise von einer hohen Genauigkeit der Geräte ausgehen, die in der Realität oft nicht gegeben sei.
Diskrepanzen zwischen Messung und Schätzung
Die Forscher differenzieren deutlich zwischen verschiedenen Datentypen. Als vergleichsweise zuverlässig gelten demnach die Herzfrequenz im Ruhezustand oder bei gleichmäßiger Belastung (Steady-State), die Schrittzahl sowie die im Freien gemessene Geschwindigkeit (Outdoor-Pace).
Demgegenüber stehen zahlreiche Funktionen, deren Genauigkeit als geringer eingestuft wird. Dazu zählen die Berechnung des Kalorienverbrauchs, die Bestimmung von Schlafphasen, die Analyse der Körperzusammensetzung sowie Angaben zu Hydratation und Erholungsstatus (Recovery).
Interessanterweise hat sich die Präzision dieser Geräte laut der Untersuchung seit einer vergleichbaren Studie aus dem Jahr 2020 nicht signifikant verbessert. Ein Grund für die Ungenauigkeiten liegt in der verwendeten Technik: Optische Sensoren, die mit grünem Licht oder Infrarot arbeiten, messen über Lichtreflexionen.
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Dieses Verfahren unterscheidet sich grundlegend von klinischen Geräten. Äußere Einflüsse wie Schweiß, Luftfeuchtigkeit, ein lockerer Sitz des Armbands oder die Umgebungstemperatur können zu Fehlalarmen führen. So berichten die Experten von Fällen, in denen fälschlicherweise eine Herzfrequenz von 170 Schlägen pro Minute angezeigt wurde.
Einflussfaktoren und technische Grenzen
Die Zuverlässigkeit der Daten hängt von einer Vielzahl individueller Faktoren ab. Neben der Intensität der Bewegung beeinflussen auch der Hautton, Tätowierungen am Handgelenk sowie der allgemeine Körperbau die Messergebnisse. Da die Hersteller unterschiedliche Algorithmen verwenden, seien die Werte zudem markenübergreifend kaum miteinander vergleichbar.
Besondere Vorsicht ist bei spezifischen medizinischen Funktionen geboten. Ein am Handgelenk durchgeführtes Einzel-EKG könne zwar Muster von Vorhofflimmern erkennen, sei jedoch nicht in der Lage, einen Herzinfarkt zu identifizieren, da dieser auf einem Gefäßverschluss beruhe. Auch bei der Blutdruckmessung am Handgelenk ist die Fehlerquote hoch.
Anwendungsfehler, wie eine falsche Positionierung des Arms, verfälschen die Ergebnisse: Wird das Handgelenk über Herzhöhe gehalten, fallen die Werte oft zu niedrig aus; bei einer zu tiefen Haltung zu hoch. Für die Selbstmessung werden daher weiterhin Oberarmgeräte als verlässlicher empfohlen.
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Ein weiterer kritischer Punkt ist die Temperaturmessung. Die meisten Smartwatches erfassen lediglich die Hauttemperatur, die stark von der Durchblutung und der Umgebung abhängt. Die für medizinische Diagnosen relevante Körperkerntemperatur weist hingegen deutlich geringere Schwankungen auf.
In diesem Bereich werden neue Lösungen entwickelt, wie etwa der bald erhältliche Speediance Strap, der eine spezielle Technologie zur kontinuierlichen Messung der Körperkerntemperatur nutzt.
Hohe Akzeptanz trotz technologischer Hürden
Trotz der aufgezeigten Defizite ist die Verbreitung von Wearables hoch. In den USA nutzt fast jeder Dritte regelmäßig ein solches Gerät. Eine groß angelegte PwC-Studie mit über 21.000 Teilnehmern aus dem Frühjahr 2026 belegt diesen Trend: Rund 80 Prozent der Befragten nutzen mindestens eine App oder ein Wearable für Gesundheitszwecke.
Besonders die jüngeren Generationen zeigen sich aufgeschlossen gegenüber technologischen Hilfsmitteln; 86 Prozent von ihnen geben an, sich bei Gesundheitsaufgaben auch mit künstlicher Intelligenz wohlzufühlen.
Fachleute raten Nutzern dazu, Einzelalarme ihrer Geräte nicht überzubewerten. Bei anhaltenden Auffälligkeiten sollte grundsätzlich ein Arzt aufgesucht werden. Um die bestmögliche Datenqualität zu erzielen, wird empfohlen, das Wearable eng sitzend etwa zwei Fingerbreit über dem Handgelenkknochen zu tragen.

