Kriminelle Netzwerke kapern zunehmend digitale Dienstleistungsplattformen. Fahrdienste, Online-Marktplätze und Finanzportale sind besonders betroffen. Die Täter nutzen sowohl technische Schwachstellen als auch menschliche Verhaltensmuster aus.
Millionenbetrug bei Uber in der Schweiz
Die Schweizer Behörden haben einen komplexen Betrugsfall beim Fahrdienstleister Uber aufgeklärt. Zwischen Mai und Juli 2021 erbeuteten Kriminelle rund 1,5 Millionen Schweizer Franken. Sie manipulierten Fahrten und Stornierungen mit fiktiven Buchungen.
Die Zahlungsströme wurden über Schweizer Konten von angeworbenen Helfern ins Ausland umgeleitet. Das Geld floss unter anderem nach China, Hongkong und auf Kryptoplattformen. Drei Geldwäscher wurden in der Schweiz verurteilt – mit Tagessätzen und zusätzlichen Bussen. Immerhin 34.000 Franken konnten an Uber zurückgeführt werden.
Die mutmaßlichen Drahtzieher in Ägypten sind weiterhin auf freiem Fuß. Das dortige Verfahren wurde sistiert.
SMS-Betrug explodiert um 146 Prozent
Die Zahlen sind alarmierend: Im ersten Halbjahr 2026 stieg SMS-Betrug um 146 Prozent. Besonders Sparkassen-Kunden gerieten ins Visier von Phishing-Kampagnen. Die Täter drohten mit Kontosperrungen, um an sensible Daten zu gelangen.
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Auch der Online-Handel leidet massiv. Deutsche Shops verzeichneten einen Anstieg der Betrugsfälle um 134 Prozent.
Ein Lichtblick: Im Rahmen der „Operation Olympus Blade“ zerschlugen BKA und FBI die Phishing-Plattform „Kratos“. Der Dienst wickelte monatlich rund 15.000 Kampagnen für etwa 1.800 Kunden ab. Die Behörden beschlagnahmten 200 Server und sicherten 96.000 Apps.
KI und Trojaner: Die neue Gefahr
Die Angriffe werden technisch immer raffinierter. Der Trojaner „Dolphin X“ verfügt über 329 Funktionen und kann Daten aus mehr als 300 Anwendungen stehlen – darunter über 160 Krypto-Wallets.
Künstliche Intelligenz treibt den Betrug zusätzlich an. Allein im ersten Halbjahr 2026 identifizierten Experten rund 560.000 KI-generierte Apps im Apple App Store. Auch Investmentbetrug wird zunehmend KI-gestützt. In Australien meldeten Behörden Verluste von 31,4 Millionen Dollar durch gefälschte Krypto-Plattformen.
Booking.com, Ricardo und SwissPass im Visier
Die Täter setzen auf psychologische Tricks und manipulierte Logistik:
- Booking.com: Betrüger nutzen echte Buchungsdaten. Kurz vor Reiseantritt kontaktieren sie Opfer per Messenger und locken sie auf gefälschte Zahlungsseiten.
- Ricardo und Tutti: Auf Schweizer Plattformen wurden 591 Fälle gemeldet. Käufer drängten Verkäufern manipulierte Versandetiketten auf – mit gefälschten Barcodes oder fehlenden Absenderangaben.
- SwissPass: Nutzer des Schweizer Mobilitätssystems berichten von gezielten Phishing-Wellen kurz vor Ablauf ihrer Abonnements.
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Klare Haftungsregeln gefordert
Das Amtsgericht Köln stärkt die Position stationärer Dienstleister. Ein Reisebüro wurde von der Haftung für betrügerische Online-Buchungen freigesprochen – es hatte alle vertraglichen Prüfpflichten erfüllt. Weitergehende Sicherheitsmaßnahmen wie Tonaufzeichnungen sind demnach nicht nötig.
Sicherheitsexperten raten Verbrauchern zu Passkeys statt Passwörtern. Beim Online-Verkauf sollten ausschließlich eigene Versandetiketten verwendet werden. Und bei Unsicherheit: Dienstleister direkt über offizielle Kanäle kontaktieren – niemals auf Links in Nachrichten klicken.

