Die AOK Hessen hat eine alarmierende Bilanz vorgelegt: In den Jahren 2024 und 2025 stieg die Zahl der Hinweise auf Betrug im Gesundheitswesen um zehn Prozent auf 1.232 Fälle. Die gesicherten Forderungen der Krankenkasse belaufen sich auf rund 4,8 Millionen Euro. 195 Strafanzeigen wurden erstattet.
Besonders betroffen ist der Bereich der Arznei- und Verbandmittel. Hier entstand ein Schaden von 1,8 Millionen Euro. Ein Lieferant musste nach der Fälschung von Rezepten 857.000 Euro zurückzahlen. Auch in der Pflegeversicherung und bei physiotherapeutischen Leistungen wurden Unregelmäßigkeiten festgestellt. Ein Fall von Pflegebetrug durch Familienangehörige verursachte einen Schaden von 72.000 Euro. Gefälschte Physiotherapie-Verordnungen führten in 44 Fällen zu Forderungen von 12.000 Euro.
Internationaler Schlag gegen „Kratos“
Parallel zu den Ermittlungen im Gesundheitssektor gelang dem Bundeskriminalamt (BKA) in Zusammenarbeit mit dem FBI und indonesischen Behörden die Zerschlagung des Phishing-Dienstes „Kratos“. Die Plattform war seit 2024 aktiv und stellte eine umfassende Infrastruktur für Cyberkriminelle bereit. Die Ermittler beschlagnahmten 200 Server und stellten rund 96.000 Phishing-Apps sicher.
Der Dienst bediente etwa 1.800 Kunden, die monatlich bis zu 15.000 Betrugskampagnen durchführten. Die Relevanz des Schlags zeigt sich in aktuellen Kriminalstatistiken: In der ersten Jahreshälfte 2026 stieg das Aufkommen von SMS-Betrug um 146 Prozent. Support-Betrug legte um 134 Prozent zu, Angriffe durch Fernzugriffstrojaner um 69 Prozent.
Warnungen vor neuen Maschen
Sparkassen-Kunden sind vermehrt Ziel von Phishing-Mails. Unter dem Vorwand eines „Sicherheitsupdates“ versuchen Kriminelle, Bankdaten auf gefälschten Webseiten abzugreifen. Oft drohen sie mit einer Kontosperrung. Auch Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung werden attackiert – mit betrügerischen E-Mails zum angeblichen Austausch der Gesundheitskarte.
Der massive Anstieg von SMS-Betrug und gefälschten E-Mails zeigt, wie gezielt Kriminelle versuchen, an sensible persönliche Daten heranzukommen. Dieser kostenlose Anti-Phishing-Report enthüllt die aktuellen Methoden der Hacker und zeigt Ihnen, wie Sie Betrugsversuche sofort entlarven. Jetzt kostenloses Anti-Phishing-Paket sichern
Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) warnt zudem vor einer Kombination aus digitalen und analogen Betrugsversuchen. Neben Phishing-Mails mit gefälschten Absenderadressen treten vermehrt Telefonbetrüger auf. Auch Personen, die sich an der Haustür als Mitarbeiter ausgeben, sind aktiv. Die DRV betont: Echte Hausbesuche erfolgen ausschließlich nach vorheriger Terminvereinbarung und unter Vorlage eines Dienstausweises.
In einem weiteren Fall warnen die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg und Branchenexperten vor unberechtigten Forderungen eines in Hongkong ansässigen Unternehmens. Unter verschiedenen Markennamen verschickt es Rechnungen über 200 Euro für nie abgeschlossene Abonnements – etwa für Ernährungscoaching oder KI-Assistenz. Juristen raten Betroffenen, diesen Forderungen schriftlich zu widersprechen und keine Zahlungen zu leisten.
Zehn Jahre Haft für falschen Notfallsanitäter
Die strafrechtliche Aufarbeitung von Betrug im Gesundheitswesen führte kürzlich zu einem Urteil vor dem Landgericht Kleve. Ein 30-jähriger Mann wurde zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt. Er hatte sich mit gefälschten Dokumenten als Notfallsanitäter anstellen lassen. In der Folge kam es zu medizinischen Fehlbehandlungen – in einem Fall mit tödeltlichem Ausgang.
Rekord-Schäden durch betrügerische Kampagnen fordern eine erhöhte Aufmerksamkeit im digitalen Alltag, um sensible Informationen wirksam zu schützen. Experten erklären in diesem kostenlosen Ratgeber, wie Sie sich proaktiv gegen Manipulationstaktiken absichern, bevor finanzieller Schaden entsteht. Kostenlosen Leitfaden zur Hacker-Abwehr herunterladen
Auf gesetzgeberischer Ebene wurden im Juli 2026 Neuregelungen verabschiedet. Das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz verändert ab 2027 das Verhältnis zwischen Krankenkassen und Versicherten. Die Pflicht der Kassen, Mitglieder per Brief über Erhöhungen des Zusatzbeitrags zu informieren, entfällt. Zudem erhalten Krankenkassen ab Januar 2027 das Recht, Versicherte im Rahmen des Krankengeld-Fallmanagements ohne vorherige Einwilligung telefonisch zu kontaktieren – sofern kein Widerspruch vorliegt.
Auch im Bereich der sogenannten Medfluencer wird der Ruf nach Regulierung lauter. Hintergrund ist ein Experiment, bei dem eine fiktive Krankheit erfunden wurde. Akteure in sozialen Netzwerken reagierten ungeprüft darauf. Patientenstellen raten Verbrauchern zu erhöhter Vorsicht bei medizinischen Ratschlägen aus ungesicherten digitalen Quellen.

