SMS-Betrug: Anschläge um 146% gestiegen – Sparkassen im Visier

SMS-Betrug und KI-gestützte Phishing-Attacken nehmen rasant zu. Behörden schalten Plattformen ab, Banken und Krankenkassen sind im Visier.

Die Bedrohung durch Cyberkriminalität hat sich im ersten Halbjahr 2026 massiv verschärft. Besonders SMS-Betrug und KI-gestützte Phishing-Kampagnen legen rasant zu, wie aktuelle Marktberichte zeigen.

Automatisierte Angriffe auf dem Vormarsch

Branchenanalysten von BioCatch verzeichnen einen dramatischen Anstieg des SMS-Betrugs. In Märkten wie Indien schnellten die Fallzahlen um 146 Prozent nach oben. Der Gesamtwert der versuchten Betrugszahlungen stieg dort um 35 Prozent – und der Medianwert pro Betrugssitzung hat sich nahezu verdoppelt.

Ein Grund dafür: die zunehmende Automatisierung. Kriminelle nutzen Funktionen zum automatischen Ausfüllen von Anmeldedaten, was die Dauer einzelner Betrugssitzungen um fast ein Drittel verkürzt.

Microsoft registrierte im zweiten Quartal rund 7,6 Milliarden E-Mail-Phishing-Versuche. QR-Code-Phishing ging zwar von 18,7 Millionen im März auf 8,3 Millionen im Juni zurück, doch andere Methoden legen zu. Besonders Bankinstitute melden einen Anstieg KI-basierter Angriffe.

Ein Fall aus Indien zeigt die neue Dimension: Der 18-jährige Rohit Virendra Singh Shakya soll mit KI gefälschte Banking-Apps erstellt haben. Die APK-Dateien imitierten das Erscheinungsbild bekannter Banken und wurden auf über 21.000 Telefonen installiert. Der Schaden: rund 64,5 Millionen Rupien.

Behörden schalten Plattformen ab

Die Strafverfolger reagieren mit voller Härte. Das Bundeskriminalamt (BKA) und das FBI zerschlugen die Phishing-Plattform „Kratos“. Über sie wurden monatlich rund 15.000 Kampagnen in 35 Ländern abgewickelt. Etwa 200 Server wurden beschlagnahmt, Entwickler festgenommen. Rund 1.800 Nutzer sollen die Plattform verwendet haben.

In Indien schaltete das Ministerium für Telekommunikation über 13 Millionen Mobilfunkanschlüsse ab. Sie hatten entweder die Re-Verifizierung nicht bestanden oder waren durch Bürgermeldungen als verdächtig eingestuft worden.

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In Nordamerika bekannte sich der 19-jährige Kanadier Trenton Johnston der Geldwäsche schuldig. Er war an einer Kampagne beteiligt, die durch gefälschte Support-Anrufe bei Google und Kryptobörsen über 13 Millionen US-Dollar erbeutete.

Sparkassen und AOK im Visier

In Deutschland stehen aktuell Kunden der Sparkassen und der AOK im Fokus der Betrüger. Bei den Sparkassen kursieren gefälschte E-Mails, die mit einer Sperrung des Online-Bankings drohen. Die Empfänger werden auf gefälschte Seiten für Sicherheitsupdates gelockt.

Versicherte der AOK erhalten Phishing-Mails mit der Behauptung, die Gesundheitskarte müsse aufgrund einer Inkompatibilität ab dem 1. August 2026 ausgetauscht werden.

Auch über Messenger-Dienste wie WhatsApp nehmen Betrugsversuche zu. Kriminelle nutzen kompromittierte Hotelkonten auf Buchungsplattformen, um Reisende kurz vor ihrem Aufenthalt zu kontaktieren. Mit korrekten Buchungsdaten fordern sie die Opfer zur Eingabe von Kreditkartendaten auf externen Links auf.

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Die Zahlen des ersten Halbjahres

Die Gefährdungslage bleibt auf hohem Niveau. Die Fakten sprechen eine deutliche Sprache:

Der Betrug durch gefälschte Online-Shops stieg weltweit um 134 Prozent auf 114 Millionen Angriffe. Identitätsbetrug mit familiärem Bezug legte um 454 Prozent zu. Im ersten Quartal wurden 2,67 Millionen Schadsoftware-Angriffe auf Smartphones registriert, Banking-Trojaner für Android nahmen um 56 Prozent zu. Und: Laut BSI entfallen 90 Prozent aller Cyberangriffe auf Phishing-Methoden.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat Banken bereits aufgefordert, bis Oktober Aktionspläne vorzulegen, um den Anstieg KI-basierter Angriffe zu bewältigen. Die Bundesregierung plant zudem einen 26-Punkte-Plan, der unter anderem KI-gestützte Datenanalysen zur Bekämpfung der Cyberkriminalität vorsieht.

IT-Sicherheitsexperten raten Verbrauchern zu erhöhter Vorsicht bei unerwarteten Nachrichten. Die Devise: Links in SMS oder Messenger-Diensten grundsätzlich meiden und offizielle Kanäle zur Verifikation nutzen.